IPHOFEN

Vom Altenheim zurück ins Rampenlicht

Die Iphöfer Stücht ist schon was Besonders am Sternenhimmel der Narretei. Wer sonst noch holt zwei Moderatoren aus dem Ruhestand und zerrt sie ins Rampenlicht.
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Zu alt für den Job des Moderators? Martina Bernhardt und Klaus Brehm machten's noch einmal bei der Iphöfer Stücht. Foto: Foto: Eike Lenz

So weit ist es also schon gekommen mit der Iphöfer Stücht. Jetzt müssen die Macher dieses so jungen Formats schon ins Seniorenheim für pensionierte Moderatoren, um einen ihrer wichtigsten Posten zu besetzen. Gab es für die 19. Auflage des Stüchtballs wirklich keine andere Wahl, als zwei schrullige Alte aus ihrem Ruhestand zu holen und zurück ins grelle Rampenlicht zu zerren? Wer die beiden beim Plausch auf offener Bühne belauschte, hörte Sätze wie: „Wir sind doch zu alt für den Scheiß. Die sollen sich jemand anderen suchen.“ Und: „Wir wissen doch gar net, ob die da drunten uns noch wolln.“

Bestens aufeinander eingestimmt

Die Zweifel waren rasch verflogen, spätestens mit dem warmen Applaus der gut 250 Gäste, der Martina Bernhardt und Klaus Brehm am Samstagabend bei dieser Frage empfing. Vier Jahre vorher hatte das bewährte Moderatorenduo seinen Ausstand gegeben. Jetzt waren sie wieder da, so unversehrt und frisch wie eh und je. Sie schwelgten in Erinnerungen: an eine Zeit, als der einen Rosen auf die Bühne geworfen wurden und dem anderen Spitzenhöschen. Doch dann fiel einem ein: Richtig weg waren sie nie, höchstens aus der vordersten Reihe. Mit Solonummern waren Brehm und Bernhardt auch die letzten Jahre präsent gewesen.

Manches hat sich geändert, vieles ist gleich geblieben. Die beiden sind immer noch ein bestens aufeinander eingespieltes Moderatorenpaar, dem man seine Bühnenerfahrung, das komödiantische Talent und die Freude anmerkt – und mag Brehm zunächst auch mit dem Alter kokettiert haben, als er mit Rollator auf die Bühne wackelte, seine Kollegin lieferte im Lauf des Abends den grazilen Beweis, dass sie es immer noch mit jenem Gardemädchen auf dem eingespielten Foto aufnehmen könnte, als das sie einst über die Bühnen der Stücht wirbelte. Wie sie da das Bein hochzog . . . – von wegen zu alt.

Auf alten Bildern sieht man, wie es zuging bei der Stücht in den siebziger oder achtziger Jahren. Was früher, zu den Zeiten eines Sitzungspräsidenten Heinz Neubert, des Sepperla war, ist heute des Michela – eine von Jürgen Popp verkörperte Figur, die auch mal über den Horizont des Iphöfer Stadtgrabens hinausblickt: auf die Bundes- und Weltpolitik, auf Merkel und Seehofer, auf Putin und Trump und auf die Banalitäten des Alltags, die beim Blick aufs große Ganze schon mal in den Hintergrund treten können. Den Kontrast bietet Barbara Weigand, die mit ihren Iphöfer G'schichtli Buntes und Schräges aus dem Stadtleben berichtet.

Sie macht sich ihren eigenen Reim auf die im vorigen Jahr in die Schlagzeilen geratene Weinköniginnen-Suche per Inserat. „Können die net wie in jedem Winzerstädtle, einfach aussuch des hübscheste Mädle?“ Zu besetzen war auch die Pfarrstelle in Iphofen, nach dem Abschied von Hans Reeg – eines Freunds des klaren, offenen Worts, wie er einst in der Stücht bewies, aber auch mit strengem Regiment, wie Weigand erzählt. Und sie greift auch noch einmal die unsinnige Debatte um eine neue, edlere Lagebezeichnung für den Iphöfer Wein auf. Goldgrube war da im Gespräch. „Der Nächste nennt den Sprit Gold-Benzin.“

Lokalkolorit der Fastnachtsbühne

Jörg Kornacker als Gästeführer im Disneyland spannt politisch den Bogen von Donald (Trump) zu Bürgermeister Josef Mend (im Dagobert-Kostüm mit klingender Münze) und drei CSU-Stadträten (mit Panzerknacker-Maske, die den Geldspeicher erobern wollen). Und Philip und Julius Straub glänzen am späten Abend als die „Zwei lustigen drei“. Das alles ist Kleinkunst mit Lokalkolorit und Enthusiasmus, immer wieder neu geboren aus einer rührigen Gemeinschaft. Zu ihr gehören seit Jahren auch Agnes Roth und Gabi Klein, die als Betty und Jenny herrlich fränkisch vom Leder ziehen, diesmal auf vermeintlicher Kreuzfahrt, und feststellen, dass es am schönsten zu Hause ist.

Für die artistischen Momente dieses ganz im Zeichen von Disney stehenden Abends sorgen die Kröpferli, die jüngsten Stüchtler, mit ihrer Adaption von Alice im Wunderland, die „Acht Weiber“ von Mambo Nr. 9 mit ihrem märchenhaften Schautanz zu Schneewittchen oder Cinderella und der „Wilde Haufen“ mit ihrem High School Musical. Dazwischen brilliert Emily Troll von der Gardetanztruppe des TSV/DJK Wiesentheid mit ihrem Solotanz zu Anastasia – auch sie ein „Iphöfer Gewächs“, wie Brehm sagt. Das muss er zum finalen Höhepunkt nicht eigens betonen: Gegen Mitternacht entert Iphofens Männerballett die Bühne – und leuchtet dem Publikum als Aladins Wunderlampen elegant heim.

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