FUSSBALL: BEZIRKSLIGA WEST

Viel Spaß mit der grauen Maus

Die FG Marktbreit/Martinsheim kommt nicht über Mittelmaß hinaus – und findet Gefallen daran. Trainer Jäger erklärt, warum die Bezirksliga die ideale Klasse ist.
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Auch im sechsten Jahr in Marktbreit kann Spielertrainer Tobias Jäger noch lächeln. Foto: Foto: Hans Will

Es gibt ein Tierchen, das die Situation eines Klubs wie der FG Marktbreit/Martinsheim ganz gut widerspiegelt, und das ist: die graue Maus. Sieben Punkte in sieben Spielen – das ist solides Mittelmaß, zum Aufsteigen zu wenig, zum Absteigen zu viel. Mancher würde sagen: langweilig. Doch damit braucht man Tobias Jäger nicht zu kommen.

„Die Bezirksliga“, sagt der 36-jährige Spielertrainer der ersten Mannschaft, „ist das absolute Niveau, auf dem wir uns sehen.“ Ein Ausbruch nach oben oder unten ist nicht gewünscht, und vielleicht es ganz gut, dass es der Verein vor fast sechzehn Monaten nicht in die Landesliga geschafft hat, als die Tür einen Spalt breit offen stand. Die FG ist damals erst in der Relegation gescheitert.

Immer schwingt nach so einem Ereignis die Frage mit: Was wäre gewesen, wenn . . ., wie hätten sich Verein und Mannschaft entwickelt, wäre im Sommer 2016 tatsächlich der Einzug in die Landesliga gelungen? Der Fußball-Gemeinschaft hätte im zwölften Jahr nach ihrer Gründung wohl eine Richtungsdebatte gedroht: das Team mit Spielern von außerhalb aufrüsten oder sang- und klanglos untergehen? Dies ist Marktbreit erspart geblieben, und glaubt man Jäger, dann wird sich die Frage auch nicht mehr so schnell stellen.

„Das Jahr mit der Relegation ist für uns perfekt gelaufen. Wir sind auf einer Welle geschwommen. Aber man muss den Kader und Gesamtverein im Blick haben. Der Verein muss sehr viel tun, um zwei Mannschaften im Spielbetrieb zu halten: die eine in der Bezirksliga und die andere in der Kreisklasse.“

Personell auf dünnem Eis

Noch immer bezieht die FGM den Großteil ihres Personals aus der eigenen Talentschmiede; als einer der wenigen Klubs im Kreis leisten sich die Marktbreiter noch eine eigenständige A-Jugend. Ihr sind Spieler wie Daniel Endres oder Adam Jabiri entwachsen, der eine für den TSV Abtswind in der Landesliga am Ball, der andere kurzzeitig als Halbprofi für Kickers Würzburg im Einsatz gewesen, nun wieder bei Regionalligist FC Schweinfurt 05 aktiv.

„Den Großteil der jungen Leute konnten wir halten“, sagt Jäger, und das sei einer der Gründe, dass er auch im sechsten Jahr noch Lust auf seine Aufgabe in Marktbreit spüre. Ein anderer: Die Leute sind selbst mit Spaß und Engagement bei der Sache. Beim Training etwa könne er auf „90 bis 95 Prozent“ seines Personals zählen. Das ist umso wichtiger, als Jäger im Kader zwar „viel Qualität“ weiß, aber eben nur eine begrenzte Zahl an Spielern.

Jäger nennt die Zahl 14 – und klingt wie ein verwegener Abenteurer: „Wir bewegen uns personell auf ganz dünnem Eis.“

Um sich über Wasser zu halten, benötigt Jäger also jeden Mann und das am besten in Höchstform. Körperlich sei die Mannschaft nach der gelungenen Vorbereitung in guter Form, aber auch die Fleißigsten leiden bisweilen unter Stimmungsschwankungen. Ein Stürmer wie Rainer Radlinger: außer Form. Sein Kollege Lawrence Uwalaka: von Muskelproblemen geplagt. So ist der reaktivierte Julian Dennerlein zum Hoffnungsträger geworden, der vier der bisher sieben Tore erzielt hat.

Zu großer Konstanz hat es Marktbreit in dieser Saison noch nicht gebracht: 0:4 gegen Frammersbach, 3:0 in Keilberg, 0:3 gegen Neuhütten/Wiesthal. Für den Außenstehenden ergibt sich daraus kein System – ein Insider wie Jäger aber erkennt in diesen Wirren den „Trend, dass die Mannschaft zusammenhält und eng zusammengerückt ist“. Das gilt auch für die zweite Mannschaft, die sich mit dem neuen Trainer Daniel Hack in der Kreisklasse ganz oben eingerichtet hat und zur Not auch mal Spieler an die erste Gar-de abgibt.

Verflixtes siebtes Jahr

Wohin es für Jäger und seine Truppe im verflixten siebten Bezirksliga-Jahr gehen wird, zeigen vielleicht schon die nächsten Spiele in Schweinheim und gegen Bayern Kitzingen. Mit zwei Siegen fände sich Marktbreit vorerst auf der sicheren Seite. Doch den Trainer beschleichen nicht erst nach der Niederlage gegen Neuhütten düstere Gedanken: „Wir betreiben viel Aufwand und belohnen uns nicht. Es bleibt zu wenig Ertrag.“

So ersichtlich die Abschlussschwäche ist, so diffus sind die Gründe dafür. Sie habe nichts damit zu tun, dass die Offensive zu schwach sei. Und auf den Abgang von Stürmer Daniel Endres nach Abtswind will Jäger die Misere nicht reduziert wissen. Sein Verlust wiege zwar schwer, „aber er hat letzte Saison nicht den Unterschied gemacht“.

Jäger muss sich in Marktbreit nicht sorgen um zu großen Druck. Im Verein könne man gut einschätzen, was möglich sei und was nicht. „Wichtig ist, dass wir nicht wahnsinnige Ziele ausgeben, sondern die Ruhe bewahren und bodenständig bleiben“, sagt er. Manchmal kann auch eine graue Maus ein ganz possierliches Tierchen sein.

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