FUSSBALL

WFV sucht dringend neuen Boss

Aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen verzichtet Michael Freudenberger auf eine zweite Amtsperiode. Die Suche nach einem Nachfolger läuft.
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Der bisherige WFV-Boss Michael Freudenberger tritt nicht mehr zur Wahl an. Im Amt des Vorstandsvorsitzenden ist er offiziell trotzdem weiter, weil es (noch) keinen Nachfolger gibt. Foto: Foto: Fabian Frühwirth

Wo anfangen, bei einem so stolzen Fußballverein wie dem Würzburger FV, der ständig den Spagat hinbekommen muss zwischen Anspruch und Wirklichkeit? Zwischen ruhmreicher Vergangenheit, unrühmlicher Tiefpunkte und spürbarem Aufbruch. Zwischen chronisch klammen Kassen und ständig aufkommenden Begehrlichkeiten. Zwischen leistungsorientiertem Fußball und freizeitorientiertem Breitensport.

Vielleicht beim dringlichsten Problem: der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden. Michael Freudenberger, der das Amt vor gut zwei Jahren von Georg Rosenthal übernommen hat, hatte im Frühjahr intern angekündigt, dass er aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen kein zweites Mal antreten wird. Seitdem ist man beim Traditionsklub aus der Zellerau auf der Suche nach einem führenden Kopf. „Dieser Verein“, sagt Freudenberger, „hat die besondere Würze. Er ist bodenständig, familiär und kernig.“

Bei allem Stress sieht der 48-Jährige auch die Vorzüge seines Engagements: „Durch dieses Amt habe ich viele Menschen kennengelernt und Gespräche geführt, die mir sonst verschlossen geblieben wären. Es war eine intensive, vor allem aber interessante Zeit, in der wir gemeinsam vieles bewegen konnten.“ Freudenberger ist offiziell weiter im Amt, weil es (noch) keinen Nachfolger gibt. Wenn es dabei bliebe, hätte das für den Ein-Abteilungsbetrieb namens WFV, dessen Mitgliederzahl um beachtliche 600 herum schwankt, schon eine gewisse Dramatik.

Eine Heimat für Zellerau-Kinder

Die Zeit drängt, schließlich soll zeitnah die Generalversammlung einberufen werden, in der die Mitglieder einen neuen Vorstand wählen. Mit dem Finanzexperten Roland Metz fällt eine weitere Regie führende Kraft weg – aus ähnlichen Gründen wie der fast gleichaltrige Freudenberger. Metz hat sich im Zahlenwerk, aber auch in vielen anderen Bereichen in den letzten fast 30 Jahren verdient gemacht. „Finanziell sind die Dinge geregelt, auch wenn der Etat immer wieder auf Kante genäht werden muss“, sagt Metz, der weiterhin im Hintergrund mithelfen möchte. Markus Amman, ein früherer WFV-Spieler, der seit dem Ende seiner aktiven Zeit den Verein in vielfacher Weise unterstützt, ergänzt: „Wir haben in den letzten Jahren solide gewirtschaftet und nie über unsere Verhältnisse gelebt.

“ Die Verhältnisse seien dennoch kleiner geworden. Und die langfristigen Verbindlichkeiten nach einem deutlichen Rückgang in den vergangenen beiden Jahren zuletzt wieder größer. Sie betragen aktuell rund 300 000 Euro. Ein Grund: Im Winter wurden die Sanitärräume endlich aufwendig saniert.

Da schon vor einiger Zeit eine Umschuldung mit der Sparkasse stattgefunden hat, sind die Rückzahlungen nicht zuletzt aufgrund des Niedrigzinsumfelds gut zu stemmen. Dennoch sollte der neue WFV-Chef den Nachfolgeklub des FV 04 Würzburg nicht nur vernünftig nach außen repräsentieren, sondern auch ein Händchen im „Löcherstopfen“ haben. Die nächste Baustelle steht nämlich schon quer bei Fuß: der Zaun zur Mainaustraße muss erneuert werden.

„Hinter den Vorständen stehen solide Teams, die gut funktionieren“, weiß Jochen Bähr, der den WFV-Verwaltungsrat leitet. Auch der Jugendvorstand Oliver Heilmann und Harald Breunig (Vorstand Liegenschaften) bleiben dem Verein in verantwortlicher Rolle erhalten. Dazu soll der bisherige Sportdirektor Martin Lang einen neuen, auf ihn zugeschnittenen Vorstandsposten übernehmen; der Fanbeauftragte Uwe Röhrig will seine Finanzexpertise künftig stärker einbringen.

Aber hinter dem Vorsitzenden, bei dem die Fäden künftig zusammenlaufen sollen, steht noch immer: Nomen nominandum, N.N. – zu Deutsch: Der Name ist an dieser Stelle einzusetzen. Dieses Problem hat der WFV, dessen Aushängeschild das Bayernligateam ist, nicht exklusiv. Wenn einer gebraucht wird, der den Hut aufsetzt, dann bewegt sich landauf landab bei Mitgliederversammlungen häufig: niemand.

Beim Klub von der Mainaustraße ist eine funktionierende Führung allein schon deshalb wichtig, weil der WFV für manchen Erwachsenen, vor allem aber für unzählige Kinder und Jugendliche zu einer echten Heimat in dem zwar stark aufstrebenden, aber von der Sozialstruktur nach wie vor eher schwachen Würzburger Stadtteil geworden ist. „Unser Nachwuchskonzept kann sich definitiv sehen lassen, nicht zuletzt, was das Niveau angeht“, sagt Amann, der früher selbst eine Zeitlang diesen Bereich verantwortet hat. Manchmal könne man sogar keine Talente mehr aufnehmen, weil die Kapazitäten erschöpft seien.

Dahingehend bahnt sich eine nachhaltige Lösung an: eine Fusion mit dem benachbarten SV 09 Würzburg. Jüngst war eine Delegation beider Vereine im Rathaus bei Christian Schuchardt vorstellig. Der Oberbürgermeister präferiert solche Zusammenschlüsse – und würde wohl auch in diesem Fall sein Mögliches tun. Über kurz oder lang wäre zudem eine Kooperation mit der Fußballabteilung der ungleich breiter aufgestellten DJK Würzburg, beheimatet an der Frankfurter Straße, denkbar, zumindest im Nachwuchsbereich. Noch aber ist das Zukunftsmusik.

Zweite Mannschaft abgemeldet

Die Realität bringt beim WFV noch manches Unheil mit sich. So sahen sich die Verantwortlichen kürzlich dazu gezwungen, die zweite Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb abzumelden. Sie kickte zuletzt ohnehin nur noch im hinteren Feld der Kreisliga, die Diskrepanz zur Bayernliga war demnach hoch. Dem Vernehmen nach sei die Motivation vieler Spieler für diese Klasse gering gewesen, die Verletzungsgefahr hoch, genau wie der Frustfaktor. Jedenfalls hagelte es in der abgelaufenen Saison zahlreiche Platzverweise. Nun hat der WFV vorübergehend die Reißleine gezogen – mit der Konsequenz, dass die Spieler, die den Sprung in den Bayernliga-Kader nicht schaffen, erst einmal woandershin wechseln müssen.

Zusätzlich spart der Verein durch diesen Schritt einen stattlichen Betrag ein.

Diese ungünstige Konstellation könnte sich durch eine Fusion mit dem SV 09 Würzburg verbessern. Denn dann gäbe es wieder eine zweite, womöglich sogar eine dritte Mannschaft. Allerdings spielte der SV 09 in der vergangenen Saison in der A-Klasse gegen den Abstieg . . . Natürlich haben bei der Fusionsfrage – wie bei anderen eingetragenen Vereinen auch – die Mitglieder das letzte Wort, genau wie bei der Neubesetzung der Vorstandsposten. Eine eigene fußballerische Vergangenheit als Spieler ist übrigens keine Voraussetzung für den Vorsitz beim WFV. Freudenberger und Rosenthal haben sie auch nicht.

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