VOLLEYBALL: BAYERNLIGA MÄNNER

Volkach findet seinen Meister

Nach mehr als neun Monaten verliert Volkach mal wieder ein Spiel. Grund zur Sorge ist das nicht beim mit allen Wassern gewaschenen Tabellenführer.
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Ausgerutscht: Peter Moritz und Volkachs Volleyballer kassieren ihre erste Niederlage, kommen aber rasch wieder auf die Beine. Foto: Foto: Michael Bauer
Bayernliga Nord Männer
 
TV Faulbach – SC Memmelsdorf 0:3  
VC Eltmann II – CVJM Arzberg 3:0  
VfL Volkach – TSV Lengfeld 2:3  
TSV Lengfeld – TV Mömlingen 2:3  
TSV Neunkirchen a.B. – VfL Volkach 1:3  
 
1. (1.) VfL Volkach 9 8 1 26 : 10 24  
2. (2.) BSV Bayreuth 7 6 1 20 : 10 17  
3. (4.) VC Eltmann II 8 5 3 20 : 11 17  
4. (5.) TSV Lengfeld 9 5 4 18 : 17 15  
5. (3.) VC Amberg 7 5 2 17 : 9 14  
6. (6.) SC Memmelsdorf 8 5 3 18 : 13 14  
7. (7.) TV Mömlingen 8 4 4 16 : 16 11  
8. (8.) CVJM Arzberg 9 2 7 7 : 22 6  
9. (9.) TV Faulbach 9 1 8 11 : 24 5  
10. (10.) TSV Neunkirchen a.B. 8 0 8 3 : 24 0  

Und so weiter, und so weiter: Wieder sah alles so aus, als erführe die unbeschwerte Party eine Fortsetzung – als gehe dieses Wintermärchen gar nicht mehr zu Ende. Noch einmal eroberte der VfL Volkach am Tag nach seinem 3:1-Sieg (26:24, 16:25, 11:25, 21:25) in Neunkirchen die Herzen der Anhänger im Sturm. Noch einmal brandete in eigener Halle die Welle der Begeisterung, als die Mannschaft gegen den TSV Lengfeld einen ersten Satz raushaute, der als Verheißung gelten konnte. Doch am Ende hatte dieses Team tatsächlich mal wieder ein Spiel verloren. Ein Team, das schon nicht mehr zu wissen schien, wie sich Misserfolg anfühlte, weil seine letzte Niederlage mehr als ein Dreivierteljahr zurücklag.

„Natürlich wächst der Druck. Du bist nicht mehr so locker.“
Raimund Wagenhäuser zur Volkacher Siegesserie

Würde das nun immer so weitergehen. Seit Sonntag ist klar: Nein, geht es nicht. Volkach unterlag Lengfeld mit 2:3 (25:17, 19:25, 25:22, 15:25, 14:16) – und Raimund Wagenhäuser stellte beiläufig wie ein nach der Uhrzeit befragter Spaziergänger fest: „Es gab Spiele, da hatten wir Glück. Diesmal hatten wir halt Pech.“ Er, der als Trainer das Innenleben dieser Mannschaft besser als jeder andere kennt, weiß, dass Niederlagen nicht zur Regel werden dürften – nicht für dieses Team, nicht in der Bayernliga, die der VfL ja nach oben verlassen möchte.

Trotz der ersten Saisonniederlage stehen die Chancen weiter gut. „Ich sehe Bayreuth als Favorit“, sagt Wagenhäuser unbeirrt, wenn man ihn auf die Perspektiven in dieser Runde anspricht. Aber reif für den Titel, das ist auch ihm bewusst, wären auch seine Schützlinge.

Diese Mannschaft, die seit anderthalb Monaten die Liga anführt, ist in ihrer Substanz eine Wucht. Sie spielt seit Jahren in nahezu identischer Besetzung – das Grundgerüst ist von der E-Jugend erhalten –, sie vertraut sich, sie glaubt an sich. „Sie weiß“, sagt der Coach, „dass sie jedes Spiel noch drehen kann.“ So etwas lernt man nicht während der Woche im Training, das wächst mit der Zeit – mit jedem engen nervenzehrenden Spiel, das man gewinnt oder im Zweifel verliert.

Andererseits: Je erfolgreicher die Mannschaft spielt, umso schmaler wird der Grat, auf dem sie wandelt. Raimund Wagenhäuser hat das nach der ersten Saisonniederlage so formuliert: „Wir haben sehr viel Selbstvertrauen, aber natürlich wächst auch der Druck. Du kannst nicht mehr so locker spielen.“ Diese Balance zu halten wird im neuen Jahr entscheidend sein, wenn es in kurzer Folge gegen die Konkurrenten aus Eltmann, Bayreuth und Amberg geht.

In seiner dritten Bayernliga-Saison hat sich Volkach vom unscheinbaren Jäger zum populären Gejagten entwickelt. Wo immer die Mannschaft aufkreuzt, steht sie als Tabellenführer im grellen Rampenlicht und trifft einen Herausforderer, der alles daran setzt, ihr die Show zu stehlen. Das hat man erst am Samstag in Neunkirchen wie-der gut beobachten können. Der Tabellenletzte bot nach eigenen Angaben sein „bestes Saisonspiel“.

Wagenhäuser erlebte einen Gegner, der „absolut motiviert“ war, und zog daraus den Schluss: „In dieser Liga habe ich kein leichtes Spiel.“ Der Trainer hatte sein Team gewarnt – und doch verlor es den ersten Satz, weil es ihm im Angriff noch an Widerstandskraft mangelte. Erst in der Folge baute Volkach Druck auf und sprengte das Spiel des Gegners mit der Wucht eines Schlagbohrers.

Tags darauf schien es vor rund 200 entfesselten Zuschauern so weiterzugehen. Lengfeld hatte dem Favoriten im ersten Satz nur wenig entgegenzusetzen. Das 25:17 war eine Demonstration der Volkacher Stärke. Danach aber gelang es dem VfL immer seltener, das Publikum mit seiner schwerelosen Spielkunst zu bezirzen; zumal Lengfeld über sich hinauswuchs und mit dem Löwenmut des Außenseiters kämpfte.

Wieder und wieder schaffte es der von einer forschen Fan-Gruppe begleitete Gast, in die Schnittstellen des Volkacher Blocks zu spielen. Der VfL bekam die Mitte nicht dicht, sei-ne zentralen Blocker Florian Reif und Tim Schumacher hatten vielfach das Nachsehen. So verlor Volkach neben dem zweiten auch den vierten Satz, und im Tiebreak waren die Gastgeber zwar zunächst mit 5:1 vorgeprescht, aber die Lengfelder scheuten auch in dieser entscheidenden Phase das Risiko nicht und trauten sich zu, dem Favoriten ein gleichwertiger Gegner zu sein.

Am Ende stand ein Ergebnis, das den Titelkampf wieder spannend gemacht hat.

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