FUSSBALL: MEISTER (I)

Schwarzacher Überraschungsparty

Der Trainer in Urlaub, kein Sekt kalt gestellt: So unvorbereitet wie Schwarzenau/Stadtschwarzasch ist selten ein Team Meister geworden.
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Schwarzacher Suchbild: Weder den Trainer noch den Meistersekt findet man nach dem unverhofften Titelgewinn in der Szenerie. Foto: Foto: Jürgen Sterzbach
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Wolfgang Schneider war immer auf dem Laufenden. Auch im Urlaub konnte er – dem Internet sei Dank – bequem verfolgen, wie die Fußballer des FV Schwarzenau/Stadtschwarzach sich im Titelrennen der Kreisklasse schlugen. Mit 2:0 gewannen sie Mitte Mai in seiner Abwesenheit gegen den ASV Ippesheim. „Ich habe mich gefreut“, sagt der 54-Jährige, der am vorletzten Spieltag nicht zu Hause an der Linie stand, sondern ein paar sonnige Tage mit der Familie bei Mailand verbrachte. Diese Auszeit war lange geplant. Der Verein wusste davon, noch bevor Schneider letzten Sommer Trainer in Schwarzach wurde. Wer konnte auch ahnen, dass am Abend dieses 16. Mai, einem Pfingstmontag, Außergewöhnliches passieren würde?

Als Schneider später auf die Ergebnisse dieses Spieltags blickte, fiel ihm noch ein anderes Resultat auf: Hinter der Paarung des SV Sonderhofen und des FC Iphofen leuchtete ein 2:4, das konnte nicht sein, dachte der Experte bei sich. Sonderhofen war der ärgste Rivale seiner Mannschaft im Meisterschaftsrennen, Iphofen längst abgestiegen. Nicht nur Schneider beschlichen Zweifel. Auch die eigenen Klubkollegen am Sportgelände in Schwarzenau konnten nicht glauben, was sie da sahen.

Es würde ja bedeuten, dass sie vorzeitig und völlig unvorbereitet Meister wären! Erst als Sonderhofens Trainer – auf Vermittlung unseres Reporters vor Ort – am Handy nicht nur das Ergebnis bestätigte, sondern auch Glückwünsche übermittelte, startete eine Feier, die spontaner nicht hätte sein können. Statt dem üblichen Sekt spritzte Bier – weil kein Schaumwein da war. Zu unwahrscheinlich schien selbst in Schwarzach die Perspektive, das Ziel schon an diesem Spieltag zu erreichen.

Vielleicht hätten sie es ahnen können, ja müssen, denn ganz so unvermittelt kam dieser Patzer des Konkurrenten nicht. Schneider, der das freudige Ereignis „ganz in Ruhe“ genoss, sagt: „Zu der Entwicklung hat neben unserer stabilen Rückrunde die uner-klärliche Phase der Sonderhöfer beigetragen.“ Nur vier ihrer zwölf Spiele nach der Winterpause gewannen die Kicker aus dem Gau, im Schnitt nicht mehr als 1,33 Punkte pro Begegnung. Die Schwarzacher errangen fast doppelt so viele (2,57) und rollten damit das Feld in der Rückrunde von hinten auf. Im Winter hatten sie noch vierzehn Zähler hinter dem Ersten gelegen. „Nie und nimmer“, sagt Schneider, „konnten wir von dieser Position aus noch mit dem ersten Platz rechnen.“

Er blieb Realist – und hielt sich an lieber Platz zwei. Während andere ihre Leichtigkeit verloren, spielte sein Team ohne großen Druck. Schwarzach wurde vom Verfolger zum Jäger, und fünf Spieltage vor Saisonschluss war der Wachwechsel an der Spitze vollzogen.

Schneider brachte ein Projekt zum Erfolg, das von außen betrachtet gar nicht schiefgehen konnte: Da waren ein Triumvirat aus drei ehemals höherklassig verankerten Klubs (Stadtschwarzach, Schwarzenau, Münsterschwarzach), eine beflügelnde Infrastruktur, ein Kader voller Masse und Klasse, verstärkt mit ein paar erfahrenen Neulingen, dazu ein Trainer, der die Mission bei seinem Heimatverein gewiss als Herzensangelegenheit verstehen würde.

Schneider mag dieser Darstellung gar nicht widersprechen, muss aber manches klarstellen. Dass in Münsterschwarzach kurz vor Rundenbeginn ein dritter Partner hinzugekommen sei, habe an seiner Arbeit als Trainer „nicht viel“ geändert: Der Kader des A-Klassisten bot vorrangig Potenzial für die zweite Mannschaft, und dass er Trainer dieser hoffnungsvollen Truppe würde, war keineswegs sicher gewesen.

Nach seinem Abschied bei Bayern Kitzingen wollte der 54-jährige Pädagoge „nicht gleich wieder etwas Neues machen“ – zumal er auch noch als Vorsitzender des SVS amtierte. Als sie ihn trotzdem als Trainer wollten, bestand er darauf, dass für ihn zunächst ein Nachfolger im Vorstand gefunden werde. Und er versicherte sich „hundertprozentiger“ Loyalität nicht nur in Stadtschwarzach, sondern auch in Schwarzenau – „weil ich als Einwohner von Schwarzach keine Lust hatte, gegen Widerstände anzulaufen“. Zu guter Letzt verknüpfte er seine Zusage mit einem gewissen Anspruch an sein mögliches neues Team. „Freizeitspieler zu betreuen und sie zum Training zu motivieren, das lag mir fern“, sagt er.

Für alles gab es irgendwie eine Lösung – und so stürzte sich Schneider vergangenen Sommer in sein mittlerweile drittes Schwarzacher (Trainer-) Abenteuer. 1990 führte er den Verein als Meister in die heutige Kreisklasse, 2003 stieg er mit ihm in die Bezirksliga auf. Jetzt also Kreisliga, ein „erster Schritt“, sagt er, was nahelegt, dass es sich auch hier bloß um ein Etappenziel handelt. Vorerst aber mahnt der Trainer zu Besonnenheit.

„Man muss sehen, dass wir im Jahr vorher knapp an der Relegation zur A-Klasse vorbeigeschrammt sind und ein Verein wie Dettelbach nur mit Pech in der Relegation die Bezirksliga verpasst hat. In der nächsten Saison spielen wir beide in einer Liga.“

Konsolidieren und langsam wachsen, heißt die Devise. Schneider setzt dabei auf organisches Wachstum, er will die Mannschaft am liebsten von der Wurzeln her stärken – mit heimischen Gewächsen. Für die kommende Saison hat der Klub bislang Tobias Schulz vom SV Erlach und den Prosselsheimer Julian Bohlender gewonnen. „Wir wollen uns nicht verfremden“, sagt Schneider, „aber Spieler zu uns holen, die uns weiterhelfen.“ Sie alle sollen dazu beitragen, dass es mit dem SC Schwarzach, wie sich der Verein künftig nennen wird, weiter aufwärtsgeht.

Ein Ziel haben Schneider und seine Jungs bei allem Jubel und Trubel verpasst: Das Interesse an den Spielen ist zwar gewachsen, aber die angestrebte Marke von 300 Zuschauern hat der Verein nur vereinzelt geknackt.

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