DIE WOCHE

Komödie von „Stadel“, Familiäres vom Fußball

Meisterliches gelingt Stadelschwarzachs Fußballern – mit einer kleinen Panne. Wenig meisterlich ist das, was der Fußballverband an Pfingsten veranstaltet.
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Die Woche

Meister wird man nicht alle Tage, und wenn es einer Mannschaft gelingt, erstmals in der Vereinsgeschichte auch noch in die Kreisliga aufzusteigen, soll man die Feste feiern, wie sie fallen. Dies ist geschehen vergangenen Sonntag in Stadelschwarzach. Kaum dass abgepfiffen war, begann noch auf dem Rasen die große Sause. Spieler, Fans und Funktionäre des Fußball-Kreisklassisten machten sich auf zu einer Tour durch den Ort – und waren für unseren Mitarbeiter Benjamin Bienert, der doch gerne etwas mehr gewusst hätte zu ihrem Heimsieg über Castell/Wiesenbronn, nicht mehr greifbar.

Bei seinen Anrufen im Sportheim passierten sonderbare Dinge – nicht so obskur wie beim Kollegen Hans Rössert, den man eines Tages während des Anrufs in einem Klubheim der A-Klasse kreischen hörte: „Da ist ein Indianer am Telefon.“ Im Falle Bienerts war die Sache anders: „Da geht jemand ans Telefon und legt gleich wieder auf.“ Was tun? Kollege Andreas Stöckinger kramte kurz im Gedächtnis nach einigen vertrauten Namen, und tatsächlich. Bei einem hatte Bienert Erfolg. Der Sportleiter Stefan Kleedörfer klärte schließlich die Komödie von „Stadel“ auf: Das Telefon im Sportheim hatte irgendwie Schaden genommen.

Aber mal ehrlich: Wen kümmerte das am Tag, der in die Vereinsannalen eingehen wird wie der Einzug ins unterfränkische Pokalendspiel gegen den glorreichen FC Schweinfurt 05 vor fast 27 Jahren.

Auch an diesem Pfingstwochenende, dem vorletzten Spieltag in den Amateur-Fußballklassen, stehen wieder zahlreiche Entscheidungen an. Meister werden kann etwa der FV Schwarzenau/Stadtschwarz-ach in der Kreisklasse. Sollte das geschehen, wird man anderntags davon nichts in dieser Zeitung lesen. Das liegt nicht etwa daran, dass die Sportredaktion geschlossen in den Pfingsturlaub entschwebt wäre, sondern ist allein den weit nach hinten gerückten Anstoßzeiten geschuldet.

Beim Fußballverband hatte man vor ein paar Jahren mal den grandiosen Einfall, die Spiele an Pfingsten in die Abendstunden zu verlegen, auf dass die Männer den Tag über mit ihrer Familie verbringen können. Seither spielen sich an diesem Tag in ganz Unterfranken rührige Familien-Szenen ab. Väter sitzen nachmittags in der heimischen Stube, verwöhnen ihre Lieben bei Kaffee und Kuchen und gehen anschließend ausgeruht und innerlich aufgeräumt zum Fußballspielen.

Für diese Art von Familienpolitik braucht sich der Verband nicht zu rühmen. Was spricht dagegen, die Spiele alle am Samstag auszutragen und den Sonntag und Montag komplett freizuhalten von Fußball? Und sind die Spieler der Bezirksligen für ihre Familien eigentlich weniger wert? Deren Spiele nämlich hat der Fußballbezirk auf 15 Uhr terminiert.

Mit seinen vielen unterschiedlichen Anstoßzeiten gäbe dieses Wochenende ein Feld für Chaosforscher ab. Die Landesligen schon am Samstag um 16 Uhr, die Bezirksligen Montag um 15 Uhr, die Kreisligen um 18.30 Uhr, die Kreisklasse Schweinfurt um 17 Uhr, die Würzburger Kreisklassen aber erst um 18.30 Uhr, die A-Klassen in Würzburg um 18.30 Uhr und in Schweinfurt um 16 Uhr . . . – wer soll da bitte noch den Überblick behalten?

Die Durchsicht zu wahren fiel in den letzten Jahren auch den Handball-Fans nicht immer leicht. Da war die Saison zu Ende, und sie wussten bisweilen nicht, in welcher Klasse ihre Mannschaft nächste Saison spielen würde.

Meist lag das an den verzwickten Auf- und Abstiegsregeln, so dass etwa das Frauenteam der HSG Mainfranken am Ende dieser Runde nicht sagen konnte, ob es nun abgestiegen war, Relegation spielen muss oder den Verbleib in der Landesliga geschafft hatte. Mittlerweile weiß man: Die HSG bleibt drin, weil sich die Dinge in den oberen Ligen günstig für sie entwickelt haben. Zu einem Triumphzug durch die Stadt hat diese Entscheidung bisher nicht geführt.

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