"Die Kinder sollen ihre Kräfte mit ihnen noch unbekannten Gegnern messen und den Mut bekommen, sich ganz alleine einem Kontrahenten zu stellen": Benno Müller, Vorsitzender des SC Bushido, rief 2002 das Hans-Jürgen Pavel-Gedächtnisturnier ins Leben - zu Ehren des 2001 tödlich verunglückten langjährigen 1. Vorsitzenden.
"Ich wollte einen Event schaffen", sagt Müller anno 2012. Zum zehnten Mal kämpft der U11- und U14-Nachwuchs am Samstag in der Florian-Geyer-Halle um den Wanderpokal. "Bei der U11 sollen die Judoka kommen, die noch Anfänger sind. Bei der U14 (elf bis 13 Jahre) sollen die etwas Schwächeren eine Chance erhalten." Daher veranstalte er den Wettbewerb als B-Turnier. Akteure, die schon unter den ersten Drei in Bayern platziert waren, sollten auf eine Teilnahme verzichten.
"Damals hatte Wiesentheid zwar eine große Abteilung, richtete aber keine Turniere aus. Auch Iphofen - mit einer kleinen Abteilung - veranstaltete keine Wettbewerbe. Ich wollte aber meinen Sportlern etwas vor der eigenen Haustür bieten", betont Benno Müller. Mittlerweile gebe es außer dem Kitzinger Turnier nur noch je eines in Höchberg und Schweinfurt.
Vor seiner Amtszeit sei der SC Bushido so etwas wie ein Familienbetrieb gewesen. "Hans-Jürgen Pavel hat engagiert das Training geleitet. Als seine Kinder nicht mehr so aktiv waren, ist es auch bei ihm etwas abgeflaut." Allerdings weiß Müller, dessen Sohn Philipp noch zwei Jahre unter dem damaligen Vorsitzenden trainiert hatte, nicht, ob Pavel auch mal ein Turnier ausrichten wollte: "Ich konnte ja nicht mehr mit ihm sprechen".
Für den aktuellen Vorsitzenden gehört es einfach dazu, einmal im Jahr im Verein einen größeren Event durchzuführen. So ein Turnier sei auch eine Einnahmequelle, aber vor allem werde der Zusammenhalt im Verein gefördert. "Damals habe ich den SC Bushido mit 27 Mitgliedern übernommen, die Zahl steigerte sich kontinuierlich, jetzt sind es 90", freut sich Müller. Man müsse etwas bieten, um Zuwachs zu erhalten.
64 Judoka kamen 2002, seit drei Jahren müssen die Bushidos die Teilnehmerzahl begrenzen. "Wir können nur drei Mattenflächen in der Florian-Geyer-Halle aufbauen. Das Turnier soll rechtzeitig gegen 17 Uhr zu Ende sein", sagt der Vorsitzende. Vorher habe es einmal Unmut gegeben, als 270 Judoka auf der Matte standen und sich die Kämpfe in den Abend hinein gezogen hätten. 250 Kids seien nun die Grenze für drei Matten.
Apropos Matten. Bei den ersten drei Turnieren besaß der SC Bushido keine Unterlage für die Kämpfe. "Wir fuhren mit unseren Privatautos nach Höchberg und Iphofen und liehen uns die Mattenflächen, die wir mit sehr viel Aufwand aufgebaut haben", blickt Müller zurück. Mittlerweile hat der SC selbst deren vier.
Nicht nur hier ist der Vorsitzende auf Achse. Bis nach München sei er gefahren, um signierte T-Shirts zu organisieren: "Florian Wanner, frischgebackener Weltmeister 2003, übte dort im Trainingscamp und ich ließ ihn dort unterschreiben - ein Autogramm vom großen Vorbild. Dieses Textil durften die Erstplatzierten entgegennehmen. Ein Highlight", freut sich Müller. "Auch haben wir unsere Urkunden selbst kreiert."
Die Preise sind Nebensache, will er durch sein Engagement die Werte vermitteln, die den Judosport prägen: Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Ernsthaftigkeit, Respekt, Bescheidenheit, Wertschätzung, Mut, Selbstbeherrschung und natürlich Freundschaft: "Das ist auch auf das Leben übertragbar. Wichtig ist es, dass sich Jugendliche in einem fairen Wettkampf untereinander messen können. Wer kämpft, kann gewinnen, wer nicht kämpft, hat schon verloren", so der Visionär.
Auch heuer hat Müller Überraschungen parat: Eigens gestaltete Gläser für das Jubiläumsturnier für jeden Teilnehmer und als Highlight für die besten Techniker drei Samurai-Schwerter, die die Familie Pavel aus ihrem Fundus gestiftet hat.
Heuer geht es übrigens zum letzten Mal um die Trophäe. Keine Angst, das Turnier wird fortbestehen, nur der Pokal wandert in die Hände des Veranstalters zurück. Es sei kein Platz mehr zum Gravieren der Inschriften der Vereine. Der rührige Funktionär hat Ersatz, der wird am Samstag präsentiert: Ein Meter ist er hoch, der neue Wanderpokal: "So etwas habe ich noch nie auf einem Nachwuchsturnier gesehen. Einfach ein Erlebnis für jedes Kind", schwärmt Müller bei der Vorstellung, dass ein Acht- bis 13-Jähriger einmal so einen großen Pott aus der Halle tragen wird. Der Vorsitzende blickt in die Zukunft. Er möchte in zwei Jahren den Wettbewerb auf zwei Tage ausdehnen, je einen für die U11 und die U14.

Eltern noch überreden


"Aber die Eltern der Judokas sind noch nicht so bereit, mal zwei Tage zu helfen. Da brauche ich noch etwas Überredungskunst", betont Müller. Zwölf Erwachsene (Essensausgabe, Listen vorbereiten und Urkunden schreiben) sowie zwölf Nachwuchs-Judoka (für die vier Kampfrichter-Teams) benötigt er aktuell. Auf die Frage, dass ihm ja 90 Mitglieder zur Verfügung stünden, bedauert er, dass viele Eltern die Kinder nur aus dem Auto aussteigen lassen und wieder wegfahren würden. Dies sei schade, da gar nicht die Möglichkeit vorhanden wäre, mit den Eltern in Kontakt zu kommen. Er lässt sich aber nicht beirren: "Wir arbeiten daran, dass es vorwärts geht."
Denn ihm mache es Spaß, so ein Turnier zu organisieren, "wenn ich Leute zum Mitmachen animieren kann. Erst sind sie dagegen, dann haben sie plötzlich Spaß daran und es wird zum Selbstläufer. Wenn ich sehe, dass aus den schüchternen Anfängern heranwachsende junge Leute werden, die sich immer wieder engagieren, kann ich stolz sein".
Mittelfristig will Benno Müller eine süddeutsche Meisterschaft vielleicht in der Sporthalle der Harvey Barracks ausrichten und über 100 Mitglieder im Verein begrüßen. Auch wünscht er sich, dass einer von seinen Schützlingen bei der "Deutschen" unter die ersten Fünf kommt. Doch erstmal gilt es, am Wochenende den vielen Judoka viel Freude am Wettkampfsport zu vermitteln, dass sie im nächsten Jahr gerne wieder nach Kitzingen reisen - wenn der riesengroße Pokal erstmals einen Abnehmer sucht.