HANDBALL: BEZIRKSOBERLIGA MÄNNER

Häckner hält nicht viel von Euphorie

Rödelsees Neuanfang nach dem Absturz kann sich sehen lassen. Aber Christian Häckner als einer der verbliebenen Routiniers relativiert den guten Auftakt.
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Nach dem Abstieg sind Christian Häckner und die Rödelseer gerade dabei, wieder aufzustehen. Foto: Foto: Stöckinger

Wer hätte das gedacht: Die Handballer des TSV Rödelsee stehen mit drei Siegen nach drei Spielen gleich hinter dem Tabellenführer DJK Rimpar III an zweiter Stelle der Bezirksoberliga – und das, nachdem zum Ende der vergangenen Saison mit dem freiwilligen Rückzug der Mannschaft aus der dritten Liga ein wahrer Exodus den Spielerkader kräftig ausgedünnt hat. Zeitweise schienen sich Rödelsees Verantwortliche nicht sicher, ob sie ein Team und wenn ja, welche Mannschaft sie zu dieser Runde auf die Platte stellen können.

Aus den drei Jahren in der dritten Liga oder zuvor in der Bayernliga, sind dem TSV neben Spielertrainer Radovan Suchy nicht mehr viele Akteure erhalten geblieben. Einer derer, die die großen Zeiten zumindest zum Teil noch erlebt haben, ist Christian Häckner. Er gehört zum Häuflein der letzten Mohikaner – neben Torhüter Thomas Paul und mit Abstrichen die jungen Lukas Demel und Moritz Reichhard –, die in Rödelsee bei der Stange geblieben sind.

Nicht überrascht vom Start

Allzu überrascht zeigt sich Häckner nicht vom erfolgreichen Auftakt. „Es freut mich natürlich, dass wir so positiv gestartet sind. Das ist die Belohnung dafür, dass die Jungs in der Vorbereitung wirklich gut gearbeitet haben.“ Er relativiert die drei Siege etwas, zwei davon habe man schließlich gegen Aufsteiger (Bad Neustadt II, Gerolzhofen) eingefahren. Zuletzt schlug man mit 30:25 die TG Würzburg und damit einen Arrivierten der Liga. „Damit hat keiner gerechnet, aber wir haben unseren Stiefel einfach runtergespielt“, sagt der 30-Jährige lapidar.

Von Euphorie zu sprechen hält Häckner für überzogen. Schließlich seien erst drei Spiele vorbei, da müsse man drüber stehen. „Lass uns mal eins verlieren, dann sieht es wieder anders aus.“ Häckner und die anderen beim Verein Gebliebenen sehen sich in Rödelsee nicht in der Rolle, dass sie nun den Karren wieder aus dem Dreck ziehen müssen. Die gesamte Entwicklung sei einfach „blöd gelaufen“. Im Absturz um gleich drei Spielklassen erkennt er zwar einen Rückschritt. „Aber für den Verein war das vielleicht der bessere Weg.“ Der Spaß am Spiel sei wieder da. Es könne auch sein, dass sich mancher, der sonst im Hintergrund mitlief, nun zeigen wolle.

Für Häckner hatte der Stellenwert des Handballs bereits seit Längerem nicht mehr die Dimension wie einst. Im Winter 2014 war er quasi aus der „Mühle“ dritte Liga ausgestiegen; zur Saisonmitte hatte er sich vom Drittligisten verabschiedet, um auf große Reise zu gehen. Das gefiel nicht jedem im Verein. Nach dieser Auszeit wechselte er ein halbes Jahr später zur DJK Waldbüttelbrunn, aber nach einer Runde in der Bayernliga ging er auch dort wieder. Danach zog es den Rödelseer zurück zum TSV, allerdings nur noch zur Reserve – das teilte er den Verantwortlichen gleich mit.

Drei-, viermal Training die Woche, da winkte er ab. Heute versucht er, so gut es geht, bei den Trainingseinheiten zu sein, aber eben nicht immer. Bei den Spielen jetzt in der Bezirksoberliga müsse die Einstellung stimmen, das verlange nicht nur Trainer Radovan Suchy. „Der Ehrgeiz bei ihm ist da. Aber es sind ganz andere Voraussetzungen. Im Spiel geht es sechzig Minuten voll drauf, danach können wir wieder locker sein“, schildert es Häckner.

Anderer Handball ohne Harz

Allzu groß ist der Stamm der ersten Garnitur beim TSV nicht. Bei zehn, zwölf Spielern darf es nicht viele Ausfälle geben. Von den höherklassigen Zeiten profitiere er schon, sagt Häckner mit seinen mittlerweile dreißig Jahren. Gerade was Übersicht oder Abwehrverhalten angeht, merke er das. „Es ist ein anderer Handball, komplett ohne Harz. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen“, sagt er über den Unterschied. Außerdem seien die Fahrtzeiten zu den Auswärtsspielen deutlich kürzer. Alles in allem brauche man deswegen nicht überheblich zu sein, die Gegner könnten schließlich auch Handball spielen.

Gerade die erfahrenen Kräfte wie Spielertrainer Suchy oder Torwart Thomas Paul seien die Zugpferde im Team des TSV, erklärt Häckner. „Thomas ist ein sehr guter Rückhalt, er gibt uns Sicherheit. Von ihm profitiert Christian Roßmark als zweiter Torhüter. Wenn du von einem wie Thomas lernen kannst, dann spornt das auch an.“

Dieses Wochenende steht für den TSV Rödelsee wieder nur eine ganz kurze Reise an, nämlich in die TGK-Halle nach Kitzingen. Dort wartet der TV Großlangheim. „Außer den Faustmanns kenne ich dort kaum einen, das ist schon wieder eine andere Generation“, sagt Häckner mit Blick auf die Gegner. Wohin die sportliche Reise seines TSV Rödelsee in dieser Saison und erst recht in der Zukunft hingeht, das bleibt vorerst offen.

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