Kitzingen
Einsatz

Von Kitzingen nach Kathmandu

Der Kitzinger Rotary-Club lädt alle Bürger zu einer spannenden Soirée ein. Der Erlös geht an internationale Hilfsprojekte. Der Dettelbacher Höhenbergsteiger Peter Schöderlein wird Geld nach Nepal bringen - unter anderem für ein besonderes Schulhaus.
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Auf 3500 Quadratmetern wird nicht nur frisches Gemüse für die Bewohner des Kinderhauses geerntet, sondern auch für den Verkauf.
Auf 3500 Quadratmetern wird nicht nur frisches Gemüse für die Bewohner des Kinderhauses geerntet, sondern auch für den Verkauf.
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Wenn andere es sich abends zur Tagesschau auf der Couch bequem machen, fliegen bei ihm die Finger. Auf den schwarzen und weißen Tasten der Orgel tobt Reiner Gaar sich aus. "Abends und nachts bin ich am kreativsten", erzählt der Casteller Dekanatskantor, der mit seiner Familie in Buchbrunn wohnt. Der leidenschaftliche Musiker liebt auch das Bergsteigen. Einer seiner Lehrer in luftiger Höhe war vor Jahren der bekannte Dettelbacher Höhenbergsteiger Peter Schöderlein. "Schicksal", könnte man meinen.

Direkte Verbindung

Denn als Reiner Gaar nun für ein Jahr das Ehrenamt des Kitzinger Rotary-Club-Präsidenten übertragen bekam, war gleich klar: Der Erlös der diesjährigen Rotary-Soirée muss unter anderem Hilfsprojekten in Nepal zugute kommen, die Schöderlein seit Jahren betreut. Zwischen Kitzingen und Kathmandu gibt es quasi eine direkte Verbindung.


Rotarier wird man nur, wenn alle anderen Mitglieder eines Clubs einstimmig für die Aufnahme des Neulings votieren. Bei Ihnen, Herr Gaar, war das schon vor 15 Jahren der Fall.
Reiner Gaar: Ja, das war damals eine hohe Ehre, ich bin sehr gerne dabei.

Jetzt sogar als Präsident. Was ist das Besondere am RC?
Gaar: Man lernt unheimlich viele interessante Menschen kennen. Die Mitglieder treffen sich ja jeden Montag zu einem Vortrag, einer Diskussion oder Exkursion. Die Themen sind sehr vielfältig, quer durchs Leben, könnte man sagen. Oft erzählt jemand Wissenswertes über sein Hobby oder über seinen Beruf. Das ist hochinteressant, weil man so in völlig andere Gebiete blicken kann und Zusammenhänge kennenlernt, denen man im eigenen Alltag gar nicht begegnet. Die Treffen sind deshalb sehr anregend, informativ und bildend.

Als neuer Präsident haben Sie entschieden, dass der Club heuer ein Hilfsprojekt auf den Philippinen unterstützt, eine Armenapotheke in Nepal und dass Peter Schöderlein als "Geldbote" in ein Kinderheim entsandt wird. Warum?
Gaar: Zu diesen drei Hilfsprojekten habe ich jeweils einen persönlichen Bezug. Ich kenne und schätze nicht nur den Peter, der Nepal während seiner Expeditionen gut kennen gelernt hat, sondern auch den Kitzinger Zahnarzt Dr. Georg Lilly, der sich persönlich für das Gesundheitsprojekt auf den Philippinen engagiert. Hier bin ich sicher, dass das Geld gut angelegt ist.

Unterstützt werden soll zum Beispiel das Shaligram-Kinderhaus, in dem Kinder aus ganz Nepal Hilfe zur Selbsthilfe erfahren.
Peter Schöderlein: Genau. Waisenhaus, Schule und Gärtnerei liegen nebeneinander. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden an Hotels in Kathmandu verkauft. Regenwasser wird aufbereitet und Solarenergie ist zwischenzeitlich kein Fremdwort mehr. Das Kinderhaus ist mittlerweile - 15 Jahre nach seiner Gründung - völlig autark. Nun wollen wir in die Ausbildung von einheimischen Lehrern investieren, in ein weiteres Schulgebäude.

Wie sind Sie überhaupt in so intensiven Kontakt zu diesem Projekt gekommen?
Schöderlein: Das kam durch Gerlinde Kalte nbrunner, die bekannte Bergsteigerin, und ihren Mann, Ralf Dujmovits, mit denen ich befreundet bin. Sie haben mir in Nepal das Waisenhaus gezeigt, das sie finanziell unterstützten. Da hat es mich auch gepackt.

Wer die Natur liebt, liebt auch die Menschen, heißt es oft. Bei Ihnen beiden scheint das zu stimmen.
Gaar: Seit meiner Kindheit liebe ich das Bergsteigen. Peter Schöderlein beobachte und beneide ich immer, wenn er auf Tour geht, oft in Verbindung mit sozialen Projekten. Diese kann man nur unterstützen. Auch
Dr. Christine Reuter, eine Ärztin aus Bad Mergentheim, die oft mit Schöderlein unterwegs ist, tut viel Sinnvolles. Sie setzt sich etwa für eine Armenapotheke in Kathmandu ein - dort, wo es kein Gesundheitssystem gibt.

Der komplette Erlös der Rotary-Soirée fließt in die genannten Projekte. Damit möglichst viele Gäste kommen, haben Sie sich ein spannendes Thema einfallen lassen...
Gaar: In der Tat. "Alles nur geklaut?", ist in Zeiten zahlreicher Plagiat-Skandale ziemlich aktuell. Tatsächlich ist das Kopieren auch in der Musik ein Thema - obwohl es trotzdem phänomenal ist, dass aus dem begrenzten Vorrat an Tönen immer wieder etwas Neues herauskommt. Unser Referent Christian Kabitz wird das auf seine lockere Art sicher ganz fesselnd darstellen.

Fesselnd auch für Nicht-Rotarier?
Gaar: Natürlich! Die Soirée ist eine öffentliche Veranstaltung, da kann jeder ganz normal hingehen. Ich wünsche mir, dass viele kommen. Jeder ist eingeladen. Christian Kabitz zu erleben, macht Spaß...!



Die Benefiz-Veranstaltung des Rotary-Clubs Kitzingen:


Am Sonntag, 13. Januar, sind alle Interessierten von 16 bis 17 Uhr zur Neujahrs-Soirée des Kitzinger Rotary Clubs in die Alte Synagoge eingeladen.
"Alles nur geklaut? Plagiat oder Bearbeitung in der Musik": Christian Kabitz (Kirchenmusikdirektor St. Johannis, Würzburg) unternimmt einen kurzweiligen Streifzug durch 300 Jahre Musikgeschichte. Die musikalische Gestaltung der Soirée übernehmen Carolin Ehret (Violine), Matthias Schmitt (Marimbaphon) und Andreas Feith (Klavier). Während der Veranstaltung gibt es eine Kinderbetreuung, danach einen Umtrunk.
Als Unkostenbeitrag werden zehn Euro erhoben. Der Reinerlös der Soirée kommt heuer dem Shaligram-Kinderhaus in Nepal, einer Armen-Apotheke in Nepal und dem "Kressbronn Toril Education Program" (KTEP) auf den Phi-lippinen zugute, für das sich der Kitzinger Zahnarzt Georg Lilly einsetzt.
Ausführliche Infos über die Benefizprojekte gibt es im Internet: über das "Kressbronn Toril Education Program" unter www.ktep.de und über die Deutsch-Nepalische Hilfsgemeinschaft e.V. Stuttgart unter www.dnh-stuttgart.org oder www.nepalhilfe.org.

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