KITZINGEN

Tag der Franken: Fresswetter und 30.000 Blumen in Rotweiß

Zum Tag der Franken war Kitzingen, Deutschlands heißeste Stadt, angenehm temperiert. Das lockte Tausende zu den vielen Aktivitäten in der alten Weinhandelsstadt.
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Beifall von den Weinhoheiten und vom Publikum für Joachim Herrmann (am Rednerpult). Der Bayerische Innenminister hatte anstelle von Horst Seehofer die Festrede zum Tag der Franken gehalten. Foto: Foto: Norbert Hohler
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Als heißeste Stadt Deutschlands hat Kitzingen bundesweit Schlagzeilen gemacht. Doch zum „Tag der Franken“ präsentierte sich die alte Weinhandelsstadt „angenehm temperiert“, wie die Kitzinger Landrätin Tamara Bischof bei ihrem Grußwort sagte.

Heiter bis wolkig zeigte sich der Himmel am Sonntag, ein angenehmes Lüftchen wehte – und wie bestellt kam zu Beginn der Veranstaltung auf dem Marktplatz die Sonne hervor. „Heute ist Fresswetter, da geht was“, brachte es BR-Moderator Eberhard Schellenberger auf den Punkt. „Was haben wir noch geschwitzt vor drei Jahren beim Tag der Franken in Ochsenfurt.“

Dass Ministerpräsident Horst Seehofer bei Kanzlerin Angela Merkel in Berlin weilte statt in Kitzingen, führte zu kleinen Seitenhieben. Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel etwa nannte Franken liebenswert und berechenbar.

„Das kann man von Berlin nicht immer behaupten.“ Und er wiederholte, was Fastnachtspräsident Bernhard Schlereth zuvor bei der Grundsteinlegung für die Fastnacht-Akademie gesagt hatte: „Wenn Mutti ruft, müssen die Buben antreten.“

  • Kein Nationalpark gegen den Willen der Leute vor Ort

Indes hatte Seehofers Absage vor allem mit den Trauerfeierlichkeiten für Altkanzler Helmut Kohl in Straßburg und Speyer zu tun. „Das hat den Terminkalender des Ministerpräsidenten verändert. Er wäre gerne hier gewesen und lässt Sie herzlich grüßen“, sagte Festredner Joachim Herrmann. Der bayerische Innenminister durfte sich später – ein Novum – „in Vertretung“ für Horst Seehofer ins Goldene Buch der Stadt Kitzingen eintragen: Die mit einem Kunstwerk verzierte Seite konnte nicht mehr mit neuem Namen versehen werden.

Herrmann beweist seine Stimme

Festredner Herrmann hatte auch noch eine launige Bemerkung für den Kabinettskollegen Winfried Bausback. Der Justizminister war verspätet aus Aschaffenburg in Kitzingen eingetroffen. „Deswegen bauen wir ja gerade die Autobahnen aus, dann geht es künftig schneller.“ Und selbst als Sänger tat sich Seehofers Vertreter zum Ende des offiziellen Teils hervor: Er bestand auf allen sechs Strophen des Frankenlieds, lehnte das Textblatt ab. „Das brauche ich nicht!“

  • Ohne Seehofer feiern die Franken unter sich

Deutlich zu lange gerieten die Reden, insbesondere die Begrüßungen. Ein wenig quengelig wurde beispielsweise Chiara-Marie, die Tochter der Bundestagsabgeordneten Anja Weisgerber. „Sie wollte zu mir auf den Arm. Wenn es Musik gibt und wir ein bisschen mitwippen, dann hat sie an solchen Terminen oft ziemlich viel Spaß“, erzählte Weisgerber.

Sprache und Musik

Nicht nur Chiara, sondern dem Beifall nach zu urteilen allen hat das „Willkommen mit Musik“ gefallen, bei dem Kinder aus vielen Ländern auf der Bühne in ihrer Muttersprache den Festakt auf dem Marktplatz eröffnet hatten. Das Musikschulprojekt des Theaters am Neunerplatz in Würzburg steht unter dem Motto: Jedes Kind sollte die Chance haben, über Sprache und Musik kulturelle Barrieren zu überwinden.

Als Barbara Stamm mit ihrer Rede an der Reihe war, als „Mama Frankonia“ angekündigt, kassierte die Landtagspräsidentin erleichterten Beifall, als sie ausrief. „Ich habe meine Rede weggelegt. Das ist mein Beitrag dazu, dass es Ihnen allen heute gut geht.“ Stamm sagte, ihr gehe das Herz auf, „wenn ich sehe, wie viele Menschen hier sind und was sie alles geboten bekommen.“

Sowohl die Landtagspräsidentin Stamm als auch Joachim Herrmann lobten das Verhalten der Gruppen, die im Vorfeld der Veranstaltung für oder gegen einen Nationalpark vor ihrer Haustüre demonstriert hatten. „Das hat dem Tag der Franken alle Ehre gemacht. So muss Demokratie sein. Auch dort wurde das Motto 'Brücken bauen' beherzigt“, so Stamm. Und Herrmann bekräftigte die Zusage, „dass es gegen den Willen der Bevölkerung keinen Nationalpark geben wird.“

Musikschulfestival mit 350 Teilnehmern

Kitzingen als große Freilichtbühne mit 30.000 rot-weißen Blumen, Fahnen, Girlanden – das passte zu den zahlreichen Aktivitäten des Tages. Da waren über 350 Aktive des unterfränkischen Musikschulfestivals, die auf mehreren Bühnen ihr Können zeigten. Über Trachtentänze und Volksmusik reichte das Programm bis zu Rock- und Popmusik. Und für Autofreunde gab es bei einer Fahrzeugschau auf dem Bleichwasen den Brückenschlag von Oldtimern bis zur Elektromobilität.

Eine Brücke zu den Taubstimmen schafften die Gebärdendolmetscherinnen Christin und Alexa. Die beiden leisteten Schwerstarbeit auf der Bühne und übersetzten sogar die Texte aller musikalischen Darbietungen. Barrierefrei soll künftig auch der Kitzinger Bahnhof werden.

Oberbürgermeister Siegfried Müller nutzte bei seiner Begrüßung die Chance, den Ministerpräsidenten und Stellvertreter Herrmann um Unterstützung zu bitten. „Es nützt die schönste Stadt nichts, wenn Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte nicht in Kitzingen aussteigen können“.

Freude über Losglück

Beim anschließenden Staatsempfang im Innenhof der Paul-Eber-Schule suchte Müller auch noch das persönliche Gespräch mit Joachim Herrmann. Richtig glücklich war dort auch Georg Erhard aus Astheim: Der Nebenerwerbswinzer hatte die Teilnahme per Los gewonnen. „Für mich ist das natürlich etwas ganz Besonderes. Und am meisten imponiert hat mir, wie stolz die Franken auf ihre Heimat sind und das Ergebnis ihrer Arbeit heute feiern.“

 

 

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