KITZINGEN

Starke Frauen auf allen Ebenen

Statt „Ladies first“ kamen bei der Frauen Union zuerst die Männer an die Reihe. Zur 50-Jahre-Jubiläumsfeier mischte sich eine Handvoll Herren unters weibliche Publikum.
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Kreisvorsitzende Doris Paul (links) kürte Marion Seib zum Ehrenmitglied beim 50-jährigen Jubiläum des Kreisverbandes der Frauen Union.
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Bei den Begrüßungen an einem großen Festabend gilt in der Regel „Ladies first“. Nicht so, wenn die Frauen Union (FU) feiert. Kreisvorsitzende Doris Paul begrüßte am Freitagabend ausdrücklich erst die männlichen Gäste zur 50-Jahre-Jubiläumsfeier.

Denn es war gerade eine Handvoll Herren, die sich unter das weibliche Publikum gemischt hatte. Umso hochkarätiger waren die Reihen der Damen besetzt: amtierende und ehemalige Abgeordnete und langjährige verdiente Mitglieder saßen in den ersten Reihen.

50 Jahre Engagement

Doris Paul bedankte sich vor allem bei Letzteren für ihr großes Engagement in den vergangenen 50 Jahren. Allen voran hob sie Gründungsmitglied Ruth Bauer hervor, die sich als Vorsitzende über Jahrzehnte für die Ziele der Frauen eingesetzt hatte. Außerdem bei Marion Seib, die nicht nur Kreis- und Bezirksvorsitzende war, sondern auch einige Zeit im Bundestag gesessen hatte.

In die Lobeshymnen reihte sich auch die Festrednerin des Abends ein: Landtagspräsidentin Barbara Stamm war gekommen und hatte über die Arbeit der Kitzinger Frauen nur Gutes zu berichten. Viele gemeinsame Geschichten habe es in den letzten Jahrzehnten gegeben. „Ich könnte stundenlang mit Ruth Bauer Erinnerungen austauschen“, schmunzelte sie. Was Frauen in der Politik in den letzten 50 Jahren bewirkt hätten, sei beeindruckend.

Stamm verteidigt Betreuungsgeld

Die FU sei in ihren Zielen immer ein Stück weiter gewesen als die Gesamtpartei. So habe sie mit Franz Josef Strauß anno dazumal schon über Erziehungszeiten gestritten, als das in der Politik eigentlich noch kein Thema war. Stamm brach eine Lanze für die Erfolge der CSU der vergangenen Jahre und stellte dabei unter anderem das Betreuungsgeld heraus. Sie verteidigte die umstrittene bayerische Sonderregelung. Das Geld sei keine „Herdprämie“, vielmehr sei dieser Begriff eine Diffamierung.

Den Kindern, die zu Hause betreut würden, würden Liebe, Geborgenheit und gemeinsame Zeit vermittelt. Es müsse möglich sein, diese Werte in der Gesellschaft vertreten zu können, so Stamm. Den engagierten Frauen in Kitzingen wünschte sie, dass sie weiterhin zusammenhalten, denn nur dann seien sie stark.

Glückwünsche zum Geburtstag gab es auch vom einzigen männlichen Redner. Landtagsabgeordneter Otto Hünnerkopf lobte vor allem die Arbeit von Ruth Bauer und Marion Seib im Kreistag und betonte, dass von 22 Kreistagsabgeordneten der CSU acht Frauen seien.

„Politik ist die Grundlage unseres Lebens“

Ruth Bauer und Marion Seib blickten auf die 50 Jahre zurück, die der Kreisverband nun besteht. „Politik ist die Grundlage unseres Lebens“, erklärte Bauer. Deshalb seien ihre Ämter ihr nie eine Last gewesen. Ihr Rat: Jeder solle nur so viel machen, wie er verkraften kann.

Marion Seib zeigt, warum sie über viele Jahrzehnte ein erfolgreiche Politikerin gewesen ist: Sie legte mit großem rhetorischem Schwung dar, dass sie viele Grundlagen in der FU gelernt habe um später erfolgreich zu sein. „Wir leben in hochpolitischen Zeiten, schaffen es aber nicht, die Leute in die Parteien zu bringen“, bedauerte sie. Und sie forderte auf, Populisten nicht nachzulaufen, sondern sich ihnen mit Argumenten in den Weg zu stellen.

FU-Bezirksvorsitzende Anja Weißgerber, die von der Klimakonferenz in Marrakesch gekommen war, erklärte, dass ohne Frauen kein Staat zu machen sei. Die FU habe auf allen politischen Ebenen viel erreicht, deshalb sei es umso wichtiger, weiter Frauen in die Politik zu bringen. Eine, die auf dem besten Weg dahin ist, ist Sabrina Stemplowsky. Sie nimmt am Mentoring Programm der FU teil und zeigte sich beeindruckt von ihren Vorreiterinnen.

Einige diese Vorreiterinnen wurden für ihre langjährige Mitgliedschaft geehrt. Eine ganz besondere Ehrung erhielt Marion Seib: Die Vorsitzende Doris Paul ernannte sie zum Ehrenmitglied des Kreisverbandes.

Geehrt wurden außerdem für 30 Jahre Mitgliedschaft Ingrid Wende und Marlies Heinlein. Für 20 Jahre Maria Preißner, Ruth Zink, Maria Stadtelmeyer, Irene Hünnerkopf, Ellinor Fehlbaum, Marianne Herrlein und Theresia Then. Für 15 Jahre Martina Michel und Monika Zeyer-Müller und für zehn Jahre Jane Thomas.

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