Kitzingen

Streit eskaliert: Betrunkener zieht Ex-Freundin an den Haaren

Wegen Körperverletzung und Beleidigung stand ein 21-Jähriger vor Gericht. Zunächst gab er sich wortkarg. Mit den Zuschauern der Verhandlung hat er wohl nicht gerechnet.
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Weil er seine Ex-Partnerin an den Haaren zog und ihr an Brüste und Gesäß fasste, muss ein 21-Jährige jetzt gemeinnützige Arbeit leisten (Symbolfoto). Foto: Oliver Berg

Wenige Monate bevor der 21-Jährige seine Bekannte im Vollrausch beleidigte, sie an den Haaren zog und begrapschte, waren sie noch ein Paar. Zumindest so etwas in der Art. Denn diese Beziehung sei ohnehin immer "eine unklare Sache" gewesen, erklärte der Angeklagte vor dem Amtsgericht Kitzingen. Die Straftaten räumte der junge Erwachsene gleich zu Beginn der Verhandlung. Körperverletzung und Beleidigung hat ihm die Staatsanwaltschaft zur Last gelegt. Nur zu den näheren Umständen wollte er erst nicht mit der Sprache rausrücken. 

Seine Wortkargkeit mag etwas damit zu tun gehabt haben, dass die Zuschauerreihen voll besetzt waren. Rund 20 Schüler saßen im Gerichtssaal und lauschten der Befragung des 21-Jährigen. Und als die Richterin die Frage stellte, wer denn den Angeklagten kenne, schnellten einige Hände nach oben. Reiner Zufall. Die Klasse wusste vorher nicht, wer auf der Anklagebank sitzen würde. Es handelte sich um eine öffentliche Sitzung, also waren der Richterin die Hände gebunden. 

Der Angeklagte fühlte sich provoziert

"Jetzt haben Sie Gelegenheit, den Sachverhalt zu erklären. Eine andere Chance gibt es danach nicht mehr", ermutigte der Verteidiger den 21-Jährigen, sich trotz der Zuschauer zu erklären. Damit er sich kurz mit seinem Mandanten unter vier Augen unterhalten kann, gab es eine kleine Unterbrechung. Während der Pause leerte sich der Raum deutlich. Die Klasse ist freiwillig gegangen. Und tatsächlich gab sich der Angeklagte nun gesprächiger. 

Schon tagsüber ist es im August 2018 zu Ärger zwischen ihm und der Geschädigten gekommen. Er sei mit Freunden unterwegs gewesen, erzählte der Angeklagte. Die Jacke eines Kumpels und Medikamente, die ihm gehörten, lagen noch im Auto der 19-Jährigen. Mehrfach haben sie sich im Laufe des Tages treffen wollen, doch jedes Mal sei die Geschädigte nicht am vereinbarten Treffpunkt aufgetaucht. Der 21-Jährige wertete das als Provokationsversuch. Und er habe sich dann auch "aufgeregt, dass sie uns so rumscheucht".

Angeklagter muss 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten

In der Nacht kam es dann zum Zusammentreffen. Zu diesem Zeitpunkt habe er "eine ganze Flasche Jägermeister" getrunken und könne sich daher nicht mehr an viel erinnern, erklärte der Angeklagte. "Sein Zeug" wollte er da immer noch zurück. Die Ex-Freundin sei vor ihm davon gelaufen. "Mit der Begründung, dass es nichts bringt, mit mir zu reden." Auch habe sie ihm gesagt, dass er sie nicht anfassen solle. Dann habe er "die Kontrolle" verloren, sagte der 21-Jährige. Seitdem habe er mehrfach versucht, sich zu entschuldigen. 

Die 19-Jährige bestätigte die Ereignisse soweit. Das Verhältnis zwischen ihr und dem Angeklagten sei mittlerweile "okay". Man habe sich ausgesprochen. Sie wolle auch nicht, dass er bestraft werde, sagte sie auf Nachfrage der Richterin. Seine Beteuerungen, dass er so etwas nie wieder machen werde, glaube sie ihm allerdings nicht. Letztlich hat das Gericht das Verfahren unter der Auflage eingestellt, das der 21-Jährige 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leistet. Der junge Erwachsene hat derzeit keinen Job. 

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