VOLKACH/NORDHEIM

Volkacher Stadtrat stemmt sich gegen Sandabbau

Klares Nein auch im zweiten Anlauf: Der Volkacher Stadtrat ist gegen den Sand- und Kiesabbau in der Nordheimer Au und hat seine Argumente nachgeschärft.
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Nordheimer Au
Plakat "Nein zum Sandabbau in der Nordheimer Au" beim Parkplatz an der Vogelsburg. Foto: Frank Weichhan

Der Widerstand im Volkacher Stadtrat gegen den geplanten Sand- und Kiesabbau in der Nordheimer Au bleibt hart: Einstimmig verabschiedete der Stadtrat am Montagabend eine Stellungnahme, mit der sich das Gremium auch gegen die geänderte Planung der Kitzinger Firma Lenz-Ziegler-Reifenscheid (LZR) stemmt. Vor allem die Befürchtung, dass der kleine Ortsteil Köhler unter dem Abbau auf rund neun Hektar Fläche leiden könnte, bestimmte das klare Nein.

Tiefes Misstrauen gegenüber LZR

Was klar wird: Das Misstrauen gegenüber der LZR-Chefetage sitzt tief im Stadtrat, der Verwaltung und der Bürgerinitiative, die die Interessen der Menschen in Köhler vertritt. So glaubt auch bei der zweiten Ablehnung im Rat niemand, dass das Unternehmen sich an die zehn Jahre Abbauzeit im Mainvorland hält.

Ingrid Dusolt (fraktionslos) erinnerte daran, dass die Projektzeiten für die Gruben in Fahr und Astheim weit überschritten seien. Bürgermeister Peter Kornell sieht das genauso: „Bei LZR weiß man nicht, wann Schluss ist.“

Zweifel am Lärmgutachten

Der größte Knackpunkt bei dem umstrittenen Projekt ist für die Stadt das kleine Köhler. Dessen Bürgerinitiative ergänzte die Stellungnahme um Detailargumente – vor allem zum befürchteten Lärm von der Grube. Eine Überschreitung der Grenzwerte gibt es aber laut einem Gutachten des Unternehmens nicht. Das stieß auf Unglauben. Schon der Abstand zu Köhler sei mit 160 Metern falsch, sagte Ortssprecher Michael Sauer. 140 Meter seien richtig.

Eine weitere Schwäche des Papiers sei die Art der Berechnung. Die ging laut BI davon aus, dass entweder ein Bagger oder ein Radlader in Betrieb seien. „Unrealistisch“ sei dies. Schließlich sorgten sowohl anfahrende Laster für eine stärkere Lärmkulisse, als auch weitere Maschinen, die neben dem Abbau für die Renaturierung abgebauter Abschnitte im Einsatz seien.

Wäscht LZR den Sand in Astheim?

Ein Sorgenkind, was die LZR-Pläne angeht, ist auch der Ortsteil Astheim. Die Stadt befürchtet, dass das Unternehmen die mobile Sandwaschanlage in der Bördleisgrube nutzen könnte und sich damit der Lkw-Verkehr durch die enge Ortsdurchfahrt erhöhen würde. Um das zu verhindern, formulierte die Stadt in einer Auflage, dass eine Verarbeitung in Astheim ausgeschlossen ist.

Zum Auflagen-Katalog gehört ebenso eine Überarbeitung des Lärmschutzgutachtens, ein Gutachten zum Hochwasserschutz sowie ein „unabhängiges Gutachten“, das den aus Sicht der Abbau-Gegner wertvollen Tier- und Pflanzenbestand untersucht – und Schutzmaßnahmen vorsieht.

Längere Abbauzeiten in neuen Plänen

Die Stadt sieht die Ökologie auf „unbestimmte Zeit zerstört“. Die extensiv bewirtschafteten Obstbaumflächen seien deutlich wertvoller als die von LZR hochgelobten Wasserflächen nach der Renaturierung, so Kornell. Sorgen bereiten ihm – vor allem mit Blick auf Köhler – auch die Auswirkungen des Abbaus durch Lärm und Schmutz auf den Tourismus. Der werde „gefährdet“.

Auf deutlichen Unmut stieß in den aus Sicht des Bürgermeisters allenfalls kosmetisch überarbeiteten LZR-Plänen ein Detail. Das Rohstoffunternehmen will seine Abbauzeiten um eine Stunde verlängern. Statt um 8 Uhr, sollen Laster und Bagger schon um 7 Uhr rollen. Gegen die zusätzliche Belastung stemmt sich die Stadt, die zudem in der Mittagszeit (13 bis 15 Uhr) Ruhe fordert.

Bürgermeister rechnet mit Klage

Ob der Widerstand Erfolg bringt, wird sich im Lauf des Genehmigungsverfahrens zeigen. Der Bürgermeister ist pessimistisch: Er glaube nicht, dass „die negative Stellungnahme dazu führen wird, dass das Vorhaben abgelehnt wird“ und rechnet mit einer Klage gegen den Genehmigungsbescheid.

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