KITZINGEN/WÜRZBURG

Staatsarchiv: Standort dringend gesucht

Wuchernde Natur ist seit 1997 Herr über den Deustergarten in Kitzingen. OB Siegfried Müller sieht gute Chancen, dass sich das ändert - mit dem Neubau des Staatsarchivs
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Wucherndes Unkraut hat den Kitzinger Deustergarten erobert, der seit 1997 brach liegt und seither ein Friedhof für viele Projekte war – vom Wohngebiet über Fachmärkte, Senioreneinrichtungen und Hotel bis hin zur Mehrzweckhalle. Seit Kitzingen aber als neuer Standort für das Staatsarchiv im Gespräch ist und der Deustergarten – hier mit Blick zum Deusterturm – als einer von drei Standorten, hofft die Stadt auf ein Happy End. Foto: Foto: Meyer

Im März 2015 hatte Heimatminister Markus Söder den geplanten Umzug des Staatsarchives aus fürstbischöflicher Residenz und Festung Marienberg auf die Kitzinger Konversionsflächen verkündet. Dies sollte im Rahmen der vom Freistaat geplanten Behördenverlagerungen geschehen.

Über 2600 Unterschriften gegen eine Verlagerung

In Würzburg, und nicht nur dort, hatten diese Pläne für Proteste gesorgt. Zu den zahlreichen Kritikern gehörten neben Oppositionspolitikern und Studentenvertretern auch der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare. Er hatte über 2600 Unterschriften dagegen gesammelt und an das Wissenschaftsministerium übergeben. Das Würzburger Staatsarchiv nach Kitzingen zu verlegen, würden für viele Studierende der Geisteswissenschaften bedeuten, für Recherchen pendeln zu müssen, es war gar von einer Zerschlagung des Archivstandortes Würzburg die Rede. Doch des Ministers Wort hatte Bestand.

In Kitzingen allerdings freute man sich verständlicher Weise. Doch noch läuft dort die Suche nach einem Stadtort. Im Gespräch ist derzeit auch das einstige „Filetstück“ Deustergarten. Der Neubau des Staatsarchivs, könnte auf dem 1,9 Hektar großen Gelände errichtet werden. Könnte. Die Konkurrenzstandorte im Innopark und in der Ex-US-Wohnsiedlung Marshall Heights sind noch im Rennen, so Kitzingens OB Siegfried Müller gegenüber der Kitzinger Redaktion der Main-Post.

8500 Quadratmeter werden gebraucht

Beim Wettbewerb der drei Standorte um das Staatsarchiv ist laut Müller die Frage einer Umnutzung bestehender Gebäude – ein 620 Meter langer Bau im Innopark war mal im Gespräch – vom Tisch. Es gehe inzwischen ausschließlich um einen Neubau. Und der braucht nach den Vorgaben des zuständigen Finanzministeriums eine Menge Fläche: 8500 Quadratmeter inklusive Außenanlagen.

Es geht um die wirtschaftlichste Lösung

Weil gut 23 000 laufende Meter an beschrifteten Zeugen der Vergangenheit ein Riesengebäude brauchen, dreht sich die Standortsuche in erster Linie ums Geld: „Es geht um die wirtschaftlichste Lösung“, betonte Oberbürgermeister Müller. Dies sei zuletzt in einem Gespräch miot Vertretern des Staatlichen Bauamts Würzburg und der Obersten Baubehörde bestätigt worden.

Erster Schritt sei ein Gutachten zum jeweiligen Wert der angebotenen Grundstücke gewesen. Die Preise würden in der Bewertung der Obersten Baubehörde Eingang finden. Die Wirtschaftlichkeit gehe letztlich mit 80 Prozent in das Entscheidungsverfahren ein, 20 Prozent seien eine Frage der jeweiligen Standortvorteile.

Der Standort macht die Extrapunkte

Gerade beim Deustergarten rechnet sich Müller die entscheidenden Extrapunkte aus. Das Areal an der Nordtangente sei von Würzburg aus gut erreichbar, liege besonders nahe an der Innenstadt und auch die Nähe zu Linien des öffentlichen Nahverkehrs gehöre zu den Vorteilen des verwaisten Geländes.

Stadt will Archiv-Nachbar werden

Falls das zum Standort für das Staatsarchiv mit seinen 17 Beschäftigten gekürt wird, gibt es laut OB Müller einen städtebaulichen Wettbewerb zur Gestaltung des Areals. Schließlich wolle die Stadt sich mit den Restflächen an den Bau des Archivs „angliedern“. Dabei gehe es sowohl um eine Grünanlage, als auch um Pendlerparkplätze.

Der Einsatz der Stadt für den Standort gerade am Deustergarten iast mit Blick auf die Historie dieser Fläche verständlich: Seit Kitzingen das parkähnliche Gelände rund um das Haus der Familie Deuster 1997 – dem Bau der Nordtangente zuliebe – für 2,5 Millionen Euro gekauft werden musste, liegt das einst als besonderes Immobilien-Juwel hochgelobte Gelände brach.

Ladenhüter im Immobilienregal

Alle Versuche, den Ladenhüter im städtischen Immobilienregal loszuwerden, scheiterten bisher. Als Baugebiet war das Areal eine Pleite, Fachmärkte, Seniorenwohnungen, ein Biergarten, ein Bürgerpark oder zuletzt eine Mehrzweckhalle scheiterten – zumeist am Stadtrat. Nur die Natur ist hier erfolgreich: Fast jeder Quadratmeter des einstigen Gartens ist inzwischen wild wuchernde Natur. Mit offensichtlich sehr vielen Blüten, wie die Bienenstöcke zeigen, die im Gelände stehen.

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