LANDKREIS KITZINGEN

Viel mehr als Kochen und Putzen

Warum eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin gut fürs ganze Leben sein kann
Artikel drucken Artikel einbetten
Susanne Löther kann die Ausbildung zur Hauswirtschafterin und die Fachschule Hauswirtschaft nur empfehlen. Unter anderem lernen die Kursteilnehmer, wie ein Hausgarten angelegt und gepflegt werden kann. Foto: Foto: Ralf Dieter

Hauswirtschafterin. Das klingt nach längst vergessenen Zeiten. Nach Gouvernanten und Benimm-Regeln. Völlig falsch, wie Susanne Löther versichert. Sie hat sich auf dem zweiten Bildungsweg zur Hauswirtschafterin fortgebildet – und profitiert täglich von ihrem Wissen.

Im September beginnt in Kitzingen ein neuer Kurs in der „Fachschule Hauswirtschaft“ am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. 20 Monate lang lernen die Teilnehmerinnen jeden Dienstag rationelle Arbeitsmethoden, gutes Zeitmanagement und vieles mehr. Susanne Löther ist gelernte Krankenschwester, hat die Zusatzausbildung während ihrer Elternzeit gemacht. „Ich wollte schon nach der Schule Hauswirtschafterin werden“, erzählt sie. Die Eltern waren dagegen. Also hat sie ihren beruflichen Traum später verwirklicht.

Theorie und Praxis

Was den Reiz an einer Ausbildung zur Hauswirtschafterin ausmacht? Die Obernbreiterin muss nicht lange überlegen. „Da geht es um viel mehr als Kochen und Putzen“, versichert sie. Es geht um das Erlernen einer Tagesstruktur, um die Fähigkeit zur Selbstorganisation, um die Einsparung von Kosten, um Nachhaltigkeit, letztendlich vielleicht sogar um eine Lebensphilosophie.

Mindestens 15 Teilnehmerinnen braucht der Kurs, um stattzufinden. Maximal 20 Frauen können teilnehmen. „Theorie und Praxis wechseln sich dabei ab“, erklärt Thea Schlesinger vom Sachgebiet Ernährung und Haushaltsleistungen am Kitzinger Amt in der Mainbernheimer Straße. Dort finden die Kurse auch statt. Jede Teilnehmerin hat ihren eigenen Küchenbereich, kann selbstständig Gerichte zubereiten. Aber damit ist es noch lange nicht getan.

Die Teilnehmerinnen lernen die Planung und Organisation von Familienfesten, bekommen Idee fürs Dekorieren, lernen das Anpflanzen, ernten und Einmachen von heimischem Obst oder Gemüse und vieles mehr. Nach 20 Monaten kann der Berufsabschluss zur geprüften Hauswirtschafterin erworben werden. Voraussetzung: Die Teilnehmerinnen können nachweisen, dass sie über mindestens viereinhalb praktische Erfahrung im eigenen Haushalt verfügen. Kein Problem für die allermeisten Kursteilnehmerinnen. „Der Kursbesuch bietet sich gut in der Familienphase an“, sagt Schlesinger. Tatsächlich sind die meisten Teilnehmerinnen jüngere Mütter oder Frauen um die 50, die eine neue Herausforderung suchen oder ihr Wissen auffrischen wollen.

Wochenplan hilft

Susanne Löther hat zwei Kinder, hat als Krankenschwester rund 30 Stunden die Woche gearbeitet und nebenbei im Weingut ihres Mannes geholfen. Eine gute Organisation war da essenziell. Das Weingut ist aufgelöst, ihre erworbenen Kenntnisse helfen ihr weiterhin. „Man lernt zum Beispiel, sich mit wenigen Mitteln gesund zu ernähren“, erklärt sie und zeigt auf ihren Hausgarten, in dem sie Tomaten zieht, Salat pflanzt und in dem der Rhabarber gerade riesige Blätter gebildet hat. „Den machen wir ein und können so das ganze Jahr über schnell und preiswert auf gesundes Essen zurückgreifen.“ Nebenbei schont sie auf diese Weise die Umwelt, muss ihr Gemüse oder Obst deutlich seltener im Lebensmittelmarkt einkaufen als andere Verbraucher – zumal sie die Woche akribisch plant, was auf den Tisch kommt. Dank des Wochenplans muss sie ihr Auto nur selten bewegen, um zum Einkaufen zu fahren. Die gute Planung spart Geld und Nerven. „Die Angebote bei Discountern locken mich gar nicht“, versichert sie. Susanne Löther weiß, welche Vorräte sie daheim hat und was sie gerade tatsächlich braucht. Einmal in der Woche macht sie einen Großeinkauf. Ihre Erfahrung: Wer häufiger zum Einkaufen geht, der braucht am Ende der Woche auch mehr Geld. „Weil Sachen gekauft werden, die man gar nicht braucht.“

Folgekosten im Blick haben

Letzteres gilt auch beim Kauf von Einrichtungsgegenständen. „Da sollte man die Folgekosten auf jeden Fall im Blick haben“, rät Susanne Löther. Wie oft und wie aufwändig muss ich ein Möbelstück reinigen, wie alltagstauglich ist das neue Geschirr? Ist es Spülmaschinen geeignet? Passt der dekorative Teller dort überhaupt rein? „Viele Menschen kaufen Dinge ein, weil sie gerade modern sind“, weiß Susanne Löther. Über den pragmatischen Nutzen machen sie sich keine Gedanken – und wachen erst später auf. Drei Jahre lang hat sie selbst als Ausbilderin gearbeitet, junge Lehrlinge zur Hauswirtschafterin daheim gehabt. Eine Arbeit, die ihr Spaß gemacht hat. „Eigentlich müssten alle Frauen diesen Grundstock an Wissen bekommen“, meint sie und bedauert, dass dieses Wissen in den weiterführenden Schulen nicht mehr vermittelt wird. Irgendwann stehen schließlich die meisten Frauen vor der Aufgabe, einen Haushalt zu führen – ohne das nötige Rüstzeug zu haben. Dann scheitert es oft schon an Kleinigkeiten: Wieviel Reinigungsmittel nehme ich, um den Boden zu wischen? Welche Waschprogramme stelle ich an der Waschmaschine ein? Wie hänge ich die Wäsche auf? Susanne Löther hat die Antwort: Ausschütteln, Gleiches zum Gleichen hängen und Vorsortieren, was gebügelt und was zusammengelegt werden muss. So spart man unnötige Handgriffe und Zeit. „Man tut sich einfach leichter“, weiß Löther, die eine Teilnahme am Kurs nur empfehlen kann. „Dieses Wissen hilft ein Leben lang“, ist sie überzeugt.

Der neue Kurs startet im September diesen Jahres. Der Unterricht findet über die Dauer von 20 Monaten statt, jeweils dienstags ganztägig, am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Mainbernheimer Str. 103.

Schulgebühren werden nicht erhoben, es fallen lediglich Kosten für Bücher, Lebensmittel und sonstige Materialien an.

Interessenten wenden sich bitte an das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen, Tel. 09321-3009-0, www.aelf-kt.bayern.de

Der Bedarf nach ausgebildeten Hauswirtschafterinnen ist da. Oft werden sie als Familienhelfer in Privathaushalten eingesetzt, arbeiten in einem Großhaushalt oder leiten Großküchen. Vermittelt werden sie beispielsweise vom Maschinenring in Ochsenfurt oder Gerolzhofen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren