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Trump-Wahl: Warum das Beispiel Ronald Reagan Mut machen soll

Donald Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Die politische Weltordnung: durcheinandergewirbelt. Die Amerika-Kennern in Kitzingen staunen.
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Bernd Moser Foto: archiv-Foto: Waltraud Ludwig
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Donald Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Die politische Weltordnung: durcheinandergewirbelt. Ein Quereinsteiger wird künftig die größte Wirtschafts- und Militärmacht der Welt führen. Für viele ein vollkommen unerwarteter Wahlausgang. Und auch bei den Kitzingern, die aus der Zeit als Garnisonsstadt gute Verbindungen zu Amerika haben, herrscht Ratlosigkeit.

„Als ich hörte, dass Trump zum Präsidenten gewählt wurde, konnte ich nur ungläubig staunen“, sagt Altoberbürgermeister Bernd Moser, in dessen Amtszeit der Abzug der Amerikaner aus Kitzingen 2006 fiel. Er befürchte das Schlimmste, so Moser. Wichtig sei, dass Europa aus dem Wahlausgang Lehren ziehe, denn auch hier gebe es ähnliche Bewegungen. „Die Menschen, die abgehängt werden, wollen das nicht weiter hinnehmen“, so Moser. Darauf müsse die Politik reagieren.

Ergebnis hat keine Auswirkung auf Schüleraustausch

Reaktionen auf die Wahl auch am Kitzinger Armin-Knab-Gymnasium, das eine rege Verbindung zu einer Schule in Colorado pflegt. Schulleiterin Margit Hofmann: „Wir gehen davon aus, dass das Ergebnis keine Auswirkungen auf unseren Austausch hat.“ Eine Mauer zu Deutschland und Europa habe Trump ja immerhin nicht angekündigt.

„Trotzdem sind wir fassungslos. Nicht nur darüber, dass er Präsident geworden ist, sondern vor allem über den deutlichen Vorsprung.“ Was hier mehr oder weniger überraschend kam, sei in Amerika jedoch gar nicht so abwegig gewesen. Eine Schülerin, die in den USA war, erzählte, dass die Zustimmung zu Trump vorab unglaublich groß war. Viel größer, als es in Europa vermittelt wurde.

„Zum Glück hat das Repräsentantenhaus ja auch noch ein Wort mitzureden“, sagt Reinhard Faltermeier, der ebenfalls einen guten Draht in die USA hat. Seine Schwester lebt dort – außerdem kennt er viele Frauen, die mit amerikanischen Soldaten ausgewandert sind.

Protestwähler stimmten für Trump

Für ihn war der Wahlausgang keineswegs unerwartet: „Ich habe die ganze Zeit damit gerechnet, dass es so enden würde“, sagt er. „Dennoch kann ich nicht begreifen, was den Amerikanern da in den Sinn gekommen ist.“ Er vermutet, dass viele Protestwähler ihre Stimme für Trump abgegeben haben, weil sie unzufrieden sind mit Asyl- und Zuwanderungspolitik.

Der Kitzinger weiß, dass weder Trump noch Clinton als Präsidentschaftskanidaten sonderlich beliebt gewesen seien. „Deshalb denke ich, dass meine Bekannten mit sehr gemischten Gefühlen zur Wahl gegangen sind.“ Wahrscheinlich habe sich die eine Hälfte für Trump, die andere für Clinton entschieden. Vielleicht waren es sogar 60 zu 40 Prozent für den Republikaner.

Trump nach der Wahl „staatstragender“

Kitzingens ehemaliger Tourismus-Chef Walter Vierrether kann sich vorstellen, „dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Europa jetzt in einigen Punkten ändern, dass Europa mehr zur Kasse gebeten wird“. Der Mann, der mit Amerikanern in Kitzingen groß geworden ist, zeigt sich „total überrascht von Trumps Sieg. Mit allem habe ich gerechnet, nur damit nicht.“ Allerdings: „Bei Reagan haben auch alle um Himmels Willen gesagt“, erinnert er sich.

Diesen letzten Punkt betont der evangelische Stadtpfarrer Uwe Bernd Ahrens ebenfalls. „Alle waren über Reagan entsetzt. Letztlich ist aber nicht viel Schlimmes passiert.“ Das erste Statement, das Trump nach der Wahl abgegeben hat, klang in seinen Ohren um einiges staatstragender als im Wahlkampf. „Wir dürfen nicht vergessen, dass für Trump jetzt viel auf dem Spiel steht“, sagt Ahrens.

Viel erschreckender finde er die Verrohung der Sitten bei Wahlkämpfen. Wie sehr der jeweils andere verunglimpflicht werde – und das nicht nur in Amerika. „Ich denke, dass sollten wir bei all der Diskussion nicht außer Acht lassen.“

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