Zwei mutige Frauen und ein junger Mann sitzen auf dem breiten Beifahrersitz des Zehntonners und werden kräftig durchgeschüttelt. Sie lachen, schreien und halten sich mit den Händen an den wenigen Haltegriffen im Führerhaus des riesigen Geländefahrzeugs fest. Sicherheitsgurte? Fehlanzeige. Die durchschüttelnde Prozedur auf dem holprigen Übungsgelände der Bundeswehr ist nichts für Bandscheibengeschädigte, aber Lisa, Florian und Alexandra sind ja noch jung und topfit. Die drei Jugendlichen gehören zu einer Gruppe von Schülern, die in den Pfingstferien ein Schülerpraktikum in der Volkacher Mainfranken-Kaserne absolvieren. Sie sind freiwillig da und interessiert an der täglichen Arbeit der Soldaten.
Das Ferienpraktikum macht den jungen Leuten mächtig Spaß.
"Wir mussten uns richtig festhalten, um nicht durch die Frontscheibe zu donnern", sagt Lisa Mai, nachdem sie vom Führerhaus heruntergestiegen ist und durchgeatmet hat. "Ich möchte einfach einmal etwas anderes kennen lernen", nennt sie ihre Beweggründe für ihre Teilnahme an den Schnuppertagen bei der Bundeswehr. Die 16-Jährige aus Buchbrunn besucht die Wirtschaftsschule in Kitzingen und der Beruf eines Soldaten verbirgt nach ihrer Ansicht reichlich Spannung.
Auf einem Erdhügel stehen die übrigen Praktikanten und beobachten das Geschehen auf dem Baggerplatz der Kaserne. "Wir kommen aus verschiedenen Schulen in ganz Franken und verstehen uns trotzdem auf Anhieb", schildert Lisa ihre Eindrücke von der außergewöhnlichen Zusammenkunft in den Ferien.
Während sie von ihren ersten Erlebnissen Tags zuvor am Wasserübungsplatz in Nordheim erzählt, "versenkt" der Lenker des Zehntonners, Stabsunteroffizier Steffen Olms, seinen Koloss im Schlamm. Durch eine Dachluke krabbeln Maria Meixner (15, Bad Staffelstein), Franziska Wendt (17, Bamberg) und Luisa Leibold (15, Unterpleichfeld) auf das Dach des Geländefahrzeuges.

Sprung vom Fahrzeugdach


Um wieder trockenen Fußes an Land zu kommen, ist ein Sprung aus großer Höhe notwendig. Maria fasst nach reiflicher Überlegung als erste den Mut und springt über das Schlammloch. Hauptmann Uwe Kirfel, Koordinator des Ferienpraktikums in der Mainfranken-Kaserne, gibt gerne Hilfestellung bei der Landung. Franziska und Luisa haben jetzt ihre anfängliche Angst überwunden und folgen Maria in die Tiefe.
Die abwechslungsreichen und spannenden Tätigkeiten sind es, die Lisa Mai an der Bundeswehr so interessieren. "Ich möchte weniger zur Luftwaffe, lieber zum Heer", bemerkt sie. Einmal eine "handfeste" Grundausbildung mitzumachen, könnte sie sich gut vorstellen. "Da treibt man auch immer Sport und bleibt fit", sieht die Buchbrunnerin weitere Vorteile eines Jobs bei der Armee. Ein Soldatenleben ist nach ihrer Meinung nicht so "alltäglich wie viele andere Berufe". Bei den Kitzinger Pfadfindern hat sie auf diversen Zeltlagern bereits Abenteuerluft in freier Natur geschnuppert.
Eine Woche lang hat Florian Weickert (15, Sommerach) in einem Autohaus ein Praktikum absolviert. Jetzt will er bei der Bundeswehr Eindrücke sammeln und die dortigen Fahrzeuge genauer unter die Lupe nehmen. Florian ist ein Techniker. "Mich interessiert alles brennend, was einen Motor hat." Zuhause wartet er sein Mofa selbst und in der Kaserne wirft er ein "Adlerauge" auf Panzer und die anderen Einsatzfahrzeuge. Den Zehntonner, der auf dem Übungsgelände seine Kreise vor ihm dreht, würde er am liebsten selbst einmal lenken.
Sein Berufswunsch für später ist Kfz-Mechatroniker. Dass er diesen Beruf auch bei der Bundeswehr erlernen kann, erklärt ihm Hauptmann Kirfel. Grundsätzlich sei es das Ziel der Praktika, den jungen Leuten Rundum-Einblicke in die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten, Herausforderungen und individuellen Chancen in den Streitkräften zu vermitteln, erklärt Kirfel.

Motiviert und wissbegierig


Er ist begeistert von den 24 angetretenen Praktikanten: "Die sind alle hochmotiviert, interessiert an der Bundeswehr und wissbegierig. Sie stellen ständig Fragen." Über eine Ausschreibung konnten sich Neuntklässler aller Schularten auf einen Praktikumsplatz bewerben. Während des einwöchigen Treffens erhalten die Jugendlichen auch Infos über das Bewerbungs- und Einstellungsverfahren der Bundeswehr. "Mit Wegfall der Wehrpflicht ist es für uns schwieriger geworden, Nachwuchs zu bekommen", nennt der Hauptmann die Hintergründe für die Praktika. Vielleicht könne man einige junge Leute dafür begeistern, ihren künftigen Arbeitsplatz bei der Bundeswehr zu wählen.
Ein Job bei der Bundeswehr ist für Lisa nicht undenkbar. "Mein ganzes Leben lang möchte ich vielleicht nicht zur Bundeswehr", denkt sie laut über ihre Zukunft nach. "Aber ein paar Monate oder mal ein Jahr, das könnte ich mir gut vorstellen." Wenn sie die Wirtschaftsschule abgeschlossen hat, steht erst einmal das Fachabitur an der Fachoberschule auf dem Programm. Und danach? Warum nicht eine Ausbildung bei der Bundeswehr beginnen und danach mit der Soldaten-Mannschaft in Einsatz gehen - vielleicht auf einem Zehntonner?