GNODSTADT

Stürmischer Beifall für den roten Markus in Gnodstadt

Scharfzüngig und selbstironisch war die Rede von Markus Rinderspacher zum Tag des Bieres in Gnodstadt. Wie der SPD-Politiker sich und Andere aufs Korn nam.
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Stürmischer Beifall für den roten Markus in Gnodstadt
(noh) „Die Welt hat ich verändert,“ sagte Brauereichef Sebastian Rank bei der Begrüßung zum Tag des Bieres in Gnodstadt. Stimmt: Noch nie hat ein SPD-Politiker beim Düll reden dürfen, am Freitagabend jedoch bekam der rote Markus (Rinderspacher) stürmischen Beifall – auch für seine Spitzen gegen den schwarzen Markus (Söder), „den Prinz Charles der CSU“. Rinderspacher, Oppositionsführer im Bayerischen Landtag, hielt eine scharfzüngige Rede, machte sich über sich selbst lustig und verriet dabei, was seine bisher schlimmste Wahlniederlage war: „Wir sind da ja in Bayern leidgeprüft. Aber dass mein Kollege Volkmar Halbleib von den Frauen der Fraktion zum 'Mister SPD' gewählt worden ist, das verziehe ich ihm nie“. Es wurde viel gelacht im gut gefüllten Saal, wo Bier, Bratwürste und Leberkäs guten Absatz fanden. Als der rote Markus dann noch die Rodheimer Musikanten dirigierte, war der Abend rund - Wiederholung nicht ausgeschlossen. Foto: Foto: Daniel Peter

„Die Welt hat ich verändert,“ sagte Brauereichef Sebastian Rank bei der Begrüßung zum Tag des Bieres in Gnodstadt, gemünzt auf Terroranschläge, Donald Trump oder Nordkoreas Atombomben.

Stimmt auch lokal: Noch nie hat ein SPD-Politiker im Brauereigasthof Düll reden dürfen, am Freitagabend jedoch bekam der rote Markus (Rinderspacher) stürmischen Beifall – auch für seine Spitzen gegen den schwarzen Markus (Söder), den Ministerpräsidenten im Wartestand, „den Prinz Charles der CSU“.

Die schlimmste Niederlage

Rinderspacher, Oppositionsführer im Bayerischen Landtag, hielt eine scharfzüngige Rede und machte sich auch über sich selbst lustig. Er verriet etwa, was seine bisher schlimmste Wahlniederlage war: „Wir sind da ja in Bayern wirklich leidgeprüft. Aber dass mein Kollege Volkmar Halbleib von den Frauen der Fraktion zum 'Mister Landtag' gewählt worden ist, das verziehe ich ihm nie“.

Es wurde viel gelacht im gut gefüllten Saal, wo Bier, Bratwürste und Leberkäs reichlich Absatz fanden. Etwa, als Rinderspacher zum Diesel-Skandal anmerkte: „Dobrindt ist verantwortlich für Gesetze, die Rußwolken erzeugen so schwarz wie seine Seele.“ Rinderspacher ist Münchner, dennoch kritisiert er, wie viel Geld die Staatsregierung in den „Hitzekessel“ pumpt: „Jeden Monat ziehen 2300 Menschen dort hin. In zehn Jahren so viele, wie Würzburg und Regensburg zusammen. Richtig wäre, Franken und andere Regionen zu fördern, massiv gegenzusteuern“.

Fränkische Wurzeln

Rinderspacher unterstrich seine fränkischen Wurzeln: Seine Mutter stammt aus Feuchtwangen, seine Schwester lebt in Nürnberg – neben den Söders. „Die Kinder sind sogar befreundet.“ Nur um den Heimatminister als Nachfolger zu verhindern, sei Seehofer nochmals angetreten. „Hü und hott, wie immer. Vor kurzem war Merkel für ihn noch für die 'Herrschaft des Unrechts' verantwortlich, jetzt ist sie seine Kanzlerin“.

Gut drauf war Gastgeber Rank, der den neuen Ministerpräsidenten als „gute Wahl“ bezeichnete und für seinen Versprecher – gemeint war Bundespräsident Steinmeier – tosenden Applaus bekam. Rank verwies darauf, wie selbst kleinste Brauereien mit der Flaschen-Wiederverwertung ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten. „Wenn sich Frau Weisgerber feiern lässt, dass sie Pfand für Weinflaschen verhindert hat, kann ich nur sagen: Ökologisch ist sie da auf einer Line mit Donald Trump.“

Ein roter Farbtupfer

Volkmar Halbleib hofft, dass SPD-Politiker künftig öfters in Gnodstadt reden dürfen, es „der „Beginn einer guten Tradition“ ist. Der Landtagsabgeordnete aus Ochsenfurt hatte Rinderspacher dorthin gelotst. „Wir nehmen die Herausforderung an, dass der Gasthof Schwarzer Adler einen kräftigen roten Farbtupfer bekommt.“

Landrätin Tamara Bischof dankte für die Einladung und dafür „dass ich reden darf“: Ein Seitenhieb Richtung Otto Hünnerkopf, denn genau daran hatte sich 2013 der Streit zwischen Rank und dem CSU-Kreischef entzündet. Bischof sagte zu Rinderspacher: „Ich bin gespannt. Bis jetzt habe ich sie ja nur bei Fastnacht in Franken getroffen, dort waren Sie wegen ihrer Verkleidung kaum zu erkennen.“

Härtetest bestanden

Als der rote Markus zu später Stunde die Rodheimer Musiker dirigierte, war das Urteil eindeutig: Härtetest bestanden! „Ich hoffe jetzt nur, dass Sie keine Wetten abschließen, wie lange ich noch im Amt bin“, so Rinderspacher. Schließlich hätten Monika Hohlmeier, Georg Fahrenschon und Christine Haderthauer kurz vor oder nach ihrem Auftritt in Gnodstadt ihre Ministerposten verloren.
 

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