ULTRALAUFEN: SPARTATHLON

Heinleins Vorsicht zahlt sich aus

Voriges Jahr in Ohnmacht gefallen, achtet Marika Heinlein diesmal mehr auf ihren Körper. Vor allem nachts lauert auf den 236 Kilometer von Athen nach Sparta Gefahr.
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Bekränzt mit dem Siegerlorbeer: Marika Heinlein in Sparta. Foto: Foto: Heinlein

Marika Heinlein hat ihn wieder einmal geschafft, den Spartathlon. Jenen Lauf von Athen nach Sparta auf der historischen Strecke, der in Läuferkreisen als die Herausforderung schlechthin gilt. Schließlich müssen die 246 Kilometer in einem Zeitlimit von 36 Stunden absolviert werden. Eine unglaubliche Strapaze bei dreißig Grad Hitze tagsüber. Nachts kühlt es zum Teil empfindlich ab.

Mitmachen kann nicht jeder. Die Veranstalter verlangen unter anderem, dass die Teilnehmer bereits mindestens einmal einen 100-Kilometer-Lauf in zehn Stunden (Männer) oder zehneinhalb Stunden (Frauen) absolviert haben. Diese Voraussetzungen erfüllt Marika Heinlein längst. Für sie ist der Spartathlon ein Mythos. „Es war mein zehnter Start, zum siebten Mal habe ich ihn erfolgreich beendet“, sagt die 54-jährige Geesdorferin. Voriges Jahr hatte sie bei Kilometer 60 aufgeben müssen. Sie war in Ohnmacht gefallen, entkräftet oder überhitzt, das hatte sie nun beim Start in Athen noch im Hinterkopf. Diesmal ging sie mit etwas mehr Vorsicht ins Rennen, hielt bei jeder Station an, um Verpflegung aufzunehmen oder um sich zu kühlen.

Angst nur vor der Zeit

Die Strecke und die Bedingungen kannte die Buchhändlerin. „Es war extrem heiß wie immer, ich hatte diesmal nur das Zeitproblem.“ Denn bei den Kontrollpunkten auf der Strecke gilt es vorgegebene Fristen einzuhalten. Wer zu langsam ist, wird aus dem Rennen genommen. 15 bis 20 Minuten Puffer hatte sie meist, nicht viel, vor allem wenn die Nacht kommt. Dann nämlich steht der gefürchtete Anstieg zum Sangas-Pass an, dessen Passhöhe auf 1100 Metern liegt. Über zum Teil schmale, schlechte Wege geht es dort, die Läufer tragen Lampen. „Diesmal hatte ich keine Angst dort, ich hatte nur das Zeitproblem im Kopf“, schildert es Heinlein.

Es blieb eng, aber ihre Einteilung passte. Etwa elf Kilometer vor dem Ziel nahm sie ein Energie-Gel zu sich. „Von da an lief es. Bruno hat mich noch einmal motiviert, ich bin teilweise fast gerannt“, sagt sie. Bruno ist ihr Mann, der sie bei jedem Rennen begleitet. Am Ortseingang Spartas angekommen, folgten noch einmal etwa drei Kilometer Anstieg, bis das Ziel erreicht war. Das Gefühl, das einen in dem Moment einfängt, könne man nicht beschreiben. „Auf den letzten hundert Metern vergisst du alles, da tut dir nichts mehr weh“, schwärmt Marika Heinlein.

Die Anspannung und die Strapazen fallen mit einem Mal von einem ab, wandeln sich in ein Glücksgefühl. Es folgten die üblichen Feiern und Ehrungen – erst in Sparta, später in Athen.

Im Anschluss an die Strapaze am letzten September-Wochenende hängte sie mit ihrem Mann gleich noch einige Tage zum Entspannen in Griechenland an. Damit ist die Lauf-Saison 2016 für die Ultraläuferin noch nicht beendet. Am kommenden Wochenende 22./23. Oktober nimmt sie an den Europameisterschaften im 24-Stunden-Lauf im französischen Albi teil. Unabhängig davon, wie sie dort abschneiden wird, denkt sie bereits an nächstes Jahr. Ob sie wieder in Griechenland starten wird? „Ich weiß jetzt schon, dass ich dort wieder an der Startlinie stehe, wenn nichts dazwischen kommt.“ Bislang hat sie es noch im-mer geschafft.

Der Spartathlon

Einen Rekord verzeichnete die 25. Ausgabe des 246 Kilometer langen Rennens von Athen nach Sparta. Insgesamt gingen 371 Läuferinnen und Läufer an den Start, um die Strecke zu bewältigen.

Sieger bei den Herren wurde der US-Amerikaner Scott Jurek in sehr guten 23:12 Stunden; bei den Frauen gewann Akiko Sakamoto aus Japan in 31:09 Stunden.

Insgesamt erreichten 21 deutsche Männer und drei deutsche Frauen Sparta im Zeitlimit von 36 Stunden, eine davon war Marika Heinlein. Sie landete auf Gesamtplatz 64 in einer Zeit von 34:30 Stunden.

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