FUSSBALL: KREISKLASSE 2 WÜRZBURG

Tumulte um einen tobenden Trainer

Operation gelungen, Patient wohlauf? Ganz so einfach ist es nicht. Denn neben einem schwer verletzten Sommerhäuser Spieler gibt es auch einen Trainerrücktritt.
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Fußball

Das Wichtigste in diesen Tagen ist: Dmitrij Vargun geht es besser, auf einem Foto im Internet sieht man ihn sogar schon wieder lächeln. Das ist – nach allem, was dem Fußballspieler der TSG Sommerhausen widerfahren ist – nicht selbstverständlich. Vergangenen Sonntag war Vargun im Kreisklasse-Spiel beim SV Gelchsheim so unglücklich mit dem Torwart Johannes Behon zusammengeprallt, dass er sich Schien- und Wadenbein brach. Noch am selben Tag wurde er operiert, Mittwoch konnte er die Klinik dann verlassen. „Er hatte großes Glück“, sagt Sommerhausens Klubvorsitzender Elmar Kohl, „dass es ein glatter Bruch war und nicht gesplittert.“

Operation gelungen, Patient wohlauf. Damit hätte die Sache eigentlich erledigt sein können. Doch sie zieht Kreise – und das hängt damit zusammen, dass am Sonntag nicht nur ein Spieler verletzt ins Krankenhaus kam, sondern auch ein Spiel abgebrochen wurde. Nicht wie zuerst gemeldet wegen der Verletzung Varguns, sondern weil es unmittelbar nach dieser Szene zu kurzen heftigen Tumulten auf und neben dem Platz kam. Kohl möchte sich in der Sache gar nicht einlassen. „Es gibt schon genug Unruhe im Verein“, sagt er.

Denn am Sonntagabend ist bei der TSG Trainer Erkut Diker zurückgetreten. Kohl bestreitet, dass es der Verein war, der Diker den Schritt nahegelegt hat. Verständlich wäre es gewesen.

Die Rolle Dikers in diesem kleinen Fußballdrama, das da am Sonntag in Gelchsheim ablief, blieb diffus. Jeder handelte nach dem für ihn vorgesehenen Part. Die einen umsorgten den verletzten Vargun, der große Schmerzen hatte, andere beruhigten die aufgekratzte Menge. Diker irrlichterte in der Szenerie umher – und war irgendwie nicht einzufangen. „Er hatte ein Foul unseres Torwarts gesehen“, sagt Roland Schiffert, der Vorsitzende des SV Gelchsheim.

Schiffert, 50, war früher selbst Torwart. Er kennt Situationen wie diese. „Unser Torhüter geht sechs, sieben Meter vor dem Tor raus und in den Ball rein, und der Stürmer zieht durch. Ein Foul war das nicht.“ Auch Kohl sagt: „Dem Torwart kann man in der Situation keinen Vorwurf machen.“

Diker lief nun, so schildern es Zeugen, schnurstracks auf Schiedsrichter Klaus Lahr zu, schrie mit dem Mann aus Niederstetten und wurde „immer aufgebrachter“, wie Schiffert sagt. „Er hat sich in keinster Weise um seinen Spieler gekümmert, obwohl Ruhe angebrachter gewesen wäre.“ Sommerhäuser Zuschauer versuchten, die Lage zu beruhigen und den Trainer aus der Schusslinie zu ziehen, aber selbst als der Schiedsrichter – flankiert von zwei Ordnern – sicher ins Sportheim und in die Kabine eskortiert war, ließ Diker sich kaum beruhigen.

Schiffert hebt die Besonnenheit anderer Sommerhäuser hervor, doch die Entscheidung des Schiedsrichters stand: Spielabbruch in der 80. Minute. Sommerhausen führte zu dieser Zeit 2:1. Der Fall liegt nun beim Sportgericht. „Wir würden auch eine Neuansetzung akzeptieren“, sagt Gelchsheims Vorsitzender.

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