SCHACH

Königliches Spiel fasziniert die Jugend

In Prichsenstadt spielt inzwischen ein Dutzend junger Leute Schach im Verein. Wie kommen sie dazu? Nicht nur durch eine Anzeige im Mitteilungsblatt.
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Nicht nur Werner Klüber (hinten links) und Dominik Schwarz freuen sich über den Nachwuchs in Prichsenstadt: (von links) Philipp Eckoff, Hans Hügerich, Jonas Eckoff, Paul Dittrich und Michael Köhler. Foto: Foto: Andreas Stöckinger

Ein Spiel, das Kinder und Jugendliche fesselt? Da fällt einem nicht gleich Schach ein. Doch wer in Prichsenstadt eine Trainingsstunde des dortigen Schachklubs besucht, wird umgehend eines Besseren belehrt. Dort hat Jugendleiter Werner Klüber vor etwas mehr als einem Jahr begonnen, eine Jugendgruppe aufzubauen. Mit Erfolg, wie sich zeigte. Bis zu zwölf junge Schachfreunde sind es inzwischen, regelmäßig kommen sieben bis acht Spieler zu den Übungsstunden am Freitagabend ins örtliche Café Römer.

Einer der zwischen acht und siebzehn Jahre jungen Nachwuchsspieler ist Philipp Eckoff; den Elfjährigen hat die Leidenschaft für das Brettspiel so richtig gepackt, wie seine Mutter Elke erzählt. Im Gymnasium hat Philipp sich für das königliche Spiel interessiert – heute spielt er fast immer und überall, wenn es die Zeit erlaubt. Sogar auf Familienfeiern ist das Brett im Gepäck des aus Abtswind stammenden Jungen.

„Ihm kann ich nicht mehr viel erklären.“
Jugendleiter Werner Klüber über einen seiner Schützlinge

Zu Hause hat Philipp längst seine zwei jüngeren Geschwister „infiziert“ und selbst sein kleiner Bruder Jonas kann schon die Grundzüge. „Sie sind voll bei der Sache“, sagt die Mutter lächelnd. So stand zu Weihnachten bei Philipp neben den üblichen Sachen auch ein Schachbuch ganz oben auf dem Wunschzettel. Im Training, das immer vor jenem der Herrenmannschaft stattfindet, erklärt ihm neben Jugendleiter Klüber der für den Nachwuchs der Prichsenstadter engagierte Dominik Schwarz die eine oder andere Finte.

Ähnlich wie Philipp ergeht es dem neunjährigen Paul Dittrich aus dem Geiselwinder Ortsteil Wüstenfelden. Auch ihn fasziniert Schach, zuweilen könne er die Trainingsstunden kaum abwarten, sagt sein Vater Daniel, der ihn zum Training gebracht hat. „Ein Verwandter hat es ihm mal gezeigt, dann ging es schlagartig. Er stellt die Bilder vom Computer auf dem Brett nach.“ Oder er übt – etwa gegen den 14-jährigen Hans Hügerich. Michael Köhler ist da schon etwas weiter. Der 17-jährige Prichsenstädter wurde vor kurzem Vereinsmeister der Jugend.

Er half sogar schon einmal in der ersten Herrenmannschaft, wo er in der Regionalliga überraschend einen Punkt holte. „Er hat einen solchen Sprung gemacht“, sagt Jugendleiter Klüber, „dass er fast meine Leistungsstärke erreicht hat. Ihm kann ich nicht mehr viel erklären.“

Der Onkel brachte Michael Köhler die Grundzüge im königlichen Spiel bei – erst seit eineinhalb Jahren trainiert er regelmäßig im Verein und im Internet, wo fast alle Schachfreunde gerne „zocken“. Der 17-jährige Fachoberschüler fährt dazu gerne Ski oder spielt Tischtennis, wie er sagt. Außerdem mag Köhler Strategiespiele. Im Schach nahm er bereits an Meisterschaften teil, wo ihm allerdings seine Grenzen eröffnet wurden. Vielleicht schafft er es eines Tages ja in die erste Mannschaft der Prichsenstadter, aber bis dahin sei noch einiges zu lernen, sagt er.

Werner Klüber ist froh über all den Nachwuchs im Verein, der erstmals seit fast zehn Jahren wieder eine Jugend hat. Nachdem er in Ruhestand gegangen war, nahm sich Klüber der Jugend an. Er gab für den Verein eine Anzeige in den Mitteilungsblättern umliegender Orte auf – und siehe da, es half. „Das Schöne ist, dass die Jugendlichen durch die Bank begeistert sind und regelmäßig kommen“, sagt Klüber.

Für die Zukunft des Vereins sei der Unterbau natürlich sehr wichtig. Wie bei anderen Sportarten klagen viele Klubs auch beim Schach über fehlenden Nachwuchs. Zusammen mit Dominik Schwarz möchte Klüber dieser Entwicklung entgegenwirken. Demnächst wollen die beiden in Prichsenstadt einen Kurs für junge Anfänger anbieten. Die Fortgeschrittenen des Klubs dürfen bald bei der unterfränkischen Jugendmeisterschaft mit an den Start gehen, zunächst um Erfahrung zu sammeln. Vielleicht wird ja mehr daraus.

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