Kitzingen

Starke Siegerzeit bei Mainfrankentriathlon

Volksfest am Mainkai mit Sambatrommlern und bester Stimmung: In seiner neunten Auflage erlebt der Kitzinger Triathlon einen Sieger, der unter der magischen Grenze bleibt.
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Rund 650 Athleten lockte der neunte Mainfrankentriathlon nach Kitzingen. Nach dem Schwimmen im Main hieß es ab aufs Rad, danach ging es auf die Laufstrecke.

Mehr als 600 Athleten, einige hundert Zuschauer an der Strecke und eine Werbung für Kitzingen: Der 9. Main-Post-Mainfrankentriathlon hat am Samstag das erhoffte Spektakel geboten. Auf der olympischen Distanz über 1670 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen siegt Henry Beck (HSV Weimar) in starken 1:55,59 Stunden vor Hendrik Becker (1:56,42).

Der 32-jährige Thüringer überbietet die Siegerzeit von Jan Diekow (SV 05 Würzburg) aus dem Vorjahr um mehr als fünf Minuten. Schnellste Frau ist Laura Zimmermann (SV 05 Würzburg) als Gesamtsechzehnte in 2:07,52 Stunden. Die Volksdistanz über 600 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen gewinnt Jonas Tischner (TSV Altenfurt) in 55:58 Minuten vor Marco Sahm (Bamberg, 57:37).

Es ist ein großes Volksfest am Main, auch wenn das Ganze mit Verspätung beginnt. Ein größeres Frachtschiff bringt den Zeitplan der Veranstalter zehn Minuten in Verzug. Einige Straßen rund um das Gelände sind zwar gesperrt, nicht aber der Fluss. Schiffe haben Vorrang vor den Triathleten. Als der Kahn das Feld passiert hat, kann es endlich losgehen. Und als die Schwimmer nach 600 Metern dem Wasser entsteigen, werden sie schon empfangen: von einer launigen Menge und einer aufgekratzten Samba-Truppe „Felicidade“ aus Würzburg.

Der ganze Mainkai vibriert unter den Sambatrommeln

Die Damen und Herren in Gelb trommeln, was das Zeug hält, solange bis irgendwann der ganze Mainkai zu vibrieren beginnt. Die Athleten nehmen den Flow dankbar auf. Vor ihnen liegen 20 Kilometer auf dem Rad. Selbst für die Letzten, die den zahmen Fluten des Mains entsteigen, gibt es noch einen freundlichen Tusch der Samba-Combo. Dann, mit einem Mal, ist es wieder ruhig. Die Leute lassen ihre Hunde runter, die sie bei den ersten Trommelwirbeln vorsichtshalber auf den Arm genommen haben. Auf dem Main ziehen die Boote der Wasserwacht lautlos ihre Runden.

Inzwischen sind auch die olympischen Starter ins Wasser gestiegen. Auf dem Mainkai ist Walter Vierrether zu sehen, besser gesagt zu hören. Der Kitzinger Hofrat steht inmitten eines Teils seines angetretenen Hofstaats, eine „hübsche Parade“, wie er die Weinprinzessinnen aus Sulzfeld, Hüttenheim oder Dettelbach vorstellt. Es ist kurz vor 14 Uhr, als die ersten olympischen Schwimmer hinter der alten Mainbrücke zu sehen sind.

Es sieht aus, als habe ein Riese Badeenten zu Wasser gelassen

Von oberhalb der Brücke sieht es so aus, als schaukelten Dutzende gelber Bojen im Wasser hin und her. Oder als hätte ein Riese am Brückenkopf Hunderte von Badeenten zu Wasser gelassen. Der Erste, der ankommt, ist Henry Beck. Mit kräftigen Kraulzügen erreicht er die Wechselzone. Er steigt aus dem Wasser durch das Spalier rot-weißer Tonnen mit dem Symbol des fränkischen Rechens, die drei Steinstufen empor und macht sich flugs auf zu seinem Rennrad.

„Ein Drittel des Triathlons ist hier beendet“, ruft der Streckensprecher. Den 1670 Metern im Main folgen 40 Kilometer auf dem Rad. Sulzfeld, Segnitz, Frickenhausen, Eibelstadt, Lindelbach, Kaltensondheim, Kitzingen, 350 Höhenmeter: Wer als Tourist durch diese Gegend fährt, sieht gelbe Äcker, belaubte Weinberge, aber die Sportler haben keinen Blick für die Reize der Landschaft. „Ich muss mich auf dem Rad festhalten und auf die Strecke konzentrieren“, wird Sieger Henry Beck später sagen.

Jedes Mal, wenn einer durchs Ziel läuft, ertönt ein Piepton der elektronischen Zeitmessung. Irgendwann ist es nur noch ein Dauerton. Fast alle sind mittlerweile aus dem Wasser geklettert. Für die wenigen, die sich noch mühen, ist Dabeisein alles. Einer der Letzten ballt die Faust, ein anderer küsst seine Frau – so viel Zeit muss sein. Für die letzten beiden ist es wie beim Essen in größerer Gesellschaft. Als alle anderen schon fertig sind, richten sich die Augen auf die wenigen, die noch essen. Den Letzten eskortiert ein Helfer der Wasserwacht auf seinem Schwimmboard. Dann gehört das Wasser wieder ganz den Enten.

Einige Verirrte beim Laufen und auf der Radstrecke

Ein „Irrläufer“ rennt durchs Bild. „Falsche Richtung!“, ruft der Streckensprecher. Und: „Hoffentlich hört er uns.“ Er hört ihn. Kurz darauf kehrt der Läufer zurück, in die andere Richtung. Die richtige. Es bleibt nicht der einzige Verirrte. Am Rande der Wechselzone kommen sich Läufer der Volksdistanz und Radfahrer der olympischen in die Quere. Einer stürzt. Und ein Stück weiter unten werden die ersten Radfahrer trotz Streckenposten zunächst auf einen falschen Weg geleitet.

Um 14.15 Uhr erreicht der Erste des Volkswettbewerbs das Ziel: Jonas Tischner. Er reißt die Arme hoch und rennt ins Ziel. Nach ihm trudeln die weiteren Teilnehmer ins Ziel. „An Tagen wie diesen“, spielt der DJ hinter dem Musikpult.

Das Preisgeld ist nicht allzu üppig für einen Profi-Triathleten

Für manche ist es der erste Triathlon ihres Lebens, die meisten aber haben schon Erfahrung. So wie Henry Beck. Er ist schon zum zweiten Mal in Kitzingen – und landet einen Start-Ziel-Sieg. Um 15.35 Uhr erreicht er das Ziel. „Wir sagen herzlich Willkommen“, ruft ihm der Sprecher entgegen. Dann sinkt er erst einmal erschöpft auf eine der Bierbänke. Dann hängt ihm eine der Weinprinzessinnen die Medaille um, die hier jeder kriegt. 250 Euro Preisgeld nimmt Beck mit, nicht die Welt für einen Profi-Triathleten, der von seinem Sport lebt.

Immer mehr kommen nun ins Ziel, begleitet von einigen Regenschauern. Doch die sonnige Stimmung unter den Athleten können sie an diesem Nachmittag nicht verwischen.



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