BOB: Olympia

Rasp vor dem Sprung auf den Olympia-Zug?

Der Mainbernheimer Sprinter sattelt um. Im Viererbob möchte er zu den olympischen Spielen.
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Gemeinsames Hoffen auf Olympia (von links): Christian Rasp, Joshua Bluhm, Johannes Lochner und Gregor Bermbach. Foto: Foto: Benedikt Neumeier

Noch ist es nur ein Traum, doch deutet derzeit einiges darauf hin, dass es mit Christian Rasp ein Sportler aus dem Weinlandkreis Kitzingen schaffen kann, ein Ticket für die Olympischen Winterspiele vom 9. bis 25. Februar 2018 im südkoreanischen Pyeongchang zu ergattern. Ein Mainbernheimer steht nicht unbedingt im Verdacht, ein Winter-Spitzensportler zu sein, doch Rasp bringt genau die Qualitäten eines Flachländers mit, die ein Bob-Pilot hinter sich braucht: einen Anschieber mit Sprinter-Qualitäten.

Christian Rasp hatte als Siebenjähriger mit der Leichtathletik begonnen, war von den Erfolgen her eher ein Spätstarter, was ja ein gutes Omen für seine Sportlerkarriere bei den Erwachsenen sein könnte. Als 14-Jähriger erkämpfte sich der Sprinter seinen ersten bayerischen Meistertitel und wechselte in den Folgejahren von der TG Kitzingen zum TV Etwashausen, der LG Karlstadt-Gambach-Lohr und zuletzt im Jahr 2013 zur LG Stadtwerke München. Er drang bei den Junioren in die nationale Spitze vor und erlebte 2010 sein erfolgreichstes Jahr als zweifacher Deutscher Meister der U 23-Junioren über 100 und 200 Meter. Dazu wurde er als Ersatzmann in die U23-Nationalmannaschaft für die Europameisterschaft berufen.

Der 26-Jährige hatte im Jahr 2010 seine Polizeiausbildung in Würzburg begonnen und ließ sich 2013 in die Landeshauptstadt versetzen, weil er dort bei der LG Stadtwerke München weit bessere Trainingsbedingungen vorfand. Aber genau in diesem Jahr bekam seine Sprinterkarriere einen Knick, weil er wegen einer Verletzung fast ein Jahr pausieren musste. Damals stellte er sich die Sinnfrage und schnupperte unverbindlich bei den Bobfahrern rein. Dieser Kontakt blieb aber eine lose Romanze. Das Jahr 2013 hattet aber wenigstens beruflich etwas Gutes für den Mainbernheimer. Ihm bot sich die Möglichkeit, im Fortbildungsinstitut der Bayerischen Polizei (BPFI) in Ainring ein Studium für die dritte Qualifikationsebene (ehemals gehobener Dienst) zu beginnen.

Im vergangenen Jahr stellte Christian Rasp mit 10,45 Sekunden seine persönliche Bestleistung über 100 Meter auf, was ihn aber nicht von einem Wechsel ins Lager der Bobfahrer zu wechseln. Der bayerische Landestrainer Karl Angerer hatte bei Rasp angeklopft und vom Wechsel zum Wintersport überzeugt. Sein Arbeitgeber, die bayerische Polizei, ermöglichte ihm zudem den Wechsel in die Sportfördergruppe der Polizei. Seitdem ist er vom Polizeidienst freigestellt und kann sich voll auf seine Sportlerkarriere am Bundesleistungsstützpunkt in Schönau am Königssee konzentrieren.

Mittlerweile ist der Mainbernheimer nach Berchtesgaden umgezogen und hat sich im Chiemgau schnell akklimatisiert. Kürzlich beförderte ihn die Polizei zum Polizeikommissar, und er hofft nun auch auf Beförderungen durch Bob-Bundestrainer Christoph Langen. Bei zwei Anschieber-Wettbewerben – einmal mit nationaler und einmal mit internationaler Besetzung – überzeugte der Mainbernheimer jeweils mit den zweitbesten Zeiten. „Ich freue mich, dass dieses Talent heranwächst“, sagte der Bundestrainer kürzlich in einem Interview. Im Bob von Juniorenweltmeister Johannes Lochner fühlt sich Rasp pudelwohl. Nur das Pech, zwei Tage zu alt für den Junioren-Stichtag gewesen zu sein, verhinderte, dass Christian Rasp vor wenigen Wochen seine erste Männer-Weltmeisterschaft im Viererbob in Innsbruck bestritten hätte. „Ich hoffe auf einen festen Platz im Bob von Johannes Lochner“, sagt der Sprinter, der im Lager der Bobfahrer zehn Kilogramm und reichlich Muskelmasse zugelegt hat.

„Die Fliehkräfte sind enorm in einem Bob“, erzählt Christan Rasp und hat gehörig Respekt, wenn er mit seinem Kumpels mit bis zu 120 km/h durch die Eiskanäle donnert. „Ich bin bislang super zufrieden mit meinen ersten halben Jahr bei den Bobfahrern“, sagt der Mainbernheimer, der im Wissen um eigene Stärken Selbstvertrauen versprüht und sinniert. „dass meine Zeit hoffentlich noch kommt“. Momentan ist er der letzte Anschieber, der im Viererbob von hinten einsteigt, doch er will flexibler werden und sich auch als Seiteneinsteiger fit machen. „Du machst in Sekundenbruchteilen entweder vieles richtig oder falsch“, skizziert der Polizeikommissar seinen Job als Bob-Lokomotive

Der Deutsche Bobverband hat um die 15 Anschieber mit Weltcup-Niveau. Wenn dann – wie zuletzt – vier Viererbobs zur WM dürfen, könnte Christian Rasp in dieser Konstellation gute Karten haben, bei künftigen Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen dabei zu sein.

„Wir Bobfahrer sind historisch eine sehr erfolgreiche Sportart in Deutschland“, weiß Christian Rasp und will alles daran setzen, im Deutschen Bobverband fest Fuß zu fassen und tatsächlich auf den Olympia-Zug für 2018 aufzuspringen.

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