Würzburg
Wirtschaft

Unternehmen in Franken werden pessimistischer

Die flexible Exportstruktur in Mainfranken hat sich laut Industrie- und Handelskammer bewährt. Neue Märkte, beispielsweise in Russland und China machen sich bezahlt. Dennoch trüben sich die Erwartungen ein.
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Lukas Kagerbauer von der IHK Würzburg-Schweinfurt.
Lukas Kagerbauer von der IHK Würzburg-Schweinfurt.
Sie muten astronomisch an, die Geldsummen zur Eurorettung: 700 Milliarden Euro wiegt der Rettungsschirm für Pleitestaaten. "Immerhin wird dadurch verhindert, dass die Eurozone auseinanderbricht", meint Konjunkturexperte Lukas Kagerbauer von der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt (IHK). Dies beruhige auch Mainfrankens Firmen. Dennoch sind die Erwartungen an die weitere Entwicklung so pessimistisch wie zuletzt im Herbst des Krisenjahres 2009.

Die konkreten Erwartungen fächern sich je nach Branche unterschiedlich auf. Besonders pessimistisch ist die Industrie in den Regionen Würzburg und Main-Rhön. Auch die aktuelle Lage wird von den befragten Industrieunternehmen weit seltener als "gut" bezeichnet als noch im Frühjahr dieses Jahres. Kagerbauer: "Mehrere Firmen, die ihre Lage vor einem halben Jahr noch als ‚gut' einschätzten, empfinden sie inzwischen als nur noch ‚befriedigend'."


Pessimismus beim Einzelhandel


Auch der mainfränkische Einzelhandel sieht dem Jahresende pessimistisch entgegen. Die aktuelle Lage wird von neun Prozent der Einzelhändler als "schlecht" und nur noch von 21 Prozent als "gut" bewertet.

Die Aussichten für die Wirtschaft in der Region sind mit erheblichen Risiken behaftet. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage hervor.
Die Bauwirtschaft, der es aktuell nur wenig schlechter geht als im Frühjahr, befürchtet demnach eine negative Entwicklung der Inlandsnachfrage und beklagt hohe Energie- und Rohstoffpreise. Betriebe der Einzelhandelsbranche befürchten, dass sich das Geschäft durch tendenziell negative Entwicklungen auf dem mainfränkischen Arbeitsmarkt noch schwächer als zuletzt entwickeln wird. Dies alles wirkt sich laut Studie negativ auf den Großhandel aus, der mit den übrigen Branchen eng verknüpft ist.

Die Entwicklungen in Portugal, Spanien, Griechenland oder auch Irland gehen nicht spurlos an der mainfränkischen Wirtschaft vorbei. Deren Exporte gehen zu mehr als der Hälfte in Staaten aus der Eurozone. Vor allem die Exporte in die südlichen Euroländer brachen ein. "Dies konnte jedoch durch den Handel mit anderen Regionen kompensiert werden", so Kagerbauer. So wurden deutlich mehr Güter aus Mainfranken nach China, Nordamerika und Russland exportiert. Damit habe sich die "breite und flexible Exportstruktur der mainfränkischen Industriebetriebe" bewährt.

Das gedämpfte Konjunkturklima geht mit abgeschwächten Beschäftigungsplänen einher, vor allem im Handel und im Dienstleistungsgewerbe. "Es ist davon auszugehen, dass die Aufwärtsdynamik am Arbeitsmarkt vorerst gebremst ist", kommentiert Kagerbauer. Gleichzeitig wurden Investitionspläne reduziert oder aufgeschoben: "Wobei die Auslandsinvestitionspläne deutlich stärker zurückgehen als die geplanten Investitionen im Inland." Da sich in Deutschland, anders als in vielen anderen Regionen des Euroraums, derzeit keine Rezession abzeichne, gelte die Bundesrepublik als ein "sicherer Hafen" für Investitionen.

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