DIE WOCHE

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Der Sport gilt als unberechenbare Menschheitsdisziplin. Immer wieder kommt es zu krassen Fehleinschätzungen. Aber das geht nicht nur uns Journalisten so.
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Die Woche

Seit ich Journalist bin, wird mir eine Frage immer wieder gestellt: Was gibt es Neues? Antworte ich dann mit: Nix, und bei dir?, sind die Leute oft enttäuscht. Wenn man zuweilen auch an der Seriosität unserer Quellen zweifelt, traut man uns Journalisten doch offenbar zu, immer und überall Neues zu erfahren. Dabei ist längst nicht alles, was uns anvertraut wird, dafür gedacht, es weiterzutragen auf die Marktplätze.

Viele Dinge, die mir erzählt werden, tauchen nie in der Zeitung auf, weil dies entweder von vorneherein Bedingung des Gesprächs war, oder weil während des Gesprächs intime Details bekannt werden, die meinen Gesprächspartner in heikle Situationen brächten.

Auch ein anderes Phänomen ist weit verbreitet. Es wird gern in den Standardsatz gefasst: Das müsst ihr doch wissen! Wer wird der neue Trainer bei Verein A, wer schießt am Samstag die Tore bei Klub B und wer gewinnt das Lokalderby in Liga C? Es gibt ja die schöne Branchenweisheit: Ein Journalist ist jemand, der vorher sagt, wie etwas ausgeht, und hinterher erklärt, weshalb es anders gekommen ist.

Nun, Fakt ist: Auch wir Journalisten haben kein privilegiertes Verhältnis zur Wahrheit. Das mag manchen enttäuschen – weil er hofft, von uns ein Stückchen dieser verrückten, teils entrückten Welt erklärt zu bekommen, im Großen wie im Kleinen.

Weil er sich Antworten erwartet auf die Frage, was da neuerdings um ihn herum geschieht. Ich muss manchmal schmunzeln, wenn es mal wieder einer dieser selbst ernannten Experten ins Fernsehen geschafft hat – und es gibt heute kein Thema, zu dem sich nicht irgendein Experte fände – und fast hypnotisch versucht, die eigene Propaganda zu stärken. Einige Wochen später hört man dann denselben Experten zum gleichen Thema im anderen Sender sprechen und ihn just das Gegenteil erzählen. So war es beim Brexit und der US-Wahl.

So ist es auch beim Sport, dieser unberechenbaren Menschheitsdisziplin, die seit jeher und in schöner Regelmäßigkeit alle noch so ab- und ausgewogenen Prognosen über den Haufen wirft. Nur zu gerne liest man auch in dieser Zeitung von Favoriten und Außenseitern. Nur, was will der Autor uns sagen mit solchen Vergleichen?

Dass auch ein Kleiner mal gegen einen Großen gewinnen kann? Oder doch eher dass es in der Geschichte der Menschheit immer schon zu krassen Fehleinschätzungen gekommen ist? Goliath drohte David: „Ich werde dich den Vögeln und den wilden Tieren zum Fressen geben!“ Wie es ausging, ist bekannt.

Es gibt heute einige Goliaths auf der Welt, die sich für die Größten halten und für unfehlbar. Wenn Sie meine unbedeutende Ansicht als Journalist dazu hören wollen: Auch sie werden irgendwann an ihrem Größenwahn scheitern.

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