IPHOFEN

Viel Raum für japanische Schnitzereien

Sie sind detailreich geschnitzt, aus Wurzelholz, gehörten dem Würzburger Forscher Siebold und werden jetzt in Iphofen gezeigt: Miniaturschnitzereien, Netsuke genannt.
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Die Schirmherrin des Knauf-Museums Ingrid Knauf, Bruno Richtsfeld und Museumsleiter Markus Mergenthaler bewundern die Details der Netsuke-Figuren. Foto: Fotos: Gerhard Krämer
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Sie sind detailreich geschnitzt. Aus Wurzelholz, Hirschhorn oder Elfenbein: Netsuke-Figuren. 52 dieser japanischen Miniaturschnitzereien zeigt das Iphöfer Knauf-Museum in einer Ausstellung. Was diese besonders macht: Alle Netsuke stammen aus der Sammlung des Würzburger Arztes, Japan- und Naturforschers, Ethnologen und Botanikers Philipp Franz von Siebold.

Immer wieder sei er auf Siebold und die Netsuke (gesprochen: Nets‘ke) gestoßen, erzählt Museumsleiter Markus Mergenthaler. Daraus sei letztlich der Entschluss zu dieser Ausstellung geworden. Und nun zeigt das Knauf- Museum aus Anlass des 150. Todestages des Japanforschers Philipp Franz von Siebold (1796-1866) die kleinen, filigranen Figuren, die der gebürtige Würzburger, während seiner zweiten Japanreise (1859-1862) erworben hat. Vier fehlen, weil sie derzeit in Japan ausgestellt sind.

Seit 1866 befindet sich Siebolds zweite große Japansammlung in München, heute im Museum Fünf Kontinente in der Maximilianstraße. Zum Nutzen der Netsuke erklärte Mergenthaler, dass der Kimono der japanischen Männer keine Taschen besaß. Die Männer behalfen sich damit, ihre unverzichtbaren persönlichen Gegenstände wie Pfeife und Tabak, Geldbeutel, Medizinbehälter oder Schreibzeug in entsprechenden Behältern an den Gürtel zu hängen.

Diese Behälter waren laut Mergenthaler mit einer Schnur versehen, die unter dem Gürtel durchgezogen wurde und mit einem Netsuke als Gegengewicht verbunden waren. Meistens befinden sich an der Unter- oder Rückseite eines Netsuke eine Durchbohrung mit zwei Öffnungen, durch die die Schnur gezogen wurde.

Humor des alten Japans

Die kleinen, kunstvoll geschnitzten Netsuke – wörtlich: „Wurzelholz-Anhänger“, was oft mit „Knebel“ oder „Knauf“ übersetzt wird – sind nach den Worten des Museumsleiters oft wahre Meisterwerke, in denen sich in humorvoller Weise die ganze Welt des alten Japans spiegelt: Die sieben Glücksgötter, die zwölf Tiere des Tierkreises, Figuren aus Mythen und Sagen oder groteske Eremiten.

Netsuke waren ein wichtiger Bestandteil der Kleidung des japanischen Mannes in der Edo-Zeit (1603-1868). Sie sind zu beliebten Sammlerobjekten geworden, als sich die Mode unter dem Einfluss des Westens Ende des 19. Jahrhunderts mit Aufkommen der Anzüge gewandelt hatte und man keine Gürtelanhänger mehr brauchte.

Später waren die Netsuke als Handschmeichler beliebt. Die, die Siebold mitbrachte, da ist sich Mergenthaler sicher, sind tatsächlich in ihrer ursprünglichen Funktion verwendet worden.

Die Ausstellung gibt auch einen umfassenden Überblick über das Leben und Wirken Siebolds und seine Kontakte zur japanischen Bevölkerung. Während die Sammlung aus seiner ersten Japanreise verkauft werden konnte, wollte erst niemand die aus seiner zweiten Reise haben. Auch Würzburg nicht, wo sie eine Zeit lang in der Maxschule aufbewahrt wurde. Letztlich landete die Sammlung in München.

Weibliche Schönheit

Bruno Richtsfeld, Sinologe und Leiter der Abteilung Ostasien des Museums Fünf Kontinente, weist darauf hin, dass Siebold, dessen Vorbild Humboldt war, noch viel mehr zu verdanken sei. So sei er es gewesen, der Grüne Tee-Pflanzen nach Indonesien brachte

Da Netsuke der Männerwelt vorbehalten waren, ergänzen 32 japanische Farbholzschnitte des 19. Jahrhunderts mit weiblichen Schönheiten, aber auch Landschaften, die Ausstellung.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum Fünf Kontinente München, den Museen der Stadt Regensburg, dem Siebold Archiv Burg Brandenstein, der Kunstsammlung Schloss Sugenheim sowie mit privaten Leihgebern.

Die Ausstellung Siebold Netsuke treffen japanische Schönheiten ist vom 3. Juli bis 6. November zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10 bis 17 Uhr, Sonntag 11 bis 17 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Begleitband erschienen. Infos auch auf www.knauf-museum.de

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