KITZINGEN

Titel verliehen: Berufsschule gegen Rassismus

Die Initiative ging von Schülern aus: Das Berufliche Schulzentrum tägt jetzt mit dem Titel Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Nur einer fehlte beim Festakt.
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„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.“ Diesen Titel hat das Berufliche Schulzentrum Kitzingen-Ochsenfurt jetzt verliehen bekommen. Damit will die Schule ein Zeichen gegen Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit setzen. Im Bild (von links) die Schulleiter Frank Delißen und Gerlinde Porzelt, Florian Lussert, Shana Moseley und Theresa Kuhlmann von der Schülermitverantwortung und der Landeskoordinator Stefan Lutz-Simon, der die entsprechende Urkunde an Kuhlmann überreichte. FOTO S. Sebelka Foto: Sebelka
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„Ich bin jemand, der ein Herz für die Schwächeren, die Ausgegrenzten und die Benachteiligten hat.“
Andreas Kümmert verhinderter Pate

Die Initiative ging von der Schülermitverantwortung (SMV) aus: Seit Mittwoch kann sich das Berufliche Schulzentrum Kitzingen-Ochsenfurt mit dem Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ schmücken.

Die Schule an den Standorten Kitzingen und Ochsenfurt befindet sich in bester Gesellschaft: Allein in Bayern haben 394 Schulen mit dem Titel Nein zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gesagt, bundesweit sind es 2075 (Stand: Mittwoch, 8. Juni).

„Es kommen praktisch täglich weitere Schulen dazu“, sagte Stefan Lutz-Simon als Landeskoordinator der vor 20 Jahren gegründete Initiative. Er war es, der der SMV-Sprecherin Theresa Kuhlmann und ihren Mitstreitern Florian Lussert und Shana Moseley die Urkunde überreichte. Die bestätigt der Schule, dass sie ein „Zeichen gegen alle Formen von Diskriminierung und Rassismus und für ein gewaltfreien und respektvolles Miteinander“ setzen will.

Lutz-Simon stellte wie Schulleiter Frank Delißen die Initiatoren von der SMV in den Mittelpunkt. Klar ist, den Titel bekommt keine Schule geschenkt. Die Initiative muss von den Schülern kommen. Die müssen Mitschüler davon überzeugen, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit keinen Platz an ihrer Schule haben. Sie müssen 70 Prozent der Mitglieder der Schulfamilie dazu bringen, dass sie ihre Unterschrift unter den Antrag auf den Titel setzen.

Mit viel Engagement haben das Theresa Kuhlmann und ihre Mitstreiter geschafft, sagte Delißen. Los ging es mit einer Luftballonaktion, dann kamen Infostände, Gespräche und die Unterschriften. Wichtig: Die Aktionen müssen fortgeführt werden. Die nächste Generation der Schüler muss den Titel bestätigen.

Wie Delißen betonte, passe der Titel zu einer Schule, an der 139 von 1349 Schüler einen Migrationshintergrund haben, an der Flüchtlinge unterrichtet werden und deren Schüler aus 40 Ländern kommen. „Sie bereichern mit ihren kulturellen Traditionen und Lebensweisen unser Schulleben“, sagte Delißen. Der Titel passe auch zu dem Schulziel eines „respektvollen, wertschätzenden und toleranten Miteinanders“.

Am Ende gab es viel Beifall für den Titel und die Veranstaltung, bei der allerdings einer fehlte. Zu dem Titel gehört ein Pate. Der übergibt, wie Ski-Ass Felix Neureuther vor kurzem in Marktbreit, das Schild. Einen Paten gibt es mit dem Sänger Andreas Kümmert auch bei der Berufsschule.

Der Gewinner der Castingshow The Voice of Germany, der mit seiner Absage an den Eurovision Song Contest (ESC) in die Schlagzeilen geraten war, wollte persönlich gratulieren. Kurz vor der Veranstaltung die Absage: „Mein Magen und mein Darm haben etwas dagegen.“

Kümmert hatte aber sein Grußwort per Handy geschickt. Dass es Kümmert „wahnsinnig leid tut“, verlas Florian Lussert und auch: „Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Mann der großen Worte bin. Aber ich bin jemand, der ein Herz für die Schwächeren, die Ausgegrenzten und die Benachteiligten hat.“ Er freue sich, Pate bei Schule gegen Rassismus zu sein, verlas Lussert weiter und: „Ich hoffe, die Plakette erinnert die Schule jeden Tage daran, wie wichtig es ist, gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung zu kämpfen.“ Auch wenn Kümmert nicht da war, seine Botschaft kam an. Ebenso wie die Ankündigung von Delißen, dass der Rest des Mittwochs ein besonderer Nachmittag sein werde. Bei dem von Silke Meier organisierten Klassenübergreifenden Programm „Miteinander – Füreinander“ gab es viele Begegnungen und die Gelegenheit, sich Kennenlernen.

Der Verein Aktion Courage e. V.

Der Verein: Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage ist ein Projekt des Vereins Aktion Courage e.V und wurde in Deutschland im Juni 1995 unter dem Namen Schule ohne Rassismus ins Leben gerufen. 2001 wurde der Name des Projektes um die zweite Zeile Schule mit Courage erweitert und das aktuelle Logo eingeführt.

Der Hintergrund: Aktion Courage e.V. wurde 1992 von Bürgerinitiativen, Menschenrechtsgruppen, Vereinen und Einzelpersonen als eine Antwort auf den gewalttätigen Rassismus in Mölln, Solingen oder Hoyerswerda gegründet. Aktion Courage e.V. ist seit dem 13. März 2001 bundesweit anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

Der Zweck: Zweck des gemeinnützigen Vereins ist die Förderung der Zusammenarbeit und Verständigung zwischen Angehörigen verschiedener Nationen in Deutschland und in Europa, die Beseitigung von Fluchtursachen, die Überwindung von Intoleranz und Hass und die Lösung sozialer Konflikte durch Bildungsarbeit. Quelle: www.schule-ohne-rassismus.org

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