IPHOFEN

Überraschender Fund aus dunkler Zeit

„Highlights aus dem Schwarzenberg-Archiv“ werden im Knauf-Museum in Iphofen präsentiert. Dazu gehört ein verschnürtes Paket. Sein Geheimnis ist nun gelüftet.
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Diese verpackten und verschnürten Unterlagen waren über 70 Jahre unter den tausenden Dokumenten des Schwarzenberg-Archivs versteckt. Foto: Foto: Christine Jeske

2011 war das lange Warten vorbei. Ein archivalischer Schatz kehrte nach Franken zurück. Seit 1944 lagerten die Urkunden, Amtsbücher, Karten, Pläne, Fotos und andere Dokumente des Hauses Schwarzenberg im tschechischen Krumau.

Der Ursprung der Familie liegt in Seinsheim (heute Landkreis Kitzingen). Stammsitz ist die Burg Schwarzenberg bei Scheinfeld (heute Landkreis Neustadt a. d. Aisch/Bad Windsheim).

Unter den rund 41 000 Dokumenten, die 2011 nach Nürnberg transportiert wurden, befand sich auch ein geheimnisvolles, fest verschnürtes und versiegeltes Paket. Es ist Teil der Sonderausstellung im Knauf-Museum in Iphofen. Dort werden bis 27. Mai „Highlights aus dem Schwarzenberg-Archiv“ präsentiert.

Anweisung in Rot

„Nur durch den Herrn Herrschaftsvorstand zu öffnen!“ In roter Schrift steht die unmissverständliche Anweisung auf dem hellen Papier. Das weckt Neugierde. Vor einigen Wochen war es dann soweit: Nach über 70 Jahren löste der aktuelle „Herrschaftsvorstand“ Karl Johannes Fürst zu Schwarzenberg bei der Ausstellungseröffnung im Knauf-Museum die Schnüre. Der Politiker wurde 1937 in Prag geboren. Bis 2013 war er Außenminister der Tschechischen Republik.

Erst jetzt gab das Staatsarchiv Nürnberg bekannt, welche Dokumente dabei zum Vorschein kamen. Das Paket enthielt den Angaben zufolge drei Handakten von Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg. Er war Mitglied des NS-Widerstandskreises, der am 20. Juli 1944 ein Attentat auf Adolf Hitler versuchte. Es scheiterte bekanntlich.

NS-Widerständler im Gefängnis ermordet

Der Gutsbesitzer und Publizist von und zu Guttenberg „wurde unmittelbar nach dem Attentat von der Gestapo verhaftet und kurz vor Kriegsende ohne Prozess im Gefängnis ermordet“, informiert das Staatsarchiv Nürnberg. Laut Ausstellungskatalog war das in Berlin in der Nacht vom 23. auf den 24. April.

Guttenberg habe der monarchistischen Opposition angehört. Von 1932 bis 1934 brachte er laut Ausstellungskatalog die rechtskonservative Zeitschrift „Die Monarchie – Zeitschrift für deutsche Tradition“ heraus. Die Schriftstücke stammen aus dieser Zeit.

Dabei handelt es sich um die Korrespondenz mit Louis Müldner von Mülnheim und Ulrich Freiherr von Sell. Beides seien Vertraute des im Exil in Doorn lebenden ehemaligen Kaisers Wilhelm II. gewesen, informieren Peter Fleischmann, Direktor des Staatsarchivs Nürnberg, sowie seine Mitarbeiterin, die Archivoberrätin Nicola Humphreys. Sie hat zusammen mit ihrem Kollegen Daniel Burger das Schwarzenberg-Archiv, das knapp 900 Regelmeter umfasst, in den vergangenen Jahren untersucht und neu erschlossen.

Die Verbindung des von den Nazis ermordeten Guttenberg zum Haus Schwarzenberg ergab sich durch seine Frau. Er war seit 1929 mit Therese Benedikta Prinzessin zu Schwarzenberg verheiratet. In der Verlobungszeit erwarb er die Salzburg in Bad Neustadt. 1937 habe er unter Verweis auf die „Art und Form, mit welcher religiöse und kirchliche Fragen innerhalb der Partei zeitweise behandelt und zu lösen versucht werden“ einen Antrag auf die Mitgliedschaft der NSDAP verweigert.

Korrespondenz wurde bewusst versteckt

Die Tochter des Paares, Maria Theodora von dem Bottlenberg-Landsberg, teilte laut Staatsarchiv mit, dass die jetzt entdeckten Unterlagen damals alle Korrespondenzpartner hätte gefährden können. Deshalb seien sie bewusst in der großen Menge des Schwarzberg-Archivs versteckt worden.

Nicht nur das verschnürte Paket, auch das Schwarzenberg-Archiv hat eine bewegende Geschichte hinter sich. Adolph Fürst zu Schwarzenberg, ab Oktober 1938 das Familienoberhaupt und der Bruder Thereses, war wie sein Schwager Guttenberg ebenfalls ein Nazi-Gegner. Im August 1940 wurde er auf Befehl Heinrich Himmlers das gesamte Vermögen enteignet – darunter das Schloss Schwarzenberg. Bis 1943 wurde dort ein Lazarett eingerichtet. Im Mai 1944 wurde dort es die Schulungsburg der NSDAP–Gauleitung.

Doppelte Enteignung

Bereits zuvor, 1943, sollten Teile des von den Nazis enteigneten Familienbesitzes und 1944 auch das Archiv von Schloss Schwarzenberg ins österreichische Linz in Sicherheit gebracht werden. Der Transport kam nur bis Krumau.

Nach Kriegsende enteigneten dann die Kommunisten den Schwarzenbergschen Besitz. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 begannen die Verhandlungen. Sie zogen sich über Jahre hin. 2011 war es dann so weit. Das Archiv kehrte nach Mittelfranken zurück – ins Staatsarchiv Nürnberg.

Die Ausstellung „Highlights aus dem Schwarzenberg-Archiv“ im Knauf-Museum Iphofen ist geöffnet: Dienstag bis Samstag 10 bis 17, Sonntag 11 bis 17 Uhr (bis 27. Mai).

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