Mit der Waffe im Anschlag ist er die Ruhe in Person, konzentrationsstark und ehrgeizig. Vor ein paar Wochen holte sich der Volkacher Sportschütze Philipp Grimm zusammen mit der Deutschen Junioren-Nationalmannschaft im italienischen Bologna den Europameistertitel. Diesem Erfolg setzte er jetzt noch eine Krone auf. Mit der Freien Pistole (50 Meter, Kleinkaliber) wurde er bei den Bundeswettkämpfen in München-Hochbrück Deutscher Meister im Einzel. Trotz aller Erfolge ist Philipp bescheiden geblieben: "Ich stehe gar nicht so gerne im Vordergrund."

Neben Grimm stehen zwei junge Bogenschützen im ständigen Rampenlicht. Florian Skoda und Julian Dinkel bewiesen bei Bayerischen und Deutschen Meisterschaften ein sicheres Händchen und landeten dort unter den besten zehn Teilnehmern.

Jugendarbeit trägt Früchte


Weil der Nachwuchs bei der Königlich Privilegierten Schützengesellschaft Volkach so stark ist, zeichnete die Vereinigung ihre erfolgreichen Titelträger am Donnerstag im Schützenhaus aus. Von der Stadt Volkach gratulierte Sportreferent Peter Haupt: "Die Erfolge sind ein Zeichen, dass die Jugendarbeit der Volkacher Schützen Früchte trägt."

Das traditionelle Michaeli-Schießen sei ein geeigneter Anlass, um die Jungschützen zu ehren, sagte Heiko Bäuerlein, selbst ein aktiver Schütze. Mit einem "dreifach gut Schuss" ließ er die drei Talente hochleben. Philipp Grimm bezeichnete er in seiner Laudatio als "derzeit bestes Volkacher Pferd im Stall, ein echter Goldjunge". Grimms Schießkünste haben Familientradition. Trainiert wird er von seinem Vater Fred, der seinen Sohn von klein auf kontinuierlich gefördert und ihm die Kniffe beim Schießen beigebracht hat. Zuhause hat Philipp eine ganze Schachtel mit Medaillen auf dem Schrank stehen. "Respekt!" sagte Bäuerlein.

Mit zwölf Jahren hat Philipp mit dem Sportschießen begonnen. "Ich bin dabei geblieben, weil das Schießen und die Geselligkeit im Team mir immer Spaß gemacht haben", sagt er. Heute ist der Student der Wirtschaftsinformatik 20 Jahre alt. "Seine Konzentrationsfähigkeit macht ihn zu einem hervorragenden Wettkampfschützen", attestiert ihm sein Trainer. Unter nervlicher Belastung schieße er im Wettkampf sogar besser als im Training.

Gold und Silber im Gepäck


2007 wurde Philipp in der Jugendklasse in den Bayernkader und in die Sichtung für den Deutschlandkader aufgenommen. Seit 2008 ist er im C-Kader der Nationalmannschaft. 2009 hat er die erste Medaille bei der Deutschen Meisterschaft errungen. Seither holte er bei Deutschen Meisterschaften dreimal Gold und einmal Silber.
Der jüngste Wettbewerb in Hochbrück ging für Philipp gar nicht so gut los. Es war noch ziemlich dunkel und kalt, was dem Pistolenschützen gar nicht gut gefiel. "Ich habe mich aber im Laufe des Wettkampfs gesteigert und richtig gut geschossen", erzählt der frisch gebackene Deutsche Meister.

Aus dem Vorkampf ging er als Erstplatzierter in das Finale. Den "Platz an der Sonne" gab er dank starker Leistung nicht mehr ab. Sein Ziel war eine Medaille, von denen er gleich zwei mit nach Hause brachte. Bereits am Vortag hatte er mit der Luftpistole die Silbermedaille geholt. In seiner Paradedisziplin mit der Freien Pistole schaffte er mit 546 Ringen ein super Ergebnis, auf dem sich in der höheren Schützenklasse aufbauen lässt.

Krönender Abschluss der Juniorenzeit


Philipp wechselt jetzt zu den Erwachsenen und sein Coach ist guter Dinge, dass er seine Fähigkeiten dort weiter ausbaut. "Das war ein krönender Abschluss nach seiner Juniorenzeit", sieht Fred Grimm seinen Schützling auf dem besten Weg. "Die 546 Ringe hätten bei den Deutschen Meisterschaften in der Schützenklasse zum siebten Platz gereicht", so sein Trainer. Fred Grimm kennt aber auch die starke Konkurrenz bei den Erwachsenen: "Philipp wird in der Schützenklasse ein bis zwei Jahre zu knabbern haben."

Ob Philipp der Sprung von der Juniorenklasse zur Schützenklasse unter Deutschlands Eliteschützen gut gelingt, wird wohl auch von der Zeit abhängen, die ihm neben seinem Studium für das Training bleibt. "Ich werde auf alle Fälle mein Bestes geben und schauen, was dann herauskommt", gibt sich Volkachs Vorzeigesportschütze gelassen.

Bei aller Gelassenheit wird ihn aber immer der Ehrgeiz begleiten, denn Philipp hat ein großes Ziel: "Einmal bei Olympischen Spielen dabei sein." Ob ihm das schon in vier Jahren bei der Olympiade in Rio de Janeiro gelingt, bleibt abzuwarten. Zuzutrauen ist dem treffsicheren Goldjungen aber alles.