FUSSBALL: KREISLIGA 1 SCHWEINFURT

„Ja, sind wir denn in der Bundesliga?“

Wer Volkachs Vorsitzenden Peter Lutz auf die Zahl der gewesenen Trainer in 15 Jahren anspricht, muss sich auf Widerspruch gefasst machen. Wir haben es trotzdem gewagt.
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Fränkische Fußball-Nationalmannschaft
Helmuth Weisensel machte 2013 Schlagzeilen mit der Idee einer fränkischen Nationalmannschaft. Jetzt trainiert er zunächst bis Saisonende den VfL Volkach. Foto: Foto: Daniel Karmann/Dpa

Die Saison in der Kreisliga hatte kaum begonnen, da musste der VfL Volkach schon nach einem neuen Trainer Ausschau halten. Vier Niederlagen in Folge waren für Sebastian Otto (33) und Albert Fischer (38) des Schlechten zu viel: Sie gaben auf und hinterließen jede Menge Ratlosigkeit in einem Verein, der in den vergangenen 15 Jahren – nun ja, wie soll man sagen? – kein Glück hatte mit seinen Trainern? Wer dem VfL-Vorsitzenden Peter Lutz auch nur mit der Zahl der gewesenen Trainer kommt, muss sich zunächst auf Zweifel und schließlich auf engagierten Widerspruch gefasst machen. Wir haben es trotzdem gewagt.

Frage: Herr Lutz, vor fünf Wochen hat der VfL Volkach quasi über Nacht seine beiden Spielertrainer verloren. Gibt es inzwischen einen festen Nachfolger auf der Position?

Peter Lutz: Ja, wir haben Helmuth Weisensel aus Schleerieth als Trainer verpflichtet.

Wissen Sie aus dem Stegreif, der wievielte Trainer des VfL das in den vergangenen 15 Jahren ist?

Lutz: Nein.

Ich habe vorhin mal nachgesehen: Es ist der neunte.

Lutz: Glaube ich nicht. Ich bezweifle Ihre Zahl.

Ich bin Ihnen gerne behilflich: Vor Otto/Fischer, die ich jetzt als ein Team werte, waren das Walter, Barget, Weingärtner, Schöller, Rieger, Bergner und noch einmal Barget.

Lutz: Gut, solange bin ich jetzt noch nicht im Amt.

Lange genug, um Sie fragen zu können: Weshalb kommt der VfL Volkach nicht zur Ruhe?

Lutz: Was heißt nicht zur Ruhe? Wir wollten mit Albert und Sebastian ins dritte Jahr gehen, aber sie wollten das nicht und haben gekündigt. Der VfL hat meines Wissens nach noch nie einem Trainer gekündigt – er hat nur manchmal den Vertrag nicht verlängert. Im Schnitt war das also alle zwei Jahre ein neuer Trainer. Was glauben Sie, wie lange soll ein Amateurverein seinen Trainer behalten? Fünf Jahre, sechs Jahre?

Die Regel ist es jedenfalls nicht, dass ein Verein im Zwei-Jahres-Turnus den Trainer tauscht. Wenn Sie mich so fragen, ist es sogar eher die Ausnahme. Neun Trainer in 15 Jahren sind da schon stattlich. Und Fischer/Otto hatten doch sicherlich auch ihre Gründe, warum sie aufgehört haben.

Lutz: Das müssen Sie die beiden fragen, das kann ich nicht beantworten. Für uns im Vorstand und auch für die Mannschaft kam dieser Schritt völlig überraschend. Der Vorstand hat den Trainern nach dem Fehlstart mit vier Niederlagen in Folge signalisiert, dass der Verein seine Verträge erfüllt und definitiv nicht die Absicht hat, sie zu entlassen. Dann werde ich nach dem Spiel von meinem Trainer angesprochen, ob er kurz mit mir reden könne. Ich denke mir: Na gut, jetzt haben wir viermal verloren, ich unterhalte mich gerne. Und dann wird mir kurz und knapp gesagt: Wir hören beide auf, mit sofortiger Wirkung. Was soll ich da tun?

Sie hätten versuchen können, sie umzustimmen.

Lutz: Was glauben Sie, was wir getan haben? Wir haben im Vorstand noch versucht, Lösungen zu finden, überhaupt zu erfahren, warum sie aufhören. Aber wir haben dazu keine Infos bekommen. In der Kabine sagten sie, noch während Spieler unter der Dusche standen: Sie hören auf, weil sie meinen, so der Mannschaft helfen zu können und einen Impuls zu geben. Da frage ich mich als einfacher Vorsitzender: Sind wir in der Bundesliga? Ich weiß nicht, warum sie aufgehört haben – definitiv nicht, weil es Unruhe in der Mannschaft gab. Oder weil sie Druck vom Vorstand bekommen hätten.

Albert Fischer sagte, an der Qualität der Mannschaft habe es nicht gelegen, dass er und . . .

Lutz: . . . dazu müssen Sie den Albert selbst fragen. Ich kann natürlich viel erzählen, um meine Beweggründe zu verschleiern.

Sie wissen also bis heute nicht, was die Trainer bewegt hat, den Klub zu verlassen?

Lutz: Weiß ich nicht, nein. Und ich verstehe es auch nicht. Ich wurde so erzogen, dass man sich an Vereinbarungen und Verträge hält. Und wenn einem was an der Mannschaft liegt, dann ist das auch kein Abgang. Aber, sagen Sie: Haben wir in dieser Sache nicht schon mal miteinander telefoniert?

Das war der Kollege.

Lutz: Gut, aber dann ist das damals schon nicht richtig rübergekommen. Sich jetzt hinzustellen und zu sagen, es sei eine stattliche Zahl an Trainern, die der Verein verschleißt, ist schon starker Tobak. Das irritiert mich gerade total.

Von „verschleißen“ war nie die Rede. Ich habe doch nur festgestellt, dass Volkach im Vergleich mit anderen Vereinen viele Trainer hatte.

Lutz: Schauen Sie, der Jürgen Walter wurde von meinem Vorgänger geholt und ist in der Kreisklasse mit der Aussage angetreten, er werde mindestens einmal aufsteigen. Das ist ihm nicht gelungen. Danach hat sich ein komplett neuer Vorstand gebildet, der gesagt hat: So steigen wir nicht auf, wir brauchen zwei Spielertrainer, Punkt. Nach zwei Jahren lief der Vertrag mit Jürgen Walter aus, und der Verein ist im Jahr darauf mit Albert Fischer und Sebastian Otto nach 16 Jahren wieder in die Kreisliga aufgestiegen. Also war die Entscheidung ja nicht unbedingt verkehrt.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich will das gar nicht werten, es ist schlicht eine Feststellung. Ich kenne die Hintergründe gar nicht.

Lutz: Ich auch nicht. Ich will Albert Fischer und Sebastian Otto ja nichts nachreden. Ich habe das als Vereinsvorsitzender zu akzeptieren, obwohl ich es nicht verstehen kann. Ich habe vorgeschlagen, dass sie zumindest bis zum Winter weitermachen, um dem Verein ein wenig Luft zu verschaffen. Ohne Erfolg. Ich habe mir die Finger wund telefoniert, um einen Trainer zu bekommen.

Ende August hatten Sie dann auch wie-der einen.

Lutz: Wir hatten Glück, dass Norbert Feidel bereit war, uns zu helfen, aber nur befristet bis Ende September. Er ist Berufssoldat. Jetzt haben wir Helmuth Weisensel. Auf seinen Wunsch haben wir einen Vertrag bis 30. Juni 2019 geschlossen. Wenn er nächstes Jahr im April sagt, mir ist das zu weit von Schleerieth, ich will nicht mehr, dann haben wir Trainer Nummer 10 verschlissen.

Lassen Sie uns mal zurückschauen auf die vergangene Rückrunde: Da hat Volkach in 13 Spielen nur noch zehn Punkte geholt. Haben sich die Probleme da nicht schon angedeutet?

Lutz: Im Nachhinein kann man das natürlich so sehen, ja. Als der Verein nach der Vorrunde mit den Trainern verlängert hat, waren wir Dritter. In der Rückrunde hatten wir dann zeitweise bis zu fünfzehn Verletzte. Dass diese Phase schlecht war, wussten die Trainer, das wusste auch der Verein. Wir haben gesagt, dass wir aufpassen müssen. Das waren aber normale Gespräche.

Für die vielen Verletzten kann der Verein nichts.

Lutz: Ja, aber wissen Sie: Diese Diskussion führe ich auch innerhalb des Vereins. Leute fragen mich: Was tust du? Und ich sage: Was soll ich tun? Ich kann ja keine Spieler herbeizaubern und Geld zahlen wir nicht. Und dann fragt mich unser neuer Trainer Helmuth Weisensel: Wie viele Volkacher hast du in deiner Mannschaft? Ich sage: 98 Prozent. Darauf er: Das gefällt mir.

Das ist ein anderer Ansatz.

Lutz: Genau. Da muss ich dann aber sagen: Ich investiere viel Geld in die Jugendabteilung. Es gibt auch andere Stimmen, die sagen: Lös die Jugendabteilung auf, dann hast du Geld genug. Wir sagen: Nein – dann spielen wir halt nächste Saison wieder Kreisklasse.

Was erwarten, was erhoffen Sie sich von Ihrem Trainer?

Lutz: Er hat mich das auch gefragt. Und ich habe geantwortet: In dieser Situation erwarte ich gar nichts von meinem Trainer. Soll ich sagen: Ich will aufsteigen?

Vielleicht, dass Sie in der Kreisliga bleiben wollen.

Lutz: Ja, das erwarte ich nicht, das erhoffe ich mir. Wir werden Helmuth Weisensel da nicht unter Druck setzen. Er hat ja eine Mannschaft übernommen, die völlig verunsichert ist und die – wenn man Norbert Feidel dazuzählt – den dritten Trainer hat in dieser Saison. Das sind Geschichten aus der Bundesliga, aber nicht aus der Kreisliga.

Volkachs Trainer seit 2002

06/02 – 05/05: Bernd Barget

06/05 – 05/06: Thomas Bergner

06/06 – 12/07: Michael Rieger

01/08 – 05/10: Hermann Schöller

06/10 – 05/12: Fabian Weingärtner

06/12 – 05/14: Bernd Barget

06/14 – 05/16: Jürgen Walter

06/16 – 08/18: A. Fischer/S. Otto

08/18 – 09/18: Norbert Feidel

09/18 – ??? : Helmuth Weisensel

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