REGION WÜRZBURG

Tabletten für Tansania: Sommeracher hilft Afrika

Vom Schreibtisch in die Welt: Wie ein Theologe aus dem Landkreis Kitzingen von zuhause aus Medikamente in Tansania verteilt.
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Der Sommeracher Gerhard Kunath übergibt ein medizinisches Paket an eine Krankenschwester in Mbinga im Südwesten Tansanias. Foto: Foto: Action Medeor

„Wenn du Geld hast, kommst du an alles ran, wenn du arm bist, dann nicht“, sagt Gerhard Kunath. Wenn der 62-Jährige an seinem Schreibtisch im heimischen Sommerach Platz nimmt, hat das Auswirkungen für viele Menschen in Tansania. Kunath arbeitet seit 14 Jahren bei Action Medeor, ein Medikamenten-Hilfswerk aus Nordrhein-Westfalen.

Die „Notapotheke der Welt“ versorgt seit über 50 Jahren arme Länder weltweit mit Medizin und Ausrüstung. „Die Idee ist, allen Menschen Zugang zu Qualitätsmedikamenten zu verschaffen“, so Kunath. „Sie sollen dasselbe gute Zeug haben können wie wir.“ Action Medeor lässt lebensnotwendige Arzneimittel kostengünstig in großen Stückzahlen produzieren, versorgt Krankenhäuser in Afrika, Asien und Lateinamerika und finanziert sich durch Spenden und Verkauf der Mittel.

Schwerpunkt Tansania

Von zuhause aus leitet der studierte Theologe Kunath die Außenstelle Süd für Action Medeor. Dabei betreut er helfende ehrenamtlichen Gruppen im süddeutschen Raum und ist maßgeblich am Engagement in Tansania beteiligt. Dort hat Kunath vor vielen Jahren den Schwerpunkt seiner Arbeit gesetzt. Die intensive Arbeit der Organisation im ostafrikanischen Staat ist zu großen Teilen auf seinen Einsatz zurückzuführen.

Erstmals errichtete das deutsche Hilfswerk eine Niederlassung im Ausland, auch unter seiner Aufsicht. Die tansanische Regierung hatte die Deutschen damals um Hilfe gebeten. In Dar es Salaam, der mit über vier Millionen Einwohnern größten Stadt Tansanias, kann Action Medeor nun seit über zehn Jahren vor Ort helfen. „Wir sparen uns lange Transportwege für Medikamente von Deutschland aus und bilden dort pharmazeutisches Personal aus“, so Kunath. Deutsche und Tansanier arbeiten dort zusammen.

Malaria und Durchfallerkrankungen

Die spezielle Verbindung von Unterfranken nach Tansania kommt nicht von ungefähr. Mbinga ist ein Distrikt im Süden des Landes und hat als katholische Diözese eine Partnerschaft mit Würzburg. Mbinga liegt in der Provinz Ruvuma im äußersten Südwesten Tansanias. Die bitterarme Region hat vor allem mit Malaria, Durchfallerkrankungen, Atemwegsbeschwerden und Würmern zu kämpfen. Alles behandelbare Krankheiten, die häufig tödlich verlaufen, weil die Patienten nicht ausreichend medizinisch behandelt werden können. Gerhard Kunath nimmt diese Missstände zum Anlass der Hilfe.

„Ich habe dort einen zehnjährigen Jungen getroffen, offener Kopf, ein Auge war ganz weg, das andere verbunden. Er hatte schwerste Verbrennungen und es hat sich niemand darum gekümmert“, erinnert sich der Theologe und fügt betroffen hinzu: „da platzt mir der Kragen.“ Erfahrungen wie diese sorgen dafür, konkrete Hilfe voranzutreiben. Vor acht Jahren richtete Action Medeor ein Medikamentenlager in der Diözese Mbinga ein. Dieses versorgt seitdem 16 umliegende Gesundheitseinrichtungen mit Medikamenten. Zentrale Leitstelle ist dabei immer Kunaths Büro in Sommerach. „Ich versuche Geldgeber und Sponsoren zu finden um diese Zentralapotheke zu finanzieren“, so Kunath.

Die dortige Einrichtung kauft mittlerweile vor Ort Medikamente ein, verkauft sie günstig an Patienten und investiert den kompletten Erlös wieder in neue Medizin. „Das ist einmalig in Tansania und funktioniert gut“, freut sich Kunath. Der Erfolg des Engagements wird auch durch die Regierung in Tansania belegt. „Vier der 16 umliegenden Gesundheitsstationen wurden von staatlicher Seite upgegradet“, sagt der Theologe. Im dortigen Gesundheitssystem bedeutet das eine Aufwertung der medizinischen Grundversorgung durch besser geschultes Personal und Verfügbarkeit der wichtigsten Arzneimittel. Auch das ist ein Verdienst von Kunath und Action Medeor.

Krankenhaus ohne ein einziges Schmerzmittel

An Motivation mangelt es dem Sommeracher nicht. Mindestens einmal im Jahr besucht er Tansania und macht dabei eindringliche Erfahrungen. „Es gibt Krankenhäuser, die haben wirklich kein einziges Schmerzmittel“, so Kunath. Kaiserschnitte und Operationen würden demnach ohne Narkose durchgeführt. „Wenn ich Kopfschmerzen habe, nehme ich eine Aspirin. Das ist für die Menschen dort unvorstellbar“, beschreibt Kunath die Lage.

Umso wichtiger ist ihm eine strukturierte Vorgehensweise vor Ort. Dass diese ohne die Hilfe von Ehrenamtlichen und Spendengebern nicht möglich wäre, weiß Kunath. Er ist viel in Deutschland unterwegs, wirbt für die Organisation und hatte beispielsweise beim G7-Treffen in München einen Infostand für das Medikamentenhilfswerk. Dabei gewinnt er mehr und mehr den Eindruck, dass ehrenamtliche Unterstützung nicht mehr selbstverständlich ist. „Es gibt kaum noch Leute, die sich langfristig an Hilfswerke oder Organisationen binden. Das hat sich in den letzten zehn Jahren leider deutlich verringert.“

Dennoch ist Gerhard Kunath zuversichtlich und will sich weiterhin in Tansania für eine bessere medizinische Versorgung einsetzen. „Wir können mit wenig Geld vieles dort verbessern“, fordert er und appelliert an die Vernunft der privilegierten Gesellschaft: „Wenn wir ein bisschen abgeben würden, müssten wir unseren Lebensstil noch nicht einmal ändern. Aber es gäbe dort viele Menschen, denen es besser ginge, die weniger Schmerzen hätten.“

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