Kitzingen

Von Schummlern und Betrügern

Die Fastenaktion 2019: CO2-, Fleisch- und Süßigkeitenfaster kämpfen sich einigermaßen durch. Die selbst ernannte Frühaufsteherin verschläft den Endspurt
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Die Redaktion warnt: Fasten kann aggressiv machen. Diana Fuchs baut ihren CO2-Frust am Süßigkeitenfaster Ralf Dieter ab. Foto: Foto: Hanna Bausewein

Kitzingen.

Es ist geschafft. Wieder haben wir sechseinhalb Wochen gefastet, was Körper und Geist hergeben. Mit ganz unterschiedlichen Erfolgen.

Daniela Röllinger

(verzichtet auf Fleisch und Kaffee-Milch-Mischungen): Das Ziel ist in Sicht. Und damit die Frage: Was esse ich an Ostersonntag? Theoretisch müsste ich nach einem Steak lechzen, aber irgendwie reizt mich das gerade gar nicht. Mir ist eher nach Spargel mit Kartoffeln. Hab' ich mich echt schon dran gewöhnt, weitgehend fleischlos zu leben? Wahrscheinlich trügt der Schein und ich falle am Sonntag über die fleischlastigen Teller meiner Tischnachbarn her. Dass es am Nachmittag einen Cappuccino geben wird, steht dagegen außer Frage, denn der fehlt mir wirklich.

Was hat mir die Fastenzeit in diesem Jahr gebracht? Bei meinem Resümee könnte ich jetzt schummeln. Es war ja keiner 40 Tage 24 Stunden lang mit der Kamera dabei. Aber weil man mir ansieht, wenn ich lüge, verzichte ich darauf (ganz im Sinne der Fastenzeit...) Ja, ich habe ab und zu geschummelt. Deutlich mehr Bäcker-Gebäck gegessen, als ich eigentlich wollte. Bestimmt vier Cappuccino getrunken. Den Schinken nicht aus dem Nudelsalat geklaubt und sogar zweimal Wild gegessen, wenn letzteres auch sonntags war und damit streng genommen nicht zählt. Insgesamt fällt mein Resümee trotzdem positiv aus, denn ich habe bewusster gelebt als sonst. Mehr darauf geachtet, was ich esse und trinke, wie viel ich schlafe. Dank Kollegin Fu. hatte ich öfter meinen CO2-Fußabdruck im Blick, zum Beispiel beim Einkaufen. Und weil Kollege Di. immer so angibt, habe ich mich sogar sportlich betätigt. Der Gruppenzwang unserer Fastenaktion motiviert also auch über das eigene Ziel hinaus. Liebe Kollegen, sucht Euch fürs nächste Jahr was Vernünftiges aus!

Laune:

gut

Erfolg:

passt scho'

Nina Grötsch

(steht täglich um 6 Uhr auf): Ich habe Urlaub. Fast hätte mich meine unbändige Freude darüber meinen Fastenvorsatz vergessen lassen. Passt schließlich auch so gar nicht zusammen: Urlaub und Aufstehen um 6 Uhr in der Früh?! Obendrein auch noch einen Artikel darüber schreiben, wo ich doch froh bin, mal eine Woche nicht in die Tasten klopfen zu müssen. In meinen Augen ist es also durchaus angemessen, diese Woche ein bisschen flexibler zu gestalten. Ich verbringe meinen Urlaub mit meiner Schwester und unseren vier (!) Kindern in einem (!) Wohnmobil. Unmöglich kann ich es riskieren, dass mein schriller Klingelton am Morgen unseren ganzen Schlafwagon aus der Nachtruhe reißt! Zumal wir froh sind über jede Minute, in der die Kinder ruhen und wir uns zumindest für einen kurzen Augenblick ausmalen können, wie entspannter Urlaub aussehen könnte. Und wenn ich ehrlich bin: Rechnet man die nächtlichen Klogänge, die Suchen nach verlorenen Schnullern, die Rettungen vor dem Verdursten und andere abenteuerliche Geschichten mit ein, komme ich aktuell vermutlich sogar auf weniger Schlaf als zuhause in meinem Schlafzimmer mit dem strikten Weckton um Punkt 6!

Laune:

ausgeschlafen

Erfolg:

Wie man es sieht

Diana Fuchs

(CO2-Fasterin): Leute, ich sag's ehrlich: Ich finde es schade, dass die Challenge jetzt vorbeigeht. Der Online-Austausch mit Gleichgesinnten war so nett und hat mir über manche Durststrecke geholfen. Gut waren auch: Bärlauch-Gnocchi in Zitronenbutter, die Tipps zum Wasser-, Strom-, Putzmittel- und Waschmittelsparen, die Insektenfutterpflanzaktion und die Ideen zum Upcycling. Danke, liebe Ideengeber der Metropolregion Nürnberg! Außerdem bin ich erstmals seit langem wieder mal ÖPNV, sprich Bahn, gefahren – ein chaotisches, aber irgendwie doch liebenswertes, auf jeden fall bahnbrechendes Erlebnis. Das mache ich mal wieder, denn da lernt man allerhand Leute kennen und hat keinen Stress beim Auf-die-Straße-Konzentrieren. Was ich sonst noch beibehalten werde: auf jeden Fall weiter Leitungswasser trinken statt abgepacktes Plastikwasser (das auch noch vergleichsweise teuer ist). Ich werde ohne chemische Keule putzen und öfter fleischlos kochen, denn auch das lässt den CO2-Fußabdruck schön schrumpfen. Und sobald schlaue Köpfe endlich nicht nur schlau reden, sondern emissionsfreie Autos auf den Markt bringen, werde ich mir eins kaufen.

Ein bisschen freue ich mich aber auch, dass die Fastenzeit jetzt vorbeigeht – nicht wegen mir, denn meine Challenge ging vergleichsweise unaufgeregt über die Bühne. Ziemlich übel fand ich aber die Auswirkungen der Fastenbemühungen meiner Kollegen. Müde, fleischlose Kolleginnen sind gerade noch erträglich, aber männliche Fast-Alles-Faster müssen so schnell echt nicht wieder sein. Ich werde die Wiederbelebung unseres redaktionseigenen Milchaufschäumers und damit verbunden der ganzen Kaffeemaschine mit Jubelschreien feiern!

LAUNE

: himmelhochjauzend

ERFOLG:

gute Basis zum Anknüpfen

Ralf Dieter

(kein Kaffee, keine Süßigkeiten, Sportskanone): Schade, dass es vorbei ist. Ich habe mich an ein Leben ohne Süßes und ohne Kaffee gewöhnt. Gefehlt hat mir nichts und gefühlt habe ich sieben Kilo abgenommen. In echt ist es wahrscheinlich nicht mal die Hälfe. Aber was im Leben zählt, das sind schließlich die Gefühle. Wie es jetzt weitergeht? Hoffentlich mit einem bewundernswerten Durchhaltevermögen über den Ostersonntag hinaus. Die Süßigkeiten will ich auf jeden Fall weiter reduzieren und Kaffee trinke ich nur noch, wenn ihn mir die Kolleginnen auf dem Silbertablett servieren – also auch nie mehr. Im nächsten Jahr brauche ich dann gar nicht mehr fasten, weil ich das ganze Jahr über enthaltsam lebe.

Laune:

überragend

Erfolg:

gigantisch



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