Kitzingen

Von altbacken bis frisch und frech

Ein Marketingexperte und sein Blick auf die Wahlplakate im Wahlkreis.
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_ Foto: Ralf Dieter
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Landkreis KT

Jedes hat eine Aussage, jedes kommt anders an. Prof. Dr. Karsten Kilian, Professor für Marketing an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, hat für diese Zeitung die Wahlplakate der Landtagskandidaten unter die Lupe genommen. Wie modern ist das Layout? Wie überzeugend die zentrale Botschaft? Und wie kommt das Plakat bei den Wählern an?

Um es vorweg zu nehmen: Am besten schneiden die größeren Parteien ab. CSU, FDP und Freie Wähler erhalten für ihren Gesamteindruck ein Lob des Experten, die kleineren Parteien haben es da schon schwerer. Wir veröffentlichen die Expertise nach dem Alphabet:

AfD

: Das Layout ist laut Karsten Kilian unruhig und überladen, die Tonalität „regional um den Kirchturm“. Die zentrale Aussage lautet: „Wir sind das Original“, wobei die Botschaft für den Marketingexperten unklar ist. Warum sollte die AfD das Original sein, nachdem sie erst seit 2013 in Bayern beheimatet ist.

Gesamteindruck:

Sachlich, konservativ. Ohne wirkliche Aussagekraft.

Bayernpartei:

Als überladen und amateurhaft bezeichnet Kilian das Layout. Die zentrale Aussage laute: Die Partei ist sozial, naturverbunden und bodenständig – eben typisch fränkisch. Die Botschaft, die die „Hartmänner“ liefern wollen: Wir sind von hier und wie ihr.

Gesamteindruck:

Überladen, altbacken und unprofessionell.

CSU:

Klar und aufgeräumt das Layout, freundlich und nahbar der Ton. Die Botschaft, die Barbara Becker aussenden will: Sie ist pragmatisch, umgänglich und optimistisch. Die zentrale Aussage wird mit einem Wortspiel unterlegt. „Das kriegen wir gebeckert“ findet Karsten Kilian durchaus gelungen.

Gesamteindruck:

Ansprechend und persönlich.

Die Grünen:

Als locker, leicht und lässig bewertet Prof. Kilian das Layout – trotz eines ernsten Themas. Der Ton ist auffordernd mit einer positiven Haltung. Die zentrale Aussage: Du willst es? Dann wähl es.

Gesamteindruck:

Ansprechend durch sympathisch lächelndes, Grün-typisches Zweiergespann.

Die Linke:

Ein klar strukturiertes Layout und ein nüchterner Ton charakterisieren die Plakate, die Direktkandidatin ist allerdings nicht zu sehen. Die zentrale Botschaft: „Wir ermöglichen mehr, zum Beispiel mehr Freiräume für die meisten Menschen.

Gesamteindruck:

Nüchtern und kalt, trotz der roten Farbe.

FDP:

Als postmodern und bunt bezeichnet Kilian das Layout. Der Ton sei locker und lässig. Die zentrale Aussage: Hans Müller kann Finanzen, er kann es besser und steht für ein frisches Bayern.

Gesamteindruck:

Frisch und frech.

Freie Wähler:

Das Layout ist klar und frisch, der Ton freundlich und nahbar. Die Botschaft: Hier stehen anpackende, freie Menschen aus der Region zur Wahl:

Gesamteindruck:

Freundlich lächelnd und fokussiert.

ÖDP:

Das Layout ist klar strukturiert, aber überladen, die Tonalität ländlich und nahbar (Mutti von nebenan). Die Botschaft lautet: Der Flächenfraß frustriert, eine Lösung wird aber nicht angeboten. Der

Gesamteindruck

ist nicht stimmig. Eine wütende Aussage passt nicht zu einer lächelnden Person.

SPD:

Klar, strukturiert und modern das Layout, sachlich offen der Ton. Die Botschaft: Hier ist einer von uns, der so ist, wie ihr.

Gesamteindruck:

Etwas nüchtern und mit wenig Aussagekraft.

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