FUßBALL-MEISTER (III): KREISKLASSE WÜRZBURG 2

Vom Unvollendeten zum Dominator

Titelträger gibt es in einer Saison viele. Der SV Sonderhofen ist einer von ihnen, aber ein ganz besonderer.
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Ein Bild mit Symbolcharakter. Patrick Reuß und der 22-malige Torschütze Björn Seubert (rechts) feiern einen Treffer des souveränen Kreisklassen-Meisters SV Sonderhofen. Foto: Foto: Alexander Rausch

Kein Kraut war in dieser Saison gegen die Dominanz des SV Sonderhofen gewachsen. Ungeschlagen marschierte der neue Titelträger und kommende Kreisligist durch die Liga und ließ sich dabei auch von Rückschlägen nicht beirren. Damit holten die Schützlinge von Uwe Göb eindrucksvoll nach, was sie in der Vorsaison – lange Zeit greifbar – auf der Zielgerade verspielt hatten.

Der Meistersekt schien im vergangen Winter bereits kaltgestellt. Erste Kapitel der Meistergeschichte schienen schon geschrieben. Zu dominant war der damalige Absteiger aus Sonderhofen unter Neu-Trainer Uwe Göb in der ersten Halbserie aufgetreten. Bei nur einer Niederlage hatten die Blauweißen mit acht Zählern Vorsprung unangefochten an der Tabellenspitze gethront. Vieles deutete auf die direkte Rückkehr in die Kreisliga hin. Doch die Sonderhöfer hatten die Rechnung ohne Verfolger FV Stadtschwarzach-Schwarzenau, der zum damaligen Zeitpunkt eigentlich keiner war, und dem unvorhersehbaren Einbruch ihrer eigenen Leistungen gemacht.

So holten die Schwarzacher Punkt um Punkt auf und schickten die Göb-Elf letztlich in die Relegation, in der die Sonderhöfer in der ersten Runde am SV Bergtheim scheiterten. Der vermeintlichen Meistergeschichte fehlten somit die entscheidenden Kapitel. Auch der Sekt wurde wieder ungeöffnet aus dem Kühlschrank geholt. Doch statt sich lange zu grämen, starteten die Blauweißen einen neuen Anlauf. „Wir wollten oben mitspielen. Die Relegation war für uns eher ein Bonbon. Mit Schwarzach ist damals die beste Mannschaft aufgestiegen“, blickt Sonderhofens Übungsleiter Uwe Göb zurück auf eine tolle Saison mit eigentlich enttäuschendem Ausgang.

Nachwirken sollte der verpasste Aufstieg aber tatsächlich nicht. Denn auch in der Punkterunde 2016/17 dauerte es nur wenige Spieltage, bis die Göb-Elf wieder ganz oben stand. Gegen Bütthard und Sommerhausen zeigte der Vizemeister bereits in den ersten Partien, dass wieder mit ihm zu rechnen ist. Auch der euphorisierte Aufsteiger aus Gelchsheim oder Dauerlokalrivale Hopferstadt mussten die Klasse der Sonderhöfer anerkennen, die im Vorfeld der Saison nur an einer Stellschraube gedreht hatten. Nämlich an der des Stoßstürmers, den fortan der ehemalige Riedenheimer Björn Seubert gab und seine Klasse mit 22 Treffern eindrucksvoll unter Beweis stellte.

„Er hat von Beginn an perfekt zu uns gepasst, sowohl menschlich als auch fußballerisch“, schwärmt Göb vom Sommerneuzugang, ohne ihn aus seinem homogenen Mannschaftskonstrukt hervorheben zu wollen.

Dennoch hat der Stoßstürmer eine starke Sonderhöfer Mannschaft durch seine Qualitäten noch unberechenbarer gemacht. Dies führte dazu, dass es vor der Winterpause nur drei Konkurrenten gelang, in Form eines Unentschiedens dem enteilten Tabellenführer Punkte abzuluchsen. Erneut hatten sich bis zur Winterpause alle Kontrahenten die Zähne ausgebissen. Wie im Vorjahr saßen die Sonderhöfer mit deutlichem Vorsprung auf dem Meisterthron. Doch diesmal ließ sich die Göb-Elf die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Zu konstant waren diesmal ihre Auftritte, zu gering die personelle Ausfallquote. „Wir haben nahezu jede Woche unsere Leistungen abgerufen und hatten kaum Ausschläge nach unten. Zudem blieben wir weitestgehend von Verletzungen verschont“, nennt der Übungsleiter die Hauptgründe für den letztlich deutlichen Titelgewinn.

Denn bereits vier Spieltage vor Rundenende wollten die Blauweißen die Sektkorken knallen lassen, wurden jedoch nochmals kurzzeitig ausgebremst. Ausgerechnet im Meisterspiel schaffte es der Gegner aus Marktbreit und Martinsheim nicht, eine Mannschaft zu stellen, und zerstörte damit die Meisterfeier. „Wir haben dann das Beste aus der Situation gemacht und ein Trainingsspiel angesetzt. Richtiger Wettbewerb wäre natürlich schöner gewesen“, war die ausgefallene Partie der einzige Wermutstopfen in einer ansonsten herausragenden Saison.

Den Sonderhöfern gelang es nämlich, die gesamte Spielzeit ohne Liganiederlage zu bleiben. Ein Kunststück mit Seltenheitswert – zumindest im Aktivenbereich, wie auch Göb weiß: „So eine Runde werden die Burschen nicht mehr erleben. In der Jugend kommt es sicher öfter mal vor, unbesiegt zu bleiben, aber bei den Erwachsenen ist es schon etwas Besonderes.“ Ein Husarenritt für die eigenen Geschichtsbücher, denen die blauweißen Kicker in der kommenden Saison nun ein weiteres Kreisliga-Kapitel hinzufügen. Auch eine Stufe höher – dann wieder mit Simon Karl, der aus Kitzingen zurückkehrt – traut Göb seinen Schützlingen das eine oder andere Ausrufezeichen zu.

Der Nimbus der Unbesiegbarkeit wird aber wohl früher oder später fallen. Solange es am Ende zum Klassenerhalt reicht, nimmt der Übungsleiter aus Niederstetten das aber gerne in Kauf.

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