Kitzingen
Entlassungen

Stellenabbau bei Fehrer trifft die ganze Region

Abgesehen von den Einzelschicksalen wird der Verlust der 500 Arbeitsplätze bei der Kitzinger Firma Fehrer Folgen für die ganze Region haben: Handwerk, Einzelhandel und Gastronomie leben schließlich von den Ausgaben dieser Arbeitnehmer.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Proteste bei Fehrer dauern an. Die geplanten Entlassungen hätten auf die gesamte Region fatale Folgen.  Foto: Archiv
Die Proteste bei Fehrer dauern an. Die geplanten Entlassungen hätten auf die gesamte Region fatale Folgen. Foto: Archiv
+1 Bild
Kein Zweifel: 500 Arbeitsplätze, 500 Familien, 500 Einzelschicksale - die geplanten Stellenstreichungen bei der Firma Fehrer werden dramatische Folgen haben. Doch die Auswirkungen könnten noch weit darüber hinaus gehen: Die verschiedensten Branchen werden davon betroffen sein - da sind sich die Verantwortlichen schon jetzt sicher.

Kreishandwerksmeister Michael Bissert sieht zwar nicht ganz so schwarz - schließlich habe das Handwerk in den letzten vier Jahren ebenfalls einen Beschäftigungsrückgang durchlaufen. "Das ist niemandem so richtig aufgefallen, da der Übergang schleichend war." 5169 Beschäftigte Ende 2012 stehen da 5620 Anfang 2009 gegenüber. Die Gefahr, dass der Mittelstand so langsam wegbricht sieht er nicht. Er erwartet eher eine Umverteilung.
"Bestimmt sind einige Handwerker in die Industrie gewechselt?! Vielleicht kommen die jetzt wieder zurück...", mutmaßt Bissert.

Mitarbeiter in der Region halten

Wer allerdings ohne Job dasteht und kein Geld verdient, kann auch nichts ausgeben - das sieht auch Michael Bissert als Problem. "Wer kein festes Einkommen hat, kann sich keine Eigentumswohnung oder ein Haus leisten, und das betrifft dann natürlich auch das Handwerk."

Grundsätzlich drückt er den Mitarbeitern der Firma Fehrer die Daumen. "Ich hoffe, dass der Stellenabbau nicht so stark wie geplant stattfindet." Er hat kein Verständnis dafür, dass die Autohersteller Bonuszahlungen von bis zu 8000 Euro an ihre Mitarbeiter auszahlen und gleichzeitig die Zulieferfirmen wie Fehrer im Preis drücken. Die seien dann gezwungen, ihre Fertigung ins Ausland zu verlagern. "Wir im Handwerk können unsere Arbeitsplätze bei regionalen oder nationalen wirtschaftlichen Krisen auch nicht in andere Regionen oder ins Ausland verlagern", erklärt Bissert. "Das Handwerk ist immer nahe am Kunden, und die hiesige Industrie wäre gut beraten, ihre Mitarbeiter auch hier in der Region zu halten."

Das wäre auch für den Einzelhandel in Kitzingen von Vorteil - so weit denkt Manfred Beck im Moment allerdings noch nicht. "Ich möchte mich jetzt noch gar nicht beschweren, schließlich haben die Fehrer-Leute gerade mit ganz anderen Problemen zu kämpfen", erklärt der Einzelhandelsprecher. Klar sei aber auch: "Wer nichts einnimmt, kann nichts ausgeben." Hiobsbotschaften, die in der Vergangenheit aus Richtung Fehrer kamen, habe er immer schlecht beurteilen können, im Moment sei die Lage wohl aber sehr kritisch.

Gute geografische Lage

"Es bleibt zu hoffen, dass die Mitarbeiter schnell wieder etwas finden, sollten sie wirklich entlassen werden." Ansonsten würde ein großer Kundenstamm für den Kitzinger Einzelhandel wegbrechen. Das sei mit dem Abzug der Amerikaner vor gar nicht allzu langer Zeit ja schon einmal passiert - die Folgen wie zum Beispiel etliche Leerstände in der Innenstadt sind bekannt.

Die Konversion sieht Manfred Beck aber als Chance für die Stadt, sich weiterzuentwickeln - eine Chance, die aus seiner Sicht und in Zusammenarbeit mit Investoren wie Bernhard Beck zum Vorteil Kitzingens genutzt werden kann. Allerdings kämen Nachrichten wie die von der teilweisen Schließung des Produktionszweiges bei Fehrer bei anderen Unternehmen wahrscheinlich auch nicht besonders gut an. "Eigentlich ist die Lage ja ganz gut", erklärt Manfred Beck. "Solche Negativschlagzeilen können aber dem Ruf der Stadt schaden."

Michael Seufert, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes kann sich jedenfalls gut vorstellen, dass die Gastronomen im Landkreis solche Einschnitte wie die möglichen Entlassungen bei Fehrer zu spüren bekommen. "Mal zum Essen zu gehen wird für viele dann vielleicht schon nicht mehr möglich sein", erklärt Seufert, der in Iphofen selbst ein Gasthaus betreibt.

Aber nicht nur die betroffenen Fehrerianer werden sich zurückhalten. "Generell ist bei solchen Ereignissen zu bemerken, dass sich viele Leute, die jetzt nicht direkt betroffen sind, Sorgen machen. Finanzkrise, Entlassungen... alles das setzt sich zunehmend in den Köpfen fest und die Menschen werden zurückhaltender, wenn es ums Geld ausgeben geht."
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren