LANDKREIS KITZINGEN

Unfallflucht könnte den Job kosten

Anfang März vergangenen Jahres in einem Marktstefter Industriegebiet. Eine Frau geht in die Mittagspause. Sie läuft zu ihrem Auto, das am Straßenrand parkt – und traut ihren Augen nicht. Der Außenspiegel: abrasiert. Der Kotflügel: beschädigt. Auf der Straße überall Scherben. Schaden: fast 2100 Euro. Doch weit und breit ist keiner zu sehen, der den Unfall verursacht haben könnte.
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Symbolbild Gericht Foto: Ruppert

Anfang März vergangenen Jahres in einem Marktstefter Industriegebiet. Eine Frau geht in die Mittagspause. Sie läuft zu ihrem Auto, das am Straßenrand parkt – und traut ihren Augen nicht. Der Außenspiegel: abrasiert. Der Kotflügel: beschädigt. Auf der Straße überall Scherben. Schaden: fast 2100 Euro. Doch weit und breit ist keiner zu sehen, der den Unfall verursacht haben könnte.

Die Frau ist fassungslos. In der Firma versucht sie herauszufinden, ob jemand gesehen hat, was sich da irgendwann am Vormittag vor dem Hoftor zugetragen haben könnte.

Und siehe da: An diesem Vormittag war tatsächlich ein Laster in der Firma gewesen, um etwas abzuholen. Mehrere Mitarbeiter konnten sich an den Laster erinnern, über die Lieferpapiere war der Fahrer schnell ausgemacht.

Der Mann, ein 54-jähriger Berufskraftfahrer, will von einem Unfall nichts wissen. Da war nichts, er habe nichts bemerkt. Die Angelegenheit nimmt deshalb eine größere Dimension an: Die Polizei muss Spuren sichern, ein Gutachter wird eingeschaltet und soll klären, ob hier eine Unfallflucht vorliegt.

Bei der Verhandlung vor dem Kitzinger Strafrichter Bernhard Böhm kommt es auf den Gutachter an: Unmittelbare Zeugen gibt es nicht. Der Angeklagte räumt zwar ein, dass er zur fraglichen Zeit am Unfallort war und es auch gewesen sein könnte. Aber er bleibt dabei: „Ich habe den Schaden nicht gemerkt.“

Beweis erbracht

Die Spurenlage ist eindeutig: Die rechte Tür des Laster-Führerhauses hat das Auto gestreift. Es gab eine direkte Berührung beider Fahrzeuge. Und: Der Laster rangierte bei der Karambolage nicht etwa in einem Zug, sondern muss nach dem Anstoß angehalten und zurückgesetzt haben.

Damit ist der Beweis erbracht: Der Lasterfahrer muss es gemerkt haben. Keinen Zweifel hat der Gutachter zudem daran, dass „der Anstoß zu hören gewesen ist“, es habe direkt an der Fahrerseite gescheppert.

Der 54-Jährige, der mehrfach vorbestraft ist und zur Tatzeit unter Bewährung stand, könnte jetzt seinen Job verlieren: Das Gericht verhängte für die Unfallflucht ein dreimonatiges Fahrverbot, die Staatsanwaltschaft hatte sogar eine zwölfmonatige Sperre gefordert. Zudem muss der Mann 100 Euro Geldbuße sowie 2800 Euro Geldstrafe (70 Tagessätze zu je 40 Euro) zahlen.

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