LANDKREIS KT/WILLANZHEIM

Stoßgebete Richtung Himmel

Zu wenig Regen in den letzten Wochen: Die Aussichten der Landwirte im Landkreis Kitzingen sind durchwachsen. Dabei fing alles so gut an.

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Pressegespräch in würdigem Rahmen: Im Kuhstall der Familie Ackermann in Willanzheim diskutieren Wilfried Distler, Christian Ackermann mit Lebensgefährtin Janike von Schierbrandt, Alois Kraus, Thomas Karl, Gerd Düll, Ernst Drobek und Helmut Schmidt. Foto: Fotos: RAlf Dieter
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Pressegespräch im Kuhstall: Der Bauernverband hat nach Willanzheim eingeladen, Christian Ackermann hat zwei Biertischgarnituren direkt in seinem Stall aufgebaut. Das richtige Ambiente, um sich über die Landwirtschaft im Allgemeinen und die Erntesituation im Jahr 2019 im Besonderen zu unterhalten.

Kein Wort fällt an diesem Vormittag häufiger als der Begriff „Niederschlag“. Vom Regen hängt nun mal (fast) alles ab in der Landwirtschaft. „Jeder weiß, dass es in den letzten Wochen viel zu trocken war“, sagt BBV-Obmann Alois Kraus. Zwei Hitzewellen hat es gegeben, Temperaturen über 30 Grad haben dafür gesorgt, dass alle Bestände gelitten haben. „Und immer noch leiden“, wie Helmut Schmidt ergänzt. Die paar Regentropfen, die am Mittwochnachmittag im Landkreis heruntergekommen sind, haben daran nichts geändert.

Dabei fing alles so gut an. In den Wintermonaten haben sich die Bestände richtig gut entwickelt. „Die Wintergerste ist sogar im Februar gewachsen“, erinnert sich Ernst Drobek, langjähriger BBV-Ortsobmann von Willanzheim. „Das war der Wahnsinn.“ Normalerweise sprießen die Winterkulturen deutlich später. „Der warme Winter war in diesem Jahr deshalb alles andere als ein Schaden“, erklärt Thomas Karl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Kitzingen. Und so konnten die Sommerfrüchte wie Weizen oder Sommergerste auch schon Ende Februar gesät werden. „Unter guten Bedingungen.“

Ende März kamen die Sonnenblumen und Zuckerrüben dran. Und als es im April und Mai durchschnittlich rund 100 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter gab, sprachen die Landwirte von einem Segen für die Kulturen. „Die Bestände haben sich sehr üppig entwickelt“, erinnert Thomas Karl, während Alois Kraus unkt: „Ohne diese Niederschläge hätte eine Missernte gedroht, wie wir sie seit 1976 nicht mehr erlebt haben.“

Bis vor zwei Wochen hatten die Landwirte in der Region richtig Freude an diesem Erntejahrgang. Dann kam die Trockenheit.

„Der warme Winter war alles andere als ein Schaden.“
Thomas Karl, Amt für Landwirtschaft

„Und die Hoffnungen haben sich in Luft aufgelöst“, so Kraus. Eine Folge der trocken-heißen Tage: Die Zuckerrüben „schlafen“ und der Mais rollt seine Blätter ein. „Dabei bildet der Mais jetzt seine Kolben aus und ist dringend auf Wasser angewiesen“, sagt der Geschäftsführer des BBV in Kitzingen, Wilfried Distler.

Ändert sich wenig an der Großwetterlage, sieht Alois Kraus schwarze Wolken am Erntehorizont. „Ohne Wasser geht es mit den späten Kulturen total in die Hose“, befürchtet er und blickt in die Anfänge seiner Berufslaufbahn zurück. Vor 35 Jahren gab es auch schon Sorgen und Nöte, aber das Thema Trockenheit sei keines gewesen. „Seit 2003 steht es ganz oben auf der Agenda“, sagt er.

Was die Landwirte gegen diese Bedrohung tun können? Achselzucken am Tisch. Eine Bewässerung, wie in den Weinbergen oder den Sonderkulturen, lohne sich auf den großen Flächen nicht. „Zumal wir gar nicht genug Wasser hätten“, wie Kraus zu bedenken gibt. Eine Wasser sparende Bodenbearbeitung sei in Frankens Landwirtschaft seit Jahrzehnten gang und gäbe, versichert Distler. Bleibt nur noch eine Umstellung des Sortenspektrums auf Pflanzen wie Hirse oder Roggen, die besser mit trockenen Standorten zurecht kommen. „Aber das ist gar nicht so einfach, wie es in der Theorie klingt“, warnt Düll. Vieles wird bereits ausprobiert, der Anbau von Klee oder Luzerne statt Gras als Futtermittel hat sich bereits bewährt. „Aber wir müssen natürlich auch den Markt im Blick behalten.“ Die Landwirte zwischen Biebelried und Geiselwind sind längst Teil des Weltmarktes, abhängig von den Entwicklungen in Russland und in Übersee. „Russland und die Ukraine investieren eine Menge Geld in die Landwirtschaft“, weiß Gerd Düll. Im letzten Jahr waren die Erntebedingungen dort vergleichsweise günstig. Die Folge: Die Preise für die hiesigen Waren gingen auf Talfahrt. Im März/April dieses Jahres dann die Trendwende. In den USA hat es viel geregnet, die Landwirte dort konnten ihre Felder teilweise gar nicht bestellen. Die Preise stiegen wieder. „Im Moment hat sich der Markt beruhigt“, sagt Düll und hofft, dass die Preise nicht wieder auf Talfahrt gehen, wenn die Ernte in Osteuropa ansteht. Im Moment wird im Landkreis die Wintergerste gedroschen. Die Erträge bezeichnet Ernst Drobek als „zufriedenstellend.“ Auf jeden Fall sind sie wesentlich besser als im letzten Jahr. Wie es mit den folgenden Kulturen wie Sommergerste, Dinkel oder Roggen und den Spätfrüchten wie Mais oder Zuckerrübe aussieht, könne man derzeit noch nicht verlässlich vorhersagen. Entscheidendes Kriterium sind – wen würde es jetzt noch wundern – die Niederschlagsmengen in den kommenden Tagen und Wochen.

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