Dettelbach
Auktion

Viel Schwein in der Frankenhalle

Dieses Jahr werden auf dem traditionellen Weihnachtsmarkt der Schweinezüchter voraussichtlich zum letzten Mal prämierte Zuchteber versteigert. Die Struktur des Marktes wird sich in Zukunft ändern.
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Schweinezüchter Georg Winterstein aus Dettelbach stellt trächtige Jungsauen vor.  Foto: Benedikt Borst
Schweinezüchter Georg Winterstein aus Dettelbach stellt trächtige Jungsauen vor. Foto: Benedikt Borst
In der Frankenhalle reihen sich eng Gatter an Gatter. Stroh liegt auf dem Boden. Darauf haben es sich die ausgewählten Zuchtschweine bequem gemacht. Die wurden von ihren Haltern zum Weihnachtsmarkt der Erzeugergemeinschaft und Züchtervereinigung (EGZH) nach Dettelbach gebracht, um ausgestellt und verkauft zu werden. "Die Anbieter kommen aus ganz Franken", sagt Georg Winterstein, Beiratsmitglied der EGZH und Vorsitzender des Unterfränkischen Schweinezüchterverbandes.

Im Zentrum des Interesses stehen 14 Pietraineber, die bei der traditionellen Versteigerung an den Mann gebracht werden sollen. "Der Pietraineber ist der Standard-Vater aller deutschen Mastschweine", erläutert Winterstein.

Für die Fleischproduktion werde überwiegend die Rasse mit der rosafarbenen Haut und den schwarzen Flecken eingesetzt.
Die Tiere seien nicht nur sehr leistungsstark und im Hinblick auf die Fleischproduktion sehr ergiebig, sondern vor allem besonders stressresistent. "Sie haben für die Zucht die beste Anlagen. Von der Genetik her ist das wässerige Schnitzel Geschichte", bemerkt der Diplom- Agraringenieur aus Dettelbach.

Winterstein selbst bietet bei der Auktion keine Pietraineber an, stattdessen stellt er dem Fachpublikum zwei seiner Zuchtsauen vor. "Eine Kreuzung aus deutscher Landrasse und deutschem Edelschwein", sagt er. Ebenfalls eine Standardrasse in der heutigen Schweinezucht. Winterstein schätzt sie, weil sie äußerst robust sind. "Sie haben außerdem sehr gute Muttereigenschaften und sind sehr fürsorgliche Tiere", hebt er hervor. Und wie die Pietraineber stressresistent, was der Fleischqualität zugute komme.

Zuletzt sei das Interesse an der Auktion stark zurückgegangen. "Die Versteigerung tritt immer mehr in den Hintergrund. Für nächstes Jahr ist keine Versteigerung mehr geplant", berichtet der Landwirt.

Dennoch werde der Weihnachtsmarkt weiterhin in der Frankenhalle stattfinden, denn der biete mit der Fachausstellung eine Informationsplattform für alle, die mit Schweinezucht und Schweinehaltung zu tun haben. "Märkte werden immer seltener", schildert er den aktuellen Trend in der Branche.

Das habe im wesentlichen strukturelle Gründe, erläutert Wolfram Rapps vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg. Zum einen würden heute aufgrund von Besamungsstationen weniger Eber als noch vor 15 Jahren für die Zucht benötigt. "Der zweite Grund sind Hygieneanforderungen", sagt Rapps. Vor allem große Betriebe seien nicht mehr bereit, das Risiko einzugehen, sich ihre teuren Zuchttiere auf Märkten zu kaufen.

"Es geht dabei nicht um irgendwelche Seuchen, sondern um einfache Krankheiten wie eine Grippe", ergänzt der Beamte, der vor über 15 Jahren den ersten Weihnachtsmarkt mit initiiert hat.

Deshalb besorgen sich die Schweinehalter die wenigen Tiere, die sie benötigen, direkt beim Züchter auf dem Hof.
25 Aussteller aus der Schweineproduktion haben auf dem Weihnachtsmarkt ihre Stände aufgestellt, so auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Würzburg. Wolfram Rapps ist Abteilungsleiter im Fachzentrum des Amtes für Schweinezucht und -haltung. Er ist der behördliche Ansprechpartner für sämtliche Fragen rund um die Schweineproduktion. "Das Fachzentrum und seine Verbundpartner begleiten jeden einzelnen Produktionsschritt bis zum Verbraucher", sagt er.

Von Fragen zur Besamung über das richtige Futter bis hin zum Tierschutz. Schulungen werden angeboten oder Hilfestellungen und Beratungen bei der Umsetzung von Gesetzen gegeben. Auf den engen Kontakt zu den Betrieben lege das Amt viel Wert und könne so auch Einfluss auf das fertige Produkt nehmen. "Beispielsweise Antibiotika werden in den Zuchtbetrieben unserer Region nicht verfüttert", sagt Rapps. Da fühle man sich persönlich auch gleich als Verbraucher wohler.

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