DIE WOCHE

Lichte Momente im Spitzenspiel

Elektrisiert vom Duell zweier Titelanwärter zeigt sich unser Reporter in Dettelbach. Im diffusen Abendlicht wird aber auch sichtbar, dass es unseren Leuten an Rüstzeug fehlt.
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Die Woche

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Es kommt nicht so häufig vor, dass unsere Reporter nach einem Fußballspiel in die Redaktion platzen und vollauf begeistert sind ob des zuvor Gesehenen. Freizeit- und Feierabendkicker halten nun einmal selten den hohen Ansprüchen stand, der beim kritischen Publikum aus regelmäßigen Betrachtungen von Bundesliga- oder Europapokal-Spielen erwächst.

Gerne wird dann am Wochenende über die „Blinden“ oder die „Unfähigen“ der eigenen Mannschaft räsoniert. Ein Spitzenspiel verkommt zur vergleichsweise lahmen Angelegenheit und seine Protagonisten zu Träumern. Mitunter muss man am nächsten Tag hier auch noch lesen, ein Waldspaziergang wäre die sinnvollere Alternative zu diesem schnöden Kick gewesen.

Als Donnerstagvormittag unser Kreisliga-Korrespondent und Außenreporter Andreas Stöckinger die Redaktion aufsuchte, hatte er schon eine Nacht schlafen können über das Spiel der Dettelbacher und Schwarzacher Fußballer – und noch immer war er elektrisiert von einer Partie, die mit zu den besten zählte, die er und mit ihm rund 400 weitere Augenzeugen seit Langem erlebt hatten. Zu beobachten war die pure Lust an Kampf und Spiel zweier Rivalen, die gemessen am Status quo als erste Anwärter auf Meisterschaft und Aufstieg zu gelten haben.

Dass es in diesem Vergleich keinen Sieger gab, unterstreicht letztlich die Wettbewerbsfähigkeit beider Aspiranten. Dettelbach ist in unmittelbarer Umgebung ein Kontrahent erwachsen, dessen Weg mit dem Aufstieg in die Kreisliga noch nicht zu Ende ist. In Schwarzach tut der nur allzu gut bekannte Trainer Wolfgang Schneider das, was er schon immer virtuos beherrschte: fordern und fördern. Die Aufbruchsstimmung seiner jungen Mannschaft hat er genutzt, um den erfolgreichen Weg einfach weiterzugehen.

Schlaglichtartig hat der Abend in Dettelbach noch ein anderes Thema in den Fokus gerückt. Nachdem sich Fälle dieser Art zuletzt gehäuft haben, sollte der Verlag mal darüber nachdenken, seine Fußball-Reporter besser auszustatten: Ohne Taschenlampe wird es künftig nicht mehr gehen. Mittwoch hat Kollege Stöckinger seine Mission gerade so zu Ende gebracht, er hatte gar noch Muße, diverse Wolkenformationen im Licht der untergehenden Sonne zu fotografieren.

Andere hatten weniger Glück. Michael Bauer aus der Sportredaktion in Schweinfurt war Freitag vergangener Woche bis nach Rosenheim gefahren, um über das Abendspiel des FC 05 in der Regionalliga zu berichten. Aber dann saß er die meiste Zeit im Finstern, unser armer Poet, weil diese Hinterwäldler von Oberbayern noch nicht einmal ein ordentliches Flutlicht zu Stande bringen.

Manche der Fans in Dettelbach erlebten so etwas wie ihre persönliche Sternstunde: Am Ende, als es um beide Mannschaften dunkler und dunkler wurde, schwenkten sie ihre Taschenlampen gegen die vier Flutlichtmasten an. Wahrhaft lichte Momente! Von der Sonne beschienen war das Bayernligaspiel der Frickenhäuser Fußballerinnen gegen Moosburg. Aber so golden der Herbst am vergangenen Sonntag auch glänzte: Auf viele Beteiligten dieses Fußballspiels färbte davon wenig ab. Merkwürdig hektisch und seltsam unkoordiniert muteten die 90 Minuten in Deutschlands viertbester Frauenspielklasse an.

An diesem Wochenende pausiert Frickenhausen in der Liga. Dafür steht die Partie mit dem ETSV Würzburg an, in der es vordergründig um den Aufstieg ins bayerische Pokalviertelfinale geht, aber in Wahrheit um viel Prestige. Neulich erst hat sich die zweite Mannschaft der Würzburgerinnen dem Rivalen mit 0:5 ergeben – so etwas lässt der stolze ETSV nicht gerne auf sich sitzen. Frickenhausens Frauen hatten sich Donnerstagabend zu einer speziellen Trainingseinheit verabredet: Sie übten mit den Männern – wohl, um an Härte und Dominanz zu gewinnen.

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