WÜRZBURG/LANDKREIS KT

Vielfalt, die Spaß macht

Immer mehr Menschen mit Handicap arbeiten dort, wo andere auch arbeiten
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Gute Laune bei der Preisverleihung: Martin-Max W. Deinhard (IHK), Dr. York Falkenberg, Leonie Süßmeier und Edgar Popp (Knauf), Joachim Porzelt, Christoph Schmitt und Timo Meißner (Kindermann GmbH) sowie der Geschäftsführer der Mainfränkischen Werkstätten, Dieter Körber. Foto: Foto: Silvia Gralla
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Der Stolz ist ihnen anzusehen. Sie haben einen Arbeitsplatz. Außerhalb der Mainfränkischen Werkstätten. Sie sind ein Teil der regulären Arbeitswelt geworden. Kein Wunder, dass Christoph Schmitt und Leonie Süßmeier übers ganze Gesicht strahlen.

Anfang Januar 2015 haben die Mainfränkischen Werkstätten GmbH ihr Projekt „INklusiv! Gemeinsam arbeiten“ gestartet. Das Ziel: Menschen mit Behinderung sollen dort arbeiten können, wo jeder arbeitet – bei den Betrieben vor Ort. Etwas mehr als vier Jahre später sind unterfrankenweit bereits rund 100 Kooperationen abgeschlossen worden. Arbeitgeber haben Menschen mit einem Handicap einen Arbeitsplatz gegeben. Weltweit operierende Firmen wie die Kindermann GmbH in Eibelstadt oder die Knauf PFT GmbH & Co. KG in Markt Einersheim sind dabei, aber auch mittelständische Unternehmen, die Stadt Würzburg sowie Gemeinden wie Rottendorf, Dettelbach und Thüngersheim. Auch in Kindergärten oder Sportvereinen wie dem Kitzinger Golfclub haben Menschen mit Handicap eine Anstellung gefunden.

„Natürlich sind erstmal Hemmschwellen da.“
Joachim Porzelt, Fertigungsleiter Kindermann GmbH

So wie Leonie Süßmeier. Sie wird bei Knauf PFT äußerst vielfältig eingesetzt. Waren annehmen, Gewinderohre zusammenstecken, Kartons schreddern, Werkzeugkästen herstellen: Süßmeier nimmt den Fachkräften einiges an Arbeit ab. „Sie hat sich sehr bewährt“, lobt Geschäftsführer Dr. York Falkenberg. „Sie ist in allen Bereichen anerkannt.“

Genau wie Christoph Schmitt. „Er ist voll integriert“, freut sich Fertigungsleiter Joachim Porzelt von der Kindermann GmbH. Neun Monate lang ist Schmitt bei einem Praktikum auf Herz und Nieren getestet worden. Eine wichtige Zeit. „Wir wollten sehen, was der Mitarbeiter tatsächlich leisten kann“, erklärt Porzelt. Die eigenen Mitarbeiter hat die Firma frühzeitig über die Pläne informiert. „Natürlich sind erstmal Hemmschwellen da“, weiß der Fertigungsleiter. Die haben sich aber schnell gelegt. „Unser Unternehmen profitiert von der Vielfalt“, versichert Geschäftsführer Timo Meißner.

Christoph Schmitt ist längst ein Teil der Belegschaft geworden. Auch bei den Festen, beim Neujahrsempfang oder beim Firmenlauf ist er mittendrin. „Die Abwechslung tut gut“, sagt er. Sein Wunsch für die Zukunft? „Den Arbeitsplatz erhalten.“

Die IHK und die Mainfränkischen Werkstätten warben jüngst bei einem Frühstücksgespräch für das Projekt. Max-Martin W. Deinhard, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, bezeichnete die Integration als „unternehmerische Verantwortung“. Er forderte die Unternehmer in der Region dazu auf, die Türen noch weiter als bisher für Mitarbeiter mit Handicap zu öffnen und sich nicht abschrecken zu lassen. Inklusion sei ein großes Wort, bestätigte der Geschäftsführer der Mainfränkischen Werkstätten, Dieter Körber. Er habe dafür aber eine ganz einfache Definition: Jeder Mensch gehört ganz natürlich dazu.

Anfangs hatte Leonie Süßmeier noch befürchtet, dass ihre Leistungen nicht den Erwartungen entsprechen könnten. „Jetzt habe ich keine Bedenken mehr.“ Den Mitarbeitern in den Mainfränkischen Werkstätten kann sie einen Außenarbeitsplatz wie ihren nur weiter empfehlen. Genau wie Christoph Schmitt. „Ich bin voll integriert in den gesamten Arbeitsprozess“, versicherte er.

In der Regel werden die Mitarbeiter von den Mainfränkischen Werkstätten in Nischentätigkeiten eingesetzt. Sie erledigen Aufgaben, die zusätzlich anfallen oder sie nehmen den Fachkräften vor Ort einfache Arbeiten ab. Ein längeres Praktikum zum gegenseitigen Kennenlernen hat sich bewährt. Kommt es zu einer Kooperationsvereinbarung, bleibt der Mitarbeiter bei den Mainfränkischen Werkstätten angestellt. „Wir übernehmen Sozial- und Unfallversicherung“, erklärt Madeleine Leube, Leiterin des Fachbereichs. Den Lohn überweist das Unternehmen an die Mainfränkischen Werkstätten, die den Werkstattlohn weiter an die Mitarbeiter überweist. „Wirtschaftlich und sozial ist das ein Mehrwert für uns“, versichert Joachim Porzelt. Die Anstellung erfolgt über die Mainfränkischen Werkstätten. „Wir tragen kein finanzielles Risiko.“

Drei Büros haben die Mainfränkischen Werkstätten mit „INklusiv! Gemeinsam arbeiten“ mittlerweile in Unterfranken errichtet, neun Integrationsbegleiter stehen regelmäßig mit den kooperierenden Unternehmen und ihren Schützlingen in Kontakt. „Wir haben ein Netzwerk von mittlerweile mehr als 300 Firmen aufgebaut“, erklärte Madeleine Leube. Derzeit befinden sich 20 Mitarbeiter der Mainfränkischen Werkstätten schon wieder in Praktika. Potenzial für neue Kooperationen.

„Wir haben durchweg positive Erfahrungen gemacht.“
Dr. York Falkenberg, Geschäftsführer Knauf PFT

Also alles gut? „Wir haben durchweg positive Erfahrungen gemacht“, versichert Dr. York Falkenberg. Auch wenn manche Mitarbeiter mit Handicap natürlich besondere Voraussetzungen brauchen, um ihren Arbeitsplatz mit Leben ausfüllen zu können. „Wir haben beispielsweise ein paar extra Behindertenparkplätze eingerichtet“, informiert Knauf-Betriebsleiter Edgar Popp. Dass es genügend Arbeitsmöglichkeiten in allen Firmen gibt, davon zeigte sich Joachim Porzelt überzeugt. Seine Erfahrung: Man müsse den Menschen mit Handicap nur eine Chance geben, ihre Stärken unter Beweis zu stellen.

Christoph Schmitt und Leonie Süßmeier wollen ihre Kraft jedenfalls weiter für ihre Kooperationsbetriebe einsetzen. Auf die Frage, ob sie ihren Traumjob gefunden haben, antworten beide voller Stolz: Auf jeden Fall.

Kontakt: Mainfränkische Werkstätten, Fachbereich „Inklusiv! Gemeinsam arbeiten.“ Tel. 0931/359018-0, Email: info@arbeiten-inklusiv.com; Internet: www.inklusiv-gemeinsam-arbeiten.de

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