Kitzingen
Gericht

Vom Vater fehlt jede Spur

Weil die junge Mutter das Jugendamt über den Vater ihres Kindes belogen hat, steht sie jetzt vor Gericht - wegen falscher Verdächtigung. Während der Verhandlung gab es peinliche Szenen.
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Symbolbild
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Einigen Anwesenden im Gerichtssaal stand die Verwunderung ins Gesicht geschrieben. Warum verhielt sich die Angeklagte so teilnahmslos, fast schon apathisch? Immerhin war die Anklage starker Tobak: Die 22-Jährige soll einen Mann beim Jugendamt als den Vater ihres zweiten Kindes gemeldet haben, obwohl der die Vaterschaft vehement bestritt.

Vor dem Familiengericht wiederholte die Frau ihre Aussage. Der als Vater benannte Mann war sich indessen gewiss, dass der Nachwuchs der Angeklagten nicht von ihm stammen könne: Mit der 22-Jährigen habe er nie Intimitäten ausgetauscht.

Das wiederum bestritt die Angeklagte. Er habe sehr wohl mit ihr geschlafen. Auf genaueres Nachfragen des Gerichts zählte sie die Orte der einzelnen Schäferstündchen mit dem angeblichen Vater ihres Kindes auf.
Für den "Vater" sah es ziemlich schlecht aus, fast wäre er vom Familiengericht dazu verpflichtet worden, seiner vermeintlichen Gespielin Unterhalt für das Kind zu zahlen. Sein Glück: Noch rechtzeitig bewies ein Vaterschaftstest, dass er eindeutig nicht der biologische Erzeuger sein kann.

Die junge Mutter fiel aus allen Wolken: "Der Kleine sah ihm so ähnlich. Das hat auch meine Mutter gesagt." Verwundert runzelte nun schon der eine oder andere im Gerichtssaal die Stirn. Aus Verwunderung wurde bald Fassungslosigkeit. Der Richter fragte, ob der wirkliche Vater mittlerweile gefunden worden sei. Fehlanzeige. Denn dafür müsste sich die Mutter an ihre Liebschaften während der
Empfängniszeit erinnern können - tut sie aber nicht.

Neben dem ersten angeblichen Vater brachte die junge Frau einen zweiten ins Spiel. Doch da der "erste Vater" ihrem Kind einfach so ähnlich sehe, sei der zweite Mann für sie einfach aus der Reihe der möglichen Väter gefallen, berichtete die Angeklagte.

Damit hatte sie sogar Recht. Der zweite Mann ist nämlich auch nicht der biologische Vater.
Schließlich vermutete die
22-Jährige, dass sie den tatsächlichen Vater ihres Jüngsten das erste und letzte Mal bei einem Discobesuch getroffen haben könnte. Wo der nun ist, dazu sagt die Mutter nichts - möglicherweise, weil sie selbst es nicht weiß.
Die Situation ist für die Hausfrau nicht nur vor Gericht, sondern auch im normalen Leben sehr prekär. Sie wohnt in einer ziemlich kleinen Wohnung mit zwei Kindern. Ihre Mutter hilft bei der Erziehung, so gut es geht. Finanziell sieht es eher mau aus. Eine Geldstrafe ergebe also auch nicht wirklich Sinn, meinte der Vorsitzende Richter. "Dennoch: Strafe muss sein." Wer das Gericht belüge, könne nicht straffrei den Saal verlassen.

Teilnahmslos davongekommen

Da kein Geld da ist, kommen nur soziale Hilfsdienste in Frage.
60 Stunden setzt das Gericht an. Dafür wird das Verfahren eingestellt.
"Die Stundenzahl ist auf jeden Fall angemessen", stimmt die Staatsanwaltschaft der Entscheidung des Richters zu.
Der wiederum redet der Mutter noch einmal ins Gewissen: "Nutzen Sie diese Chance, ohne Urteil aus dem Gerichtssaal zu kommen. Und denken Sie in Zukunft vorher darüber nach, was Sie mit ihrem Verhalten alles falsch machen können."
Ob die 22-Jährige sich diesen Rat wirklich zu Herzen nimmt? Selbst jetzt noch, nachdem sie ohne Urteil davongekommen ist, scheint sie frei von Emotionen. Ohne jede Regung blickt sie derart teilnahmslos drein, so als würde sie immer noch nicht recht verstehen, was das ganze Aufheben um die Geschichte mit der Vaterschaft soll.


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