KITZINGEN

Und jetzt die Sacharbeit?

Christian Klingen will seine AfD auch im Stadtrat von Kitzingen vertreten sehen. Im Landtag schwelt der Streit derweil weiter.
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Christian Klingen (AfD) in seinem Abgeordnetenbüro in Kitzingen: „Es ist ja kein Geheimnis, dass wir in München nach wie vor zwei Lager haben.“ Foto: Foto: Ralf Dieter
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Kitzingen Die AfD in Bayern besteht aus zwei Lagern. Aus denjenigen, die dem rechten Flügel um Björn Höcke nahe stehen und aus deren Widersachern, die einen gemäßigten, wertkonservativen Kurs bevorzugen.

Die Vorstandswahlen am Wochenende sollten eine Entscheidung bringen. Christian Klingen, Landtagsabgeordneter aus dem Stimmkreis Kitzingen, ist mit dem Ausgang zufrieden. Innerhalb der Fraktion schwelen die Grabenkämpfe weiter.

Sind Sie mit der Wahl von Corinna Miazga einverstanden?

Klingen: Mein Favorit war Martin Sichert. Aber in der Stichwahl war ich natürlich für Frau Miazga.

Die hat sich dort gegen die Fraktionsvorsitzende Kathrin Ebner-Steiner durchgesetzt. Letztere wollte doch eigentlich gar nicht antreten.

Klingen: So ist das. Für mich ein klarer Fall von Wortbruch, der zeigt, dass ihr Verlässlichkeit offenbar nicht viel bedeutet. Sie hat auch extra sehr viele Mitglieder aus ihrem persönlichen Umfeld aktiviert, am Parteitag teilzunehmen.

Letztendlich ist sie nicht in den Vorstand gekommen.

Klingen: Und das ist gut so. Wir haben jetzt einen ausgewogenen Vorstand und können uns ganz der Sacharbeit widmen.

Ihr Favorit, Martin Sichert, hat bei seiner Rede aber ganz schön extreme Vergleiche benutzt. Ministerpräsident Markus Söder hat er als Hure der bayerischen Politik bezeichnet und Horst Seehofer bezichtigt, dass er der Angela aus der Uckermark die Stiefel lecke. Die richtige Wortwahl?

Klingen: Das hätte ich nicht so formuliert.

Wie fällt Ihr Fazit des Parteitages aus?

Klingen: Ich denke, wir können zufrieden sein.

Und wie geht es jetzt weiter?

Klingen: Mit der Konzentration auf die Sacharbeit.

Der Kommunalwahlkampf steht an und wir wollen das erste Mal auch im Kreistag Kitzingen vertreten sein.

Die Liste steht schon?

Klingen: Ich muss noch ein paar Telefonate führen, aber es schaut gut aus.

Werden Sie in anderen Gemeinden im Landkreis Kitzingen auch vertreten sein?

Klingen: Dazu fehlt uns im Moment noch das Personal.

Wie viele Mitglieder hat der Kreisverband?

Klingen: Um die 50.

Gibt es da auch zwei Lager?

Klingen: Nein, schließlich bin ich dort ohne Gegenstimme gewählt worden und ich stehe klar für einen sachorientierten, wertkonservativen Kurs.

Das heißt?

Klingen: Wir haben ein paar Alleinstellungsmerkmale im Vergleich zu anderen Parteien. Nehmen Sie den Klimaschutz. Da fahren wir einen anderen Kurs als beispielsweise die Grünen. Wir denken, dass wir in Deutschland durch CO2-Einsparungen nicht wirklich viel bewirken können. Wir sollten das Geld lieber woanders investieren.

Wo denn?

Klingen: In die Erhaltung von Arbeitsplätzen, auch und gerade in der Automobilindustrie.

Also weiter so, wie bisher?

Klingen: Nein, im Hinblick auf Umweltschutz sollten wir umrüsten, aber ich bin nicht so überzeugt von der E-Mobilität.

In den USA fahren Busse fast nur mit Erdgas. Warum sollte das bei uns nicht möglich sein? Zumal wir aus Russland günstig Erdgas beziehen.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal?

Klingen: Die Flüchtlingsthematik. Da sind wir für eine klare Unterscheidung in Zuwanderung und Asyl.

Wer Letzteres beantragt, der darf auch nur so lange in Deutschland bleiben, solange er in seinem Heimatland verfolgt ist.

Über eine gezielte Zuwanderung qualifizierter Arbeitnehmer, wie beispielsweise in Kanada, könnten wir den Fachkräftemangel gezielt bekämpfen.

Zieht die AfD-Fraktion im Landtag da an einem Strang?

Klingen: Inhaltlich sind wir uns in diesen Punkten einig, aber es ist ja kein Geheimnis, dass wir in München nach wie vor zwei Lager haben.

In ein paar Wochen steht die Wahl der Fraktionsvorsitzenden an. Eine Chance für einen Neuanfang?

Klingen: Auf jeden Fall. Zumal der oder die neue Fraktionsvorsitzende dann zwei Jahre an der Spitze stehen wird.

Ihr Favorit?

Klingen: Gerd Mannes.

Derzeit findet die Klausurtagung der Fraktion statt. Ohne Sie. Warum?

Klingen: Weil ich mich von Anfang an dagegen ausgesprochen habe, dafür extra in ein teures Hotel zu reisen.

Im Landtag wäre ich dabei gewesen. So macht es beispielsweise die SPD. Außerdem habe ich keine Lust, mich mit Leuten zu „abendlicher Wellness“ zusammen zu setzen, die mit ihren Aussagen und Handlungen gegen die Ordnung der Partei verstoßen haben.

Klingt nicht gerade nach einem vertrauensvollen Miteinander in der AfD-Fraktion.

Klingen: Ich gehe davon aus, dass sich das durch die demnächst stattfindende Neuwahl des Fraktionsvorstandes in naher Zukunft ändern wird.

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