LANDKREIS KITZINGEN

Starke Truppe: 700 junge Retter

Beim Ringen gegen den Mitgliederschwund setzen die Feuerwehren auf die Jugend. Und im Kreis Kitzingen auch auf Minis. Die in den Kinderfeuerwehren.
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Bei einer Fortbildung der Kitzinger Jugendfeuerwehren testeten die Jugendfeuerwehrler Lars und Eva den neuen Schaumlöschtrainer. Foto: Foto: Daniela rÖLLINGER

Das Ehrenamt schwächelt – auch bei den Rettern von der Feuerwehr. Die wirbt deshalb um neue Einsatzkräfte und setzt vor allem auf die Jugend. Der Nachwuchs ist im Landkreis Kitzingen mit 700 Jugendfeuerwehrlern (darunter 223 Frauen) auch gut aufgestellt. Allerdings: Die Zahlen sinken kontinuierlich seit 2011. Eine Entwicklung. der die Verantwortlichen mit Imagekampagnen begegnen – und mit Kinderfeuerwehren.

Nachwuchs-Retter sind im Kommen

Die Besatzung für die roten Einsatzwagen ist in manchen Orten nicht so einfach zu kriegen, wie in früheren Zeiten. Viele Leute arbeiten nicht mehr im Wohnort. Und wenn dann die Sirene heult, ist mancher Aktive einfach nicht da. Schon deshalb sagt Kreisbrandrat Roland Eckert: „Wir brauchen jede Menge Jugendfeuerwehr.“ Und das auf allen Positionen, ob als Fahrer oder als Führungskraft im Einsatz.

Die Rekrutierung der Nachwuchs-Retter läuft: Im Bezirk Unterfranken gibt es inzwischen 703 Jugendfeuerwehren, so viele wie noch nie, so Thomas Grimmer, Kreis- und Bezirksjugendwart. Fast 6800 Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren steckten 2015 im Nachwuchskader. Die junge Truppe stärkt den Einsatzpool der Aktiven.

Schwerstarbeit mit dem Atemschutz

Und es kommt unterfrankenweit nicht gerade wenig nach: 1357 Nachwuchsleute meldeten sich laut Grimmer 2015 bei den Jugendfeuerwehren an, im gleichen Jahr wechselten von dort 766 junge Leute in die aktive Wehr. Eine extrem wichtige Verstärkung, wie Eckert betont.

Gerade junge, fitte und gut ausgebildete Leute würden für den Einsatz mit Atemschutzgeräten gebraucht: „Mit das Gefährlichste, was wir im Angebot haben“, betonte der Kreisbrandrat. Wer mit den bis zu 25 Kilo schweren Geräten in ein verrauchtes Haus reingehe, müsse absolut leistungsfähig sein: „Das ist körperliche Schwerstarbeit.“

Zwölf Kinderfeuerwehren

Das ist allerdings keine Aufgabe für Jugendfeuerwehren. Der Mitglieder werde zwar an ihre späteren Aufgaben bei Löschen und Retten herangeführt, dürfen allerdings erst ab 16 mit ausrücken, wie Grimmer betont – und dann nur außerhalb von gefährlichen Einsatzbereichen mit Hand anlegen: „Wir sind aber froh um jeden, der da ist.“

Weil der Nachwuchs möglichst früh für die Tätigkeit der Brandretter begeistert werden soll, gibt es im Landkreis zwölf Kinderfeuerwehren. Vorbild seien die Volkacher gewesen. Die gründeten 1999 eine der ersten Kinderfeuerwehren (sieben bis 12 Jahre) in Bayern. Die anfangs belächelte Minitruppe sei inzwischen anerkannt und „vorbildlich“ aufgestellt, so Grimmer.

Grillen, basteln und der Notruf

Zwölf Feuerwehrkinder sind in Grimmers Heimattruppe, in Hörblach. Die würden langsam an die Feuerwehr herangeführt, mit einer mehr spielerischen Ausbildung, Grillen, oder Basteln – und natürlich wissen die Feuerwehrleute von morgen irgendwann auch, wie man einen Notruf absetzt.

„Man muss alle Sachen ausprobieren, um Nachwuchs zu kriegen“, sagt Grimmer. Dazu gehörten sowohl Image-Kampagnen wie die „Ich bin dabei – wo bleibst du?“ wie auch Aktionen, beispielsweise das 24-Stunden-Schwimmen in Iphofen. Die Volkacher setzen sogar ganz niedrig an. Da bekamen kürzlich die Eltern von Neugeborenen Rauchmelder geschenkt. Das habe zwei Väter inspiriert, mit dem Eintritt in die Wehr zu liebäugeln, so Pressesprecher Moritz Hornung.

Gesucht sind auch Quereinsteiger

Die Volkacher sehen sich mit solchen Aktionen und dem Versuch, nicht nur Jugendliche, sondern auch Quereinsteiger in die Truppe zu bekommen, auf dem richtigen Weg. Die Zahl der Aktiven ist mit 15 Neuzugängen deutlich gestiegen – gegen den rückläufigen Trend. Der hat laut Eckert noch keine negativen Auswirkungen. Es gebe rund 4000 Aktive in 103 Feuerwehren: „Wenn wir die Zahl halten, sind wir gut.“

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