HANDBALL: BEZIRKSOBERLIGA FRAUEN

Wie Volkach die Enttäuschung verarbeitet

Nach der verpassten Meisterschaft finden die Volkacherinnen die angemessene Reaktion: gemeinsam trauern, gemeinsam feiern. „Einfach nur geil“, sagt Trainer Mahler.
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Die Sicht von Volkachs Trainer Peter Mahler nach der verpassten Meisterschaft? „Die Mannschaft ist einfach nur geil.“ Foto: Foto: Jürgen Sterzbach

Letzter Spieltag in der Handball-Bezirksoberliga Frauen, der Tabellenzweite empfängt bei einem Punkt Rückstand den Tabellenführer MHV Schweinfurt 09: Der Spielplan hätte den Handballerinnen der HSG Volkach ein echtes Endspiel um den Titel beschert. Und dann das: Vergangenes Wochenende strauchelten sie beim TV Großlangheim. In letzter Minute kassierten sie das Gegentor zur 19:20-Niederlage. Aus und vorbei der Traum vom „Endspiel“, und vom möglichen Aufstieg.

Bitter ist das alles – oder wie HSG-Trainer Peter Mahler sagt: „Beschissen.“ Zumal es nicht zum ersten Mal passierte. In seinen sechs Jahren als Trainer „sind wir jetzt viermal Vizemeister geworden“. Er fühle sich ein wenig erinnert an den Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen, den Spötter einst umbenannten in „Vize-kusen“, weil er es immer bloß zum Vizemeister gebracht hatte, zum ewigen Zweiten.

Er sei ja einiges gewohnt, sagt Mahler mit Blick auf eine Situation vor drei Jahren. Damals habe seine Mannschaft gegen einen vermeintlich schwächeren Rivalen den Sieg verspielt, durch einen direkten Freiwurftreffer in letzter Sekunde. „Und am Ende der Runde fehlte uns dann ein Punkt.“

Diesmal hatte Volkachs Trainer vor dem Rückspiel bei Angstgegner Großlangheim gewarnt, zumal die Seinen bereits bei dem mit 23:22 gerade so gewonnenen Hinspiel einige Probleme mit dem Gegner gehabt hatten. Damals öffnete erst der fatale Patzer einer Großlangheimer Spielerin Sekunden vor dem Ende das Tor zu Volkachs Sieg. Woran es vergangenen Samstag gelegen habe? War Mahlers Mädels bereits das Duell eine Woche später mit Schweinfurt im Kopf herumgespukt? Vielleicht. Ein richtig gutes Spiel sei die Partie beim Dritten in Großlangheim gewesen, der Gegner habe alles gegeben. „Wir ließen zu viele Chancen liegen. Das war so was von brutal.“

Fatale letzte Sekunden

Seine Spielerinnen seien fahrig gewesen, hätten „gezappelt“, das habe man beim Torabschluss gesehen, erzählt Mahler. Vor dem Tor riefen sie ihre Qualität nicht wie gewohnt ab. Unter zwanzig Tore zu werfen, das sei halt zu wenig. Was auch an Großlangheims überragender Torhüterin Elisabeth Schiffmeyer gelegen habe. Dabei hatte Mahler seinen Spielerinnen zwei Minuten vor Schluss beim Stand von 19:19 während einer Auszeit mitgegeben, sie sollten kein Risiko mehr gehen und den Punkt mitnehmen – der reiche. Ein Ballverlust etwa vierzig Sekunden vor dem Ende brachte Großlangheim aber wieder in Vorteil, Volkach bekam zwar noch eine Gelegenheit, vergab aber fünf Sekunden vor dem Ende völlig frei vom Kreis. Schluss, aus, Titelchancen dahin.

Manche Träne sei bei den Spielerinnen danach geflossen. „Die Mannschaft ist einfach nur geil. Man hat gemerkt, wie weh es getan hat. Aber es kamen keine Schuldzuweisungen. Sie haben zusammen getrauert und später den Frust gemeinsam weg gefeiert.“ Die Niederlage habe die Spielerinnen die nächsten Tage noch beschäftigt – „so, wie es sein soll. Das muss ein bisschen nachwirken, so etwas prägt“, sagt Mahler, und er hofft auf den Lerneffekt und eine Trotzreaktion.

Ein Lob für den Rivalen

Ob seine Mädels gegen den MHV Schweinfurt den Sieg geschafft hätten, nachdem sie in der Vorrunde dort unentschieden gespielt hatten? Schwer zu sagen, sagt Mahler. Er lobt die in dieser Saison bislang unbezwungenen Schweinfurterinnen für ihren geradlinigen Stil. „Sie spielen, was sie können, verfallen nicht in Hektik und spulen ihr Programm ab.“ Zum Abschluss wünscht er sich noch einmal einen spannenden Vergleich – auch wenn die Luft raus sei. Das Spiel findet übrigens in Gerolzhofen statt.

Für die Volkacherinnen hat sich diesmal die leidige Frage nach Aufstieg oder nicht von selbst geregelt. Mahler ist in dieser Frage gespalten. Würde seine Mannschaft regelmäßiger in voller Stärke trainieren können, wäre auch in der Landesliga etwas möglich. Seine Zukunft als Trainer lässt er offen, eigentlich wollte er sowieso „kürzer treten, dazu brauche ich nicht unbedingt einen Meistertitel“. An anderer Stelle sagt er: „Wir werden nächstes Jahr wieder angreifen. Ist doch klar.“

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