Iphofen
Breitband

Viel Bürokratie auf dem Weg zum schnellen Internet

Iphofen und Willanzheim wollen endlich Zugang zum schnellen Internet und nutzen das neue Förderprogramm der Staatsregierung. Viele Bürger sind genervt und bleiben skeptisch.
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Die Dörfer der Hellmitzheimer Bucht sollen Glasfaserkabel bekommen. Foto: obs/Verband kommunaler Unternehmen e.V./regentaucher.com
Die Dörfer der Hellmitzheimer Bucht sollen Glasfaserkabel bekommen. Foto: obs/Verband kommunaler Unternehmen e.V./regentaucher.com
Richard Waigandt, Einzelhändler aus Nenzenheim, hat tägliche Geduldsproben zu meistern. Seine Verbindung ins Internet ist so langsam, dass der Inhaber des Edeka-Marktes manchmal verzweifeln könnte. Edeka korrespondiert nicht mehr in Papierform, alle Formulare muss Waigandt herunterladen und ausdrucken. Lohnprogramme, Steuererklärungen, Unterlagen für die Sozialversicherung - alles läuft online. Auch die Lotto-Annahme wird ins Netz eingegeben.
Einmal pro Woche muss der Unternehmer interne Dateien auf seinen Rechner herunterladen. "Jede Seite dauert ewig - und danach hängt sich der PC immer auf", berichtet der Einzelhändler.

Mini-Übertragungsrate

Bernd Hartmann hat eine Zimmerei in Nenzenheim. Wenn er von Architekten Pläne per Internet geschickt bekommt, vergeht der halbe Vormittag, bis alles in seinem PC angekommen ist.
Währenddessen sind alle anderen Funktionen blockiert. Mit 500 bis 700 Kilobit/Sekunde muss er sich begnügen.

Der Frust sitzt tief bei Waigandt und Hartmann und vielen anderen, weil sie schon jahrelang darauf warten, technologisch Anschluss an den Rest des Landes zu bekommen.
Beide Unternehmer machten bei der derzeit laufenden Bedarfsermittlung mit. Seit 5. Feb ruar bitten die Stadt Iphofen und der Markt Willanzheim alle betroffenen Personen in ihrem Gebiet darum, einen Fragebogen auszufüllen und zurückzuschicken. Sie versicherten, dass sie für ihre Kontakte Übertragungsraten von mindestens 50 Megabits/Sekunde brauchen.

Schon wieder eine Bedarfsermittlung

Diese Bedarfsermittlung ist einer der insgesamt 19 Schritte zur Verwirklichung von 50 Megabits beziehungsweise 30 Megabits flächendeckend in den jeweiligen Erschließungsgebieten. Die Kommunen müssen dieses Procedere durchackern, um in den Genuss einer Förderung des Freistaates Bayern zu kommen. Leo Eckert, der Geschäftsführende Beamte der Verwaltungsgemeinschaft Iphofen, ist mit der Abwicklung des neuen Förderprogramms betraut. Aus den Iphöfer Ortsteilen habe es bis Ende Februar 14 Rückläufe, aus dem Gemeindegebiet Willanzheim zwölf Rückläufe gegeben, berichtet er.
"Bedarfsermittlung" - diesen Ausdruck findet Waigandt lächerlich. Der Bedarf sei der Stadt seit fünf Jahren bekannt. Außerdem höre sich das so an, als ob in Sachen Breitband nicht so schnell etwas passieren würde. "Eine Farce, wir werden immer wieder vertröstet", sagt der Leiter des Edeka-Marktes in Nenzenheim. "Das ist die vierte Bedarfsermittlung innerhalb von fünf Jahren", gesteht Eckert, der ein Lied vom Thema schnelles Internet singen kann.

Unterschriftenliste pro Glasfaserkabel

Vor zwei Jahren, als noch das alte Förderverfahren maßgebend war, lagen Iphofen und Willanzheim zwei Angebote vor, ein teureres der Telekom für Glasfaserkabel und ein günstigeres eines Richtfunkanbieters.
Die Bevölkerung und auch die Stadt- und Gemeinderäte bevorzugten die Glasfaser-Lösung, wurden aber vom bayerischen Wirtschaftsministerium zurückgepfiffen. Den Auftrag für den Netzausbau an den teureren Anbieter zu vergeben, wäre ein Verstoß gegen das Subventionsrecht der Europäischen Union gewesen. Da nützte es auch nichts, dass der Video-Produzent Christian Gimperlein aus Dornheim und Udo Schumann aus Nenzenheim 344 Unterschriften von Leidensgenossen pro Glasfaser gesammelt und diese am 21. März 2011 an Iphofens Bürgermeister Josef Mend übergeben hatten.

Auf der Suche nach Alternativen

Zwischenzeitlich wurde nach Alternativen gesucht. Für Außenstehende sah es so aus, als ob nichts geschehe. "Nach Abgabe der Unterschriftenlisten ist nichts passiert", beklagt sich Udo Schumann. Für die Bevölkerung habe sich nichts verbessert. Die Alternative Funk, also LTE, sei enttäuschend. Je mehr Nutzer daran hängen, desto langsamer werde die Verbindung.

Iphofen und Willanzheim versuchten es über die Bundesrahmenrichtlinie Leerrohre. Im Herbst 2011 wurden die

Ausschreibungen für dieses Förderschema vorgenommen. Nachdem zwei Angebote eingetroffen waren, wurde in mehreren Gesprächsrunden verhandelt. Als im Frühjahr 2012 zum ersten Mal die Rede war von einem neuen Förderprogramm des Freistaats, wurden die Verhandlungen mit den Anbietern abgebrochen. Allerdings dauerte es dann noch einmal bis Dezember 2012, bis die Kommunen wussten, was sie tun müssen, um ihre Chance auf eine Förderung zu wahren.

Wenig Lukratives interessiert nicht

Mit dem aktuellen Programm soll es mit dem schnellen Internet in den Dörfern der Hellmitzheimer Bucht endlich klappen. Der nächste wichtige Schritt, die Markterkundung, soll über die Osterferien laufen, kündigt Eckert an.
"Ich verstehe den Frust der Bürger", sagt er. Vor der Privatisierung hätte das Telekommunikationsunternehmen das Monopol gehabt, aber auch die Pflicht zur Versorgung. Nun würden die nicht mehr lukrativen Bereiche einfach links liegen gelassen.
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