ABTSWIND/GEISELWIND

Trockenheit und Käfer

Um den Fichtenbestand in den Wäldern sieht es nicht gut aus. Weil die Niederschläge fehlen, sterben die Flachwurzler ab. Und auch der Borkenkäferbefall macht Sorgen.
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Peter Aichmüller und Stefan Kraus schauen sich mit sorgenvoller Miene den Bestand der Käfer im Messbecher an. Foto: Fotos: Daniela Röllinger
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Der Blick auf die Skala des Messbechers sorgt für Stirnrunzeln: Tausende von Borkenkäfern sind von Montag bis Donnerstagfrüh in die Falle im Wald bei Langenberg gegangen. Der Schädling wird für die Fichten zum Problem – wobei er vergleichsweise das kleinere ist. Noch viel mehr als die Käfer macht in diesem Jahr die Trockenheit der Baumart zu schaffen.

Der Hitzesommer des letzten Jahres ist uns noch gut im Gedächtnis. Heiß war es, und trocken. Doch während diese Erinnerung bei uns Menschen nach und nach schwinden wird, sieht es bei den Bäumen anders aus. Die Trockenperioden hinterlassen Spuren im Wald. „Wir haben immer noch ein enormes Defizit an Grundwasser und Niederschlag vom letzten Jahr“, sagt Peter Aichmüller. „Der Wald merkt sich das.“ Vor allem Flachwurzler wie die Fichte tun sich schwer, das Wasser aus dem Boden zu holen. Doch auch an Buchen sind schon Schäden zu erkennen.

Kahl und braun

Die Fahrt durch den Wald bei Abtswind und Geiselwind mit Dr. Peter Aichmüller und Stefan Kraus vom Forstamt Kitzingen ist ernüchternd. Erschreckend viele Fichten ragen kahl und braun inmitten ihrer grünen Kollegen hervor. Anderswo sieht es nicht viel besser aus: Viele geschädigte Bäume gibt es unter anderem in Wiesenbronn. Und im Stadtwald Iphofen hätten schon viele Fichten gefällt werden müssen, weil sie wegen der Trockenheit abgestorben sind, so Aichmüller. Entsprechend besorgt ist er: „Es ist schon sehr auffällig, dass die Trockenschäden bei den Fichten überwiegen.“

Gegen die Trockenheit haben die Förster kein Mittel. Anders sieht es beim Borkenkäfer aus, dessen Zielobjekt ebenfalls die Fichte ist, vor allem die schon geschwächten Bäume. Der kleine Käfer bohrt sich in die Rinde und sondert dann Stoffe ab, um seine Artgenossen anzulocken, so dass es zu einem konzentrierten Befall kommt. Ob sich ein Käfer im Baum befindet, ist am braunen Bohrmehl zu erkennen, das sich an der Rinde festsetzt, in Spinnweben hängen bleibt oder auf Bodenpflanzen sammelt – wobei es eines geschulten Auges und genauen Hinsehens bedarf. In regelmäßigen Kontrollgängen schauen sich die Förster die Bäume auf diese Merkmale an. Dabei ist der Buchdrucker – die größere Art des Borkenkäfers, die im unteren Bereich des Stammes ihre Gänge bohrt und Larven ablegt – leichter zu entdecken als der kleinere Kupferstecher, der eher im Kronenbereich aktiv ist.

Stefan Kraus hat im Wald bei Langenberg Borkenkäferfallen aufgehängt. Schwarze Kästen mit Einflugschlitzen locken die Insekten mit Pheromonen an. Einmal pro Woche wird kontrolliert, wie viele Tiere sich darin befinden, normalerweise am Montag. Doch schon bis Donnerstag dieser Woche, also innerhalb von knapp vier Tagen, haben sich unzählige kleine schwarze Käfer dort angesammelt. Kraus kippt die Käfer aus der Buchdrucker-Falle in einen Messbecher: 2400 der vier bis 5,5 Millimeter großen Insekten tummeln sich dort. In der wenige Meter entfernten Kupferstecher-Falle sind es noch mehr Käfer, zirka 16 000. Die Kupferstecher sind deutlich kleiner, nur 1,6 bis drei Millimeter groß.

Nach dem „Fototermin“ kommen sie zurück in die Falle, um das Ergebnis der Erhebung nicht zu verfälschen. Schließlich muss der Befall für das Borkenkäfermonitoring der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft gemeldet werden. Der gesamte Landkreis Kitzingen ist auf der Karte derzeit in roter Farbe als Gefährdungsstufe markiert, der Raum Geiselwind als „akut befallen“. Dort müssen die Fichtenbestände eigentlich im Zwei-Wochen-Rhythmus kontrolliert werden. Doch es ist kaum zu schaffen, wirklich alle Bäume so oft auf Hinweise auf einen Befall zu begutachten, schon gar nicht mit dem normalen Personalbestand. Weshalb das Forstamt für die nächsten Wochen und eventuell Monate Unterstützung durch einen pensionierten Kollegen und eine Referendarin bekommt.

Werden befallene Bäume entdeckt, gilt es schnell zu handeln. Sie werden gefällt und baldmöglichst aus dem Wald gebracht, mindestens 500 Meter vom nächsten Baumbestand entfernt. „Je früher die Bekämpfung beginnt, desto besser, weil sich der Borkenkäfer dann nicht weiter ausbreitet“, erklärt Stefan Kraus.

Sorgenvolle Blicke

An einer gefällten Fichte zeigt er, wie der Schädling vorgeht: Die Mutter bohrt von außen ein Loch in den Baum und dann unter der Rinde einen senkrecht verlaufenden Muttergang, in dem sie die Eier ablegt. Die Larven fressen später quer zur Rinde im Kambium, das ist die äußere Wachstumsschicht und damit die Lebensader des Baumes. Somit kappen die Käfer die Nährstoffversorgung der Fichte. Der Baum versucht sich zu wehren und die Käfer durch Harz abzutöten. „Aber mehr als 200 Käfer pro Baum sind zu viel“, erklärt Peter Aichmüller.

Weil jedoch schon ein einziges Buchdrucker-Weibchen im Verlauf der Vegetationsperiode 100 bis 150 Eier ablegt und sich innerhalb eines warmen und trockenen Jahres drei Generationen und zwei Geschwisterbruten entwickeln können, ist diese Zahl schnell erreicht. Kein Wunder also, dass die Förster mit sorgenvollem Blick auf das Getümmel im Messbecher blicken – genauso wie auf den strahlend blauen Himmel, von dem die Sonne auf den Wald strahlt.

Aichmüller bleibt nur die Hoffnung, dass es in diesem Jahr noch sehr oft viel regnet. Denn was sonst noch alles auf den Wald zukommt, vermag derzeit noch niemand zu sagen. „Wir stehen mit großen Augen da und beobachten, was da passiert.“

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