KITZINGEN

Vom Experiment zum großen Glück

Wie Alfred Purath sein berufliches Glück beim Kitzinger Golfclub fand
Artikel drucken Artikel einbetten
Alfred Purath und sein „Pate“ Andreas Seidenfaden. Foto: Foto: Ralf Dieter
+2 Bilder

Von einem außergewöhnlichen Tag sprach der Geschäftsführer der Mainfränkischen Werkstätten, Dieter Körber. Er hätte auch von einem außergewöhnlichem Jahr sprechen können. Oder von außergewöhnlichen Jahren.

Vor drei Jahren haben die Mainfränkischen Werkstätten ein Projekt ins Leben gerufen. Titel: „INklusiv! Gemeinsam arbeiten.“ Die Idee dahinter: Behinderte Menschen sollen selbst wählen können, ob sie in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten wollen oder in Betrieben der Region. Entscheiden sie sich für Letzteres, sollen die Menschen mit Behinderung auf ihrem Weg in die Arbeitswelt begleitet und unterstützt werden.

60 bis 80 solcher Arbeitsstellen sollten bis 2019 geschaffen werden. „Jetzt sind es schon 70 Patenschaften“, freut sich Körber. Ob Möbelhaus, Supermarkt oder Lesecafe in der Würzburger Stadtbibliothek: Die Kooperationspartner kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen und Bereichen. Ein Golfclub ist allerdings etwas Außergewöhnliches.

Alfred Purath ist sichtlich glücklich. Im März 2017 hat er sein Praktikum im Golfclub Kitzingen begonnen. Drei Monate Einlernzeit, drei Monate gegenseitiges Beschnuppern. Dann waren sich alle Seiten einig: Das haut hin. Purath musste sich ganz offiziell bewerben, seither gehört er zum sechsköpfigen Team der Greenkeeper. Deren Chef, Andreas Seidenfaden, ist von seinem Mitarbeiter angetan. „Am Anfang war es ein Experiment“, erinnert er sich. „Jetzt ist Alfred ein großes Glück für uns.“

Rasen ansäen, Bälle einsammeln, den Sand in den Bunkern glatt ziehen. An Arbeit mangelt es nicht. Um 7 Uhr steht Alfred Purath auf der Matte, um 16 Uhr ist Schluss. Andreas Seidenfaden ist sein „Pate“, Ansprechpartner bei etwaigen Problemen. Die treten aber äußerst selten auf. „Es läuft alles wunderbar“, versichert er. So gut, dass mit Eduard Ritz schon ein zweiter Mann aus den Mainfränkischen Werkstätten sein Praktikum im Golfclub macht. Ritz soll als Hausmeister eingesetzt werden, sich um das Clubhaus kümmern. Für den Präsidenten des Golfclubs, Jürgen T. Knauf, ist das Engagement selbstverständlich. „Wir wollen die Zusammenarbeit mit örtlichen Firmen und Unternehmen ausbauen. Das geht nur im Miteinander.“

Den Stein ins Rollen brachte Zenon Droszcz, der seit etwas mehr als drei Jahren mit fünf behinderten Mitgliedern der Mainfränkischen Werkstätten einmal wöchentlich auf dem Kitzinger beziehungsweise Würzburger Golfplatz trainiert. Die Sportgruppe ist durchaus erfolgreich, hat schon an den Special Olympics teilgenommen und spielt immer wieder auf großen Turnieren. Alfred Purath ist kein Turnierspieler, aber ohne seine Arbeit würde der Golfplatz lange nicht so gut bespielbar sein.

„Inklusion funktioniert nur mit Hinwendung“, unterstrich Dieter Körber bei einem gemeinsamen Golfturnier in der vergangenen Woche und dankte dem Golfclub und seinem Präsidenten Jürgen T. Knauf für die Unterstützung. Das Projekt „INklusiv! Gemeinsam arbeiten“ ist dauerhaft angelegt und soll weiter ausgebaut werden. Arbeitgeber können sich an die Mainfränkischen Werkstätten wenden, um nötige Informationen einzuholen. Dieter Körber ist guter Dinge, dass die Zahl der Patenschaften weiter steigen wird. „In der Region herrscht große Offenheit diesem Thema gegenüber“, freut er sich.

Kontakt für Arbeitgeber: info@arbeiten-inklusiv.com oder Tel. 0931 / 46795734.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren