KITZINGEN

Trockenlegen schwer gemacht

„Sanierungsarbeiten für rund 350 000 Euro am Kitzinger Amtsgericht beginnen im April“ – so stand es Mitte März in der Zeitung. Passiert ist indes seither nichts.
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Sanierung verzögert sich: Weil bei einer öffentlichen Ausschreibung nur ein Angebot mit laut Bauamt „überhöhten Baupreisen“ einging, geht es mit den Arbeiten frühestens im Herbst los. Foto: Foto: Frank Weichhan

„Sanierungsarbeiten für rund 350 000 Euro am Kitzinger Amtsgericht beginnen im April“ – so stand es Mitte März in der Zeitung und so sollte es wenige Wochen später geschehen. Passiert ist indes seither nichts. Kein Baulärm, keine Gruben, nichts – stille ruht das Gericht.

Dabei sind die schon länger ins Auge gefassten Sanierungsarbeiten durchaus dringend. Das Problem existiert bereits einige Zeit und liegt unter der Erde: Das Amtsgericht kämpft mit größeren Kanalproblemen. Oder anders gesagt: Der Keller droht nass zu werden, weil ein Abwasserrückstau aus dem öffentlichen Abwassernetz bis in den Kellerbereich möglich ist. Was schon deshalb ungünstig ist, weil ein Teil des Kellers als Archiv dient, in dem ältere Akten sowie Urkunden lagern.

Als dann endlich vergangenen Sommer die Zusage aus München kam, dass im Jahr 2016 die benötigten 350 000 Euro bereit stehen – überbracht wurde die Nachricht vom bayerischen Justizminister Winfried Bausback persönlich bei seinem Antrittsbesuch am Kitzinger Amtsgericht im vergangenen August – ging's an Planung und Vorbereitung, die alleine 43 000 Euro verschlangen. Vorsorglich wurde das Amtsgericht Anfang des Jahres zudem nackt gemacht, Bäume und Sträucher verschwanden.

Nachdem die Kahlheit Einzug gehalten hatte, konnte es losgehen. Es passierte – nichts. Dabei war nicht nur Amtsgerichts-Direktor Walter Konrad zunächst zuversichtlich gewesen, dass die aufwändigen Arbeiten bis Jahresende abgeschlossen sein könnten. Aufwändig deshalb, weil etwa die Bodenplatte geöffnet werden muss, ein neues Regenrückhaltebecken entsteht und der Kanal in der Güterhallstraße unangenehm hoch liegt, was die Sache noch einmal komplizierter macht. Und teuer: Gut 300 000 Euro, so die Schätzung vom Staatlichen Bauamt in Würzburg, würde die Maßnahme am Ende verschlingen.

Eine Einschätzung, die sich in einer entsprechenden Ausschreibung so gar nicht widerspiegelte: Wie Franz Ullmann, Abteilungsleiter am Staatliches Bauamt in Würzburg, auf Anfrage betonte, habe es bei der öffentlichen Ausschreibung lediglich ein Angebot gegeben. Dies habe „überhöhte Baupreise“ beinhaltet.

„Überteuert und unwirtschaftlich.“
Franz Ullmann über das Ergebnis der Ausschreibung

Sprich: Mit den noch übrigen 307 000 Euro wäre man nicht hingekommen. Und so kam es, dass dem „überteuerten und unwirtschaftlichen Angebot“ der Zuschlag versagt blieb – und die ganze Sache erst einmal gestoppt wurde. Wie sich der „überhöhte Baupreis“ erklären lässt? Beim Bauamt erklärt man das so: Für die geplanten und veranschlagten Baukosten wurden durchschnittliche und aktuelle Preise angesetzt. Was normalerweise auch einigermaßen hinkommt.

Das Problem: Im Handwerk ist derzeit kaum etwas „normal“. Gerade der Baumarkt ist aktuell ausgelastet – mit Tendenz zur Überlastung. Wer kann, steckt sein Geld in Immobilien oder baut – die Folgen der Null-Zins-Politik.

Man könnte also im Fall des einzigen Bewerbers für die Amtsgerichts-Maßnahme auch sagen: Die wollten im Grunde gar nicht und haben einen derart hohen Preis angesetzt, dass der Bauträger fast zwangsläufig den Kopf schütteln und dankend ablehnen musste.

Bleibt die Frage, wie es nun weitergehen soll und man aus der verfahrenen Lage herauskommen will. Alle Hoffnungen richten sich auf eine abermalige Ausschreibung. Die ist beschränkt und hat deshalb eventuell bessere Chancen, weil man direkt auf bestimmte Firmen zugehen kann. Das Ergebnis soll Ende August vorliegen.

Außerdem soll ein weiterer Strategiewechsel zum Erfolg führen: Aus der Gesamtmaßnahme könnten zwei Maßnahmen werden. Das hieße: In diesem Jahr könnte noch der Außenbereich gemacht werden, während die Innenarbeiten erst einmal verschoben und ins nächste Jahr gelegt werden.

Wobei noch die Frage zu klären wäre, ob auch ein Teil der für dieses Jahr bewilligten 307 000 Euro mit ins nächste Jahr genommen werden können. Auch wenn es da Bedenken gibt, zeigt sich das Bauamt optimistisch: „In der Regel sind die Haushaltsmittel in das nächste Jahr übertragbar.“ Darauf baut man auch im Amtsgericht, wo man noch längere Zeit Gefahr läuft, sich empfindlich nasse Füße zu holen.

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