HANDBALL: BEZIRKSOBERLIGA

Marktsteft vor dem Meisterstück

Dem Tabellenführer fehlt noch ein Pünktchen zum sicheren Aufstieg. Die junge Mannschaft hat enormes Entwicklungspotenzial, aber auch noch manche kleine Schwäche.
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Sie können mit dem TV Marktsteft vorzeitig Meister in der Handball-Bezirksoberliga werden (von links): Sophie Wendel, Trainerin Valentina Dennerlein und Ina Hertlein. Foto: Foto: Jürgen Sterzbach

Die Handballerinnen des TV Marktsteft stehen kurz vor ihrem Meisterstück in der Bezirksoberliga. Ein einziger Punkt fehlt ihnen noch, um ihr Ziel zu erreichen, und den wollen sie an diesem Samstag in Giebelstadt holen. Obwohl es eine ungleiche Paarung ist, geben sich die Beteiligten des Tabellenersten zurückhaltend vor dem Vergleich mit dem Letzten.

Sophie Wendel bleibt gemäß ihrer Rolle auf dem Feld in der Defensive. „Der Gegner braucht die Punkte dringend und wird noch einmal alles aufbieten wollen“, sagt sie. Die 18-Jährige sieht sich vorrangig als Aufbauspielerin: „Es macht mir Spaß, in der Abwehr zu spielen und die Bälle nach vorne zu verteilen.“ Ab und an werfe sie ein Tor, doch ihr Fokus liege auf dem Verteidigen am eigenen Kreis, wo sie und ihre Mitspielerinnen stets ballseitig schieben müssten.

„Manchmal ist es schon komisch, wenn wir am Samstagabend früher gehen müssen.“
Marktstefts Sophie Wendel über ihre doppelten Einsätze

Da antwortet Ina Hertlein offensiver: „Vor dem Spiel fühlt es sich nicht anders als normal an. Aber wir wissen natürlich schon, dass es diesmal ein wichtiger Tag für uns ist“, wagt sich die 17-Jährige entschlossen nach vorne. Mit einem Schnitt von acht Toren pro Partie zählt sie nicht nur in ihrer Mannschaft, sondern auch in der Liga zu den erfolgreichsten Werferinnen. Obwohl es fast mühelos aussieht, wenn sie zum Wurf ansetzt, gesteht sie: „Es ist schon recht körperbetont, in die Lücken zu gehen.“ Ein Tor sei ihr Lohn dafür. Den Erfolg schreibt sie aber allen zu: „Es liegt nicht allein an mir. Wir stoßen zusammen den Angriff an. Wer dabei das Tor erzielt, ist egal.“

Wendel und Hertlein spielen nicht nur in Marktstefts erster Mannschaft, sondern auch mit den A-Juniorinnen in der Bayernliga. Um mehreren talentierten Nachwuchsspielerinnen einen doppelten Einsatz zu ermöglichen, war im Vorfeld gute Organisation nötig. Mit dem erfahrenen Vilo Vitkovic weiß Valentina Dennerlein als Mannschaftsverantwortliche den Trainer der weiblichen A-Jugend an ihrer Seite.

Manchmal sind Zugeständnisse sind nötig

Dreimal pro Woche trainieren sie, dazu kommen zwei Spiele am Wochenende – das alles unter einen Hut zu bringen ist nicht einfach und erfordert Zugeständnisse. „Manchmal ist es schon ein wenig komisch, wenn am Samstagabend alle noch in der Halle zusammensitzen, aber wir früher gehen müssen, weil wir am Sonntag ein Auswärtsspiel haben“, gesteht Wendel.

Das bedeutet auch, sich in kurzer Zeit auf unterschiedliche Spielweisen einzustellen. „In der A-Jugend haut normalerweise keine mehr blöd rein, wenn du am Kreis mal durch bist“, so Hertlein. „Das kann bei den Frauen schon eher passieren.“ Zudem werde in der A-Jugend-Bayernliga der schnellere Handball gespielt, die Ergebnisse fielen entsprechend höher aus. Für den Marktstefter Jahrgang 2000, dem Sophie Wendel angehört, ist es die letzte Saison bei den Juniorinnen. So käme ein Landesliga-Aufstieg und das dadurch höhere sportliche Niveau gerade passend. Die ein Jahr jüngere Ina Hertlein könnte indes noch im Nachwuchs mitspielen.

Über die gesamte Saison boten die Marktstefterinnen zwar hohe Konstanz in den Ergebnissen, doch in den Spielen stellte Trainerin Valentina Dennerlein Schwankungen fest. „Es ist klar, dass bei einer so jungen Mannschaft auch mal die Köpfe hängen, wenn es nicht läuft.“ Auch die ungewohnte Spielweise einiger Gegner stellt die auf Sturm und Drang einstellten Stefterinnen bisweilen vor ein Rätsel. „Weil sie ganz anders und viel langsamer spielen“, erklärt Hertlein.

Generell habe ihre Mannschaft ein Problem damit, wenn der Gegner einen Angriff lange ausspielt. „Dann werden wir ungeduldig. Die Mädels wollen so schnell wie möglich wieder nach vorne. Wir schließlich die Lücken nicht mehr richtig und bekommen Schwierigkeiten“, sagt Dennerlein.

In eigener Halle fühlen sie sich wohler

Noch warnt die 23-Jährige vor großer Euphorie: „Wir dürfen uns nicht schon vorher zu sicher sein, dass wir auch dieses Spiel gewinnen. Vilo und ich versuchen die Mädels darauf einzustellen, die Saison am Samstag zum bestmöglichen Abschluss zu bringen.“ Obwohl das entscheidende Spiel auswärts stattfindet. „Unsere Halle ist vielleicht nicht die schönste, aber wir sind hier dreimal pro Woche zum Training, kennen die Kabine und das ganze Drumherum“, sagt Hertlein.

Marktstefts Saisonergebnisse scheinen das unterstreichen zu wollen, denn die einzigen Niederlagen kassierte der Titelaspirant in Bergtheim und in Lohr. Doch zogen die Greengirls den direkten Vergleich zu Hause auf ihre Seite, so dass ihnen jetzt nur noch ein Punkt fehlt.

Dass sie am Ende oben stehen könnten, zeichnete sich für die Marktstefterinnen schon relativ früh ab. „Wir hatten uns das natürlich so gewünscht“, sagt Hertlein. Nach dem Sieg im Rückspiel gegen Bergtheim II im November setzte sich bei ihnen aber die Überzeugung durch, es könne tatsächlich so weit kommen. „Dass wir gegen eine der stärkeren Mannschaften in der Liga so gut mithalten konnten, war ein entscheidender Moment“, sagt Sophie Wendel.

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