Prichsenstadt
Schach

SC Prichsenstadt schaffte Aufstieg in die Regionalliga

Der SC Prichsenstadt schaffte den Aufstieg in die Regionalliga - mit einem Team, das fast abgestiegen wäre. Weit mehr zählt in Prichsenstadt die Geselligkeit, ein Grund, dass viele Auswärtige den Weg zum SC finden.
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Manfred von Golitschek, früherer Mathematik-Professor, duelliert sich mit Peter-Georg Kriener, dahinter Thomas Steinhauser und Michael Ziegler, mit Kiebitz Werner Klüber. Fotos: Gerd Ludwig
Manfred von Golitschek, früherer Mathematik-Professor, duelliert sich mit Peter-Georg Kriener, dahinter Thomas Steinhauser und Michael Ziegler, mit Kiebitz Werner Klüber. Fotos: Gerd Ludwig
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Ein lauer Sommerabend in Prichsenstadt. Draußen feiern die Gäste, drinnen im "Café Römer " fallen Könige, springen Pferde, werden Bauern geopfert, beherrschen Damen das Feld: Freitagabend ist Schachabend. Die Mitglieder des SC Prichsenstadt treffen sich nicht nur zum Spielen. Sie frönen auch der ihnen wichtigen Geselligkeit, selbst der örtliche Nachtwächter schaut vorbei.

Rund 30 aktive Mitglieder besitzt der Schachclub, darunter auch ehemalige Mathematik-Professoren und Spieler aus allen Himmelsrichtungen. Nur ein einziger wohnt wirklich in Prichsenstadt, Werner Klüber. "Der Grundsatz hier ist es schon immer, dass wir kein Geld bezahlen, um Spieler zu holen", sagt der ehemalige langjährige Abteilungsleiter, als die Schachspieler noch unter dem Dach des TSV Prichsenstadt firmierten. Wegen der Bedingungen des früheren Spiellokals spalteten sich die Schachspieler vom TSV ab und gründeten 2009 ihren eigenen Verein.

Was macht den Reiz des SC Prichsenstadt aus? "Hier ist jeder wichtig, im Gegensatz zu den Vereinen in den Großstädten", sagt Michael Ziegler, den es beruflich nach Nürnberg verschlug. Er habe in Prichsenstadt gewohnt und erst gar nicht gewusst, dass es hier überhaupt ein Schachbrett gibt. Jetzt spiele er schon das fünfte Jahr beim SC und gewann jüngst die Schweinfurt Open. "Wir haben unsere Chancen - nicht weil wir besser sind, sondern weil wir besser zusammenhalten." Je kleiner der Verein, desto größer sei die Zusammengehörigkeit, konstatiert er.

Manfred von Golitschek, ehemaliger Mathematik-Professor an der Uni Würzburg und früherer Bundesligaspieler bei Marktheidenfeld, bringt es auf den Punkt: "Es macht mir Spaß hier, sonst wäre ich nicht gekommen und geblieben." Er sei vor drei Jahren durch einen Freund und Kollegen, Otto Mutzbauer, ebenfalls Mathematik-Professor im Ruhestand, hierher gelotst worden. Beide, mittlerweile um die 70 Jahre alt, fahren regelmäßig aus Würzburg zu den Übungsabenden. "Es gäbe genügend Vereine, wo sie kürzere Wege hätten, aber sie kommen zu uns", freut sich Thomas Steinhauser, der aktuelle 1. Vorsitzende des Vereins. Auch er hat mittlerweile seinen Wohnsitz in Würzburg.

"Wir sind in ganz Bayern schon eine Marke. Auch wenn die Leute nicht aus Prichsenstadt kommen, in Schachkreisen sind wir dennoch die Prichsenstädter", sagt er. "Wir identifizieren uns mit dem Namen, unter dem wir miteinander schon viel erlebt haben", weist Thomas Steinhauser einen Wechsel des Spielorts und des Vereinsnamens von der Hand. Auch wenn der Schachclub in Wiesentheid sicher besser an den Nachwuchs herankommen würde. Schließlich gebe es dort ein Gymnasium. So würden momentan nur vier Nachwuchsspieler zum Üben kommen. Freitags, ab 18.30 Uhr, betreut Steinhauser sie persönlich. Er fährt sie auch zu Turnieren. "Wir wären froh, wenn wieder einige Junge zu uns stoßen würden", lädt Steinhauser zum Übungsabend ein.

Gerade die jungen Spieler hätten die Prichsenstädter 2008/09 in die Regionalliga gebracht: Johannes Arens, Tobias Löser und Daniel Pototzky - ein absoluter Glücksfall - selbst in der Regionalliga wären das super Leute gewesen. "Wir hatten zeitweise die besten drei Jugendspieler im Kreis Maindreieck", blickt Steinhauser zurück. Durch diese drei Akteure sei der Aufstieg eigentlich eine logische Konsequenz gewesen. Genauso logisch war es, dass wir riesige Probleme bekommen würden, wenn die drei nicht mehr da sind." Studienbedingt mussten diese kürzer treten, Prichsenstadt stieg 2009/10 aus der Regionalliga sang- und klanglos mit null Punkten ab und schaffte 2011/12 auf dem letzten Drücker den Klassenerhalt in der Unterfrankenliga.

Ein Jahr später feierte der SC den Titel und steht wieder in der Regionalliga. Auch die zweite Mannschaft holte in der A-Klasse die Meisterschaft. "Die letzten Erfolge waren weniger eingeplant noch konsequent", sagt Thomas Steinhauser. Schließlich hätten sie die letzten Jahre keinen ,Überspieler' dazubekommen. "Wir sind heuer mit der gleichen Mannschaft, mit der wir letztes Jahr fast abgestiegen sind, Meister geworden. Der Unterschied sei, dass damals immer ein paar Leute Schwächephasen hatten. "Heuer war das nicht so."

Schach und Marathon
Gut sei es gewesen, dass Johannes Arens, der in München studiert, in der ersten Saisonhälfte wieder gespielt habe. Zurzeit absolviert dieser ein Auslandssemester im Ural, dort übt er in seiner Freizeit mit den alten Haudegen der Sowjet-Schachschule. Arens wollte sich eigentlich in München einen Verein suchen, "doch es ist immer noch der private Kontakt da und er spielt wieder bei uns", sagt Steinhauser. Er trainiert zusammen mit ihm - Schach und Marathon. Denn Johannes Arens gehört mit Mitte 20 zur bayerischen Spitze der Läufer.

"Eigentlich hat die Mannschaft einen großen Schritt nach vorne gemacht", betont Thomas Steinhauser, wohl wissend, dass die nächste Runde sehr schwer wird. "Wenn wir es schaffen, nicht abzusteigen, wäre das ein Riesenerfolg. Wenn wir ehrenvoll absteigen, wäre das auch kein Beinbruch", sagt er. "Lieber spielen wir eine Klasse niedriger. Es soll Kameradschaft da sein", verweist Werner Klüber auf die positive Entwicklung im Verein.
Und Steinhauser konstatiert mit Blick auf die kommende Runde: "Arens, Ziegler und ich können uns gegen stärkere Spieler noch um einiges steigern."

Arens und Ziegler werden in der nächsten Runde die beiden Spitzenpositionen unter sich ausmachen. Dann folgen Thomas Steinhäuser, mit etwas Abstand Dieter Krenz, Wolfgang Schmitz, Werner Klüber, Richard Hilgert und Peter-Georg Kriener. "Wir träumen natürlich davon, dass Tobias Löser und Daniel Pototzky einige Male spielen", hofft Steinhauser. Denn im Schach könne ein sehr guter Mann die Mannschaft um eine Liga besser machen. Allerdings werde es dauerhaft ein Problem, sich in der Regionalliga zu halten."Es ist eine Herausforderung und wir freuen uns darauf. Angst haben wir keine, denn jeder kann Schach spielen", blickt Peter-Georg Kriener in die Zukunft.

Guter Vereinsgeist
Das Ziel des SC Prichsenstadt ist aber ein ganz anderes: "Wir möchten ein örtlicher Verein bleiben. Wer mitmachen mag, kann mitmachen, aber Söldnertum gibt es nicht, weil das Unruhe in den Verein brächte." Kriener stellt den guten Vereinsgeist und Zusammenhalt heraus: "Man muss niemanden lange bitten, dass er mitspielt." Dass sei sehr wichtig. Nach den Partien zusammen feiern und in den Spielen zusammen mitfiebern, das mache den Verein auch attraktiv.

"Wenn einer gewinnt, freuen wir uns, wenn einer verliert, klopfen wir ihm freundschaftlich auf die Schulter." Das zeichne Prichsenstadt besonders aus. Kriener, der seit zwei Jahren in Prichsenstadt spielt und in Dettelbach wohnt, hat Vergleiche. Unter anderem trat er mit Großwallstadt in der Regionalliga an. Er sei sehr gerne zum Verein gekommen, weil das Klima passe. Und er liebt die Geselligkeit. Auch heuer ist ein Sommerfest geplant. "Schach spielen, dann Kaffee trinken und grillen", beschreibt er. Oder eine Reise nach Transsylvanien. Mit einem Schachvergleich im Heimatort von Claudius Feidel, der dies organisiert hat.

Auch an Vereinsabenden werde nicht verbissen Schach gespielt. Die Geselligkeit hinterher stehe da im Mittelpunkt. An einem lauen Sommerabend in Prichsenstadt. Draußen feiern die Gäste, drinnen feiern nun auch die Schachspieler nach 'getaner Arbeit' bis spät in die Nacht.
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